Der von CSU und CDU in einem langwierigen Prozess gefundene Kompromiss in der Frage einer gemeinsamen Flüchtlings- und Migrationspolitik sieht unter anderem sogenannte "Entscheidungs- und Rückführungszentren" vor, in denen neu ankommende Asylbewerber so lange bleiben sollen, bis über ihr Verfahren entschieden ist. Als Vorbild dient dabei eine Einrichtung wie die der Aufnahmeeinrichtung Oberfranken - kurz AEO - in Bamberg. Wie die funktioniert, erläutert der Leiter der Einrichtung, Jakob Daubner.

Das Modellhafte am "Bamberger Modell" sei die enge Verzahnung aller an den Asylverfahren beteiligten Behörden. Um die Verfahren beschleunigen zu können, würden alle für die Durchführung und Entscheidung notwendigen staatlichen Stellen unmittelbar vor Ort arbeiten. So nach dem Motto: Kurze Wege, schnelle Entscheidungen. Wobei natürlich ein rechtsstaatliches Vorgehen gewährleistet werden müsse. Neu ankommende Flüchtlinge würden zunächst genau registriert, die erhobenen Daten mit Datenbanken des Landes- und Bundeskriminalamts abgeglichen. Die obligatorische medizinische Untersuchung schließt sich an.

Das Nürnberger Bundesamt für Migration und Flüchtlinge sei für die ersten Anhörungen mit Entscheidern, Dolmetschern und Sachbearbeitern vor Ort. Nach einer Entscheidung im Asylverfahren steht für abgelehnte Antragsteller der Rechtsweg offen. Eine Rechtsantragsstelle hilft hier weiter, auch das zuständige Verwaltungsgericht ist vor Ort vertreten. Für den, der kein Asyl erhält, wird die Rückführung oder freiwillige Rückkehr in die Wege geleitet. Oder auch die Abschiebung. All diese Maßnahmen hätten dazu beigetragen, dass sich die Verfahrensdauer wesentlich verkürzt habe. Die Frage nach der durchschnittlichen Bearbeitungsdauer eines Asylverfahrens wollte Daubner so nicht beantworten. Weil die Verfahrensdauer stark abhängig wäre von der Nationalität der Antragsteller. Wer aus als sicher eingestuften Herkunftsländern wie den Balkanstaaten komme, könne rascher mit einer Entscheidung rechnen als jemand , der aus Syrien oder Afghanistan geflohen sei.

Kritikfrei wird die jetzt als Modell gehandelt Einrichtung jedoch nicht gesehen. Abschiebungen würden mitten in der Nacht erfolgen, Familien dabei auseinandergerissen, die Unterbringung sei menschenunwürdig, das Essen schlecht.
Die Bezirksregierung weist derlei Vorwürfe zurück. Abschiebungen begännen im Regelfall morgens um 6 Uhr, Familien würden nicht getrennt, es sei denn ein Familienmitglied wäre straffällig geworden. Ebensowenig wären die Unterkünfte menschenunwürdig. Bei der Belegung der Wohnung achte man bewusst auf Homogenität, um Spannungen zu vermeiden. Dass die Wohnungen nicht abgesperrt werden könnten, sei aus Sicherheitsgründen notwendig. Und das Essen? Es gebe eine Kantine, drei Mahlzeiten am Tag. Auch klar: Essen ist immer Geschmackssache.