Bamberg
Wertanlage

Antiquitäten statt Aktien

Die 22. Bamberger Kunst- und Antiquitätenwochen locken wahre Sammler und keine Spekulanten. Dennoch kann ein altes Objekt eine gute Investition sein.
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Walter Senger und Fiona Freifrau Loeffelholz von Colberg nehmen eine heilige Barbara (1520) in die Mitte. Foto: Marion Krüger-Hundrup
Walter Senger und Fiona Freifrau Loeffelholz von Colberg nehmen eine heilige Barbara (1520) in die Mitte. Foto: Marion Krüger-Hundrup
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Die gepflegte Lady im reiferen Alter drückt sich ihr Näschen platt am Schaufenster in der Herrenstraße 1. Und tritt schließlich ein in das Antiquitätengeschäft von Christian Eduard Franke. Der Herr über zahllose Pretiosen in Museumsqualität begrüßt die ihm unbekannte Dame mit formvollendetem Handkuss: "Schauen Sie sich gerne um!" Gezielt eilt sie zu dem begehrten Objekt, das sie von draußen erspäht hat: einen Kabinett-Spiegel aus Antwerpen - um 1600 geschaffen. 21 000 Euro kostet das gute Stück. Erschrecken ob des stolzen Preises zeichnet sich auf dem Frauenantlitz ab. Höflich verabschiedet sie sich von Franke. Und ebenso freundlich öffnet er ihr die Ladentür zum Hinausgehen.

Wieder einmal laden Kunst- und Antiquitätenwochen nach Bamberg ein. Deutschlands Antiquitätenhauptstadt schlechthin. Aus Nah und Fern pilgern Liebhaber alter Kunst in die Galerien am Fuße des Dombergs: Wahre Sammler, Neueinsteiger - aber gewiss keine Spekulanten, die in der Hoffnung auf gewinnträchtige Rendite "altes Gelump" kaufen und wieder verkaufen wollen. "Antiquitäten sind keine Spekulationsobjekte, weil man nicht weiß, wohin sich der Markt entwickelt", betont Fiona Freifrau Loeffelholz von Colberg, die Sprecherin der Bamberger Händler und Organisatorin der Kunst- und Antiquitätenwochen.


Hochpreisig und selten

Es gebe keine Garantie, dass der pekuniäre Wert von erstandenen Antiquitäten steige, so die Freifrau. Eine Ausnahme seien allerdings "hochpreisige und seltene Objekte", von denen es immer weniger auf dem Markt gebe und die im Wert eher steigen würden. Christian Eduard Franke drückt diese Einschätzung so aus: "Je kostbarer desto wertbeständiger." Je höher die Qualität des Einzelobjektes, je sicherer die Provenienz, desto unumstößlicher die Wertgarantie.

Der in Fachkreisen überaus geschätzte Kunsthändler Franke hat dafür etliche Beispiele im Angebot: zwei höfische Rokokokommoden etwa aus der Werkstatt der Gebrüder Spindler - in exzellenter, originaler Erhaltung. Da ist der sechsstellige Betrag dafür eine zweifelsfreie Investition, unbestrittener als Aktien. Obendrein sorgen diese Möbel für eine "private Atmosphäre daheim und eine gediegene Ausstrahlung", übt sich Franke im vornehmen Understatement.

Sein Kollege im Antiquitätenviertel, Walter Senger, meint da etwas robuster: "Die Leute kaufen, was gefällt, und zwar für's Leben!" Senger, die "Graue Eminenz" unter den Bamberger Antiquitätenhändlern, bringt nicht nur über 40 Jahre Erfahrung im einschlägigen Geschäft mit, sondern auch internationale Reputation. Der 72-Jährige ist auf den großen Kunstmessen zu Hause, präsentiert immer wieder Spitzenobjekte, "deren Qualität überlebt und ihren Preis rechtfertigt". Offen plaudert Walter Senger aus seinem Portefeuille, in das beispielsweise ein historisches Fortepiano von David Roentgen (1743 bis 1807) gehört. Weltweit gibt es nur noch fünf Exemplare aus dessen Werkstatt. Eine solche Rarität hat natürlich ihren Preis: Für 2,5 Millionen Euro kann sich der Musikalienliebhaber dieses edle Stück in seine Villa stellen.

Walter Senger ist bodenständig genug geblieben, um seine Freude am Bummel über Trödelmärkte zu haben. "Auch der weniger gut Betuchte mag alte Sachen", ist er sich sicher. Auch bei Wohnungsauflösungen kämen immer wieder Möbel oder diverser Zierrart zum Verkauf: "Die sind in der Regel so viel wert, wie sie verkauft werden", unterscheidet Christian Eduard Franke zwischen tatsächlichem Marktwert und ideellen Wert. Für eine Familie könne ein Barocksekretär der Vorfahren unersetzlich, auf Grund des Erhaltungszustands und der Verarbeitung aber für den Markt völlig belanglos sein.


Diskretion oberstes Gebot

Fiona Freifrau Loeffelholz von Colberg räumt ein, dass unter dem, was "die Erbengeneration an Schwemme verursacht", durchaus ein "sensationelles Stück" sein könnte. Ansonsten "liegen Welten zwischen den Dingen aus Haushaltsauflösungen und dem Qualität vollen Angebot der Bamberger Kunst- und Antiquitätenhändler". Die punkten zudem mit Wissen über die Herkunft ihrer Objekte, mit Expertisen, mit ausgewiesener Kollegialität untereinander und Diskretion über ihre Kundschaft und deren Einkäufe.

So hat just vor wenigen Tagen das schwedische Königspaar nicht nur die Bayreuther Wagner-Festspiele besucht, sondern auch die Bamberger Antiquitätenhändler Franke und Senger. Ob Königin Silvia und ihr Ehemann etwas gekauft haben? Darüber schweigen sich die Händler eisern aus.
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