Hallstadt
Sanierung

Anna-Kapelle in Hallstadt wird von unten gestützt

Zur Verbesserung der Statik an dem denkmalgeschützten Anna-Kirchlein in Hallstadt (Landkreis Bamberg) wird ein Spezialverfahren angewendet: Beton wird drei Meter tief zur Stabilisierung unter das Fundament gepresst.
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Foto: Barbara Herbst
Foto: Barbara Herbst
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Hier ist Helmut Gunreben in seinem Element: An der Anna-Kapelle in Hallstadt im Landkreis Bamberg ist ein Minibagger postiert und eine Reihe von Gerätschaften verraten, dass hier eine Baustelle in Betrieb ist. Nicht irgendeine, sondern eine mit besonderen Herausforderungen, die den Einsatz innovativer Technik erforderlich macht: Der Baugrund der denkmalgeschützten Kapelle wird praktisch von unten unterfüttert und somit stabilisiert.

Die Anna-Kapelle liegt Helmut Gunreben so sehr am Herzen, dass er für deren Rettung vor sieben Jahren sogar einen eigenen Verein ins Leben gerufen hat. Und der wiederum setzt sich mit Nachdruck für den Erhalt des Gotteshauses ein.

Gunreben ist äußerlich kaum von den professionellen Bauarbeitern zu unterscheiden. Er wirkt genauso betriebsam und wuselt zielstrebig auf der Baustelle umher. Die Technik kann er aus dem Stegreif erklären.


Das sogar so versiert, dass Architekt Günter Hofmann nur staunend nicken und die Ausführungen des Anna-Kapellen-Vereins-Vorsitzenden bestätigen braucht. Bewundernd nehmen das auch Stephan Czepluch und Thomas Söder vomr Vorstand des mittlerweile gut 100 Mitglieder zählenden Anna-Kapellen-Vereins zur Kenntnis. Jeder von ihnen hat übrigens einen engen persönlichen Bezug zur Namenspatronin des ortsbildprägenden Kirchleins: Söders Oma hieß ebenso Anna wie Hofmanns Großmutter oder die Schwester von Czepluchs Oma.



Gunreben wiederum kann auf Mutter und Schwiegermutter mit dem Vornamen Anna verweisen. "In Hallstadt hat es immer viele Annas gegeben", weiß der 75-Jährige. Und die kamen früher am Anna-Tag, dem 26. Juli, immer in der Anna-Kapelle zusammen. Die Kapelle befindet sich übrigens in Besitz der Anna-Kapellen-Stiftung und diese wird von der katholischen Kirchenstiftung verwaltet.

Als Kirchenpfleger fungiert Günter Hofmann, der für die Kapellen-Sanierung zuständige Architekt. Stolz zeigt Hofmann sich ebenso wie die Vorstandsmitglieder beim Besuch auf der Baustelle darauf, dass die Arbeiten nicht zuletzt dank der intensiven Bemühungen des Anna-Kapellen-Vereins - eines Fördervereins - möglich geworden sind: Immerhin hat der Verein Eigenmittel in der Höhe von 70.000 Euro erwirtschaftet, ein wichtiger Beitrag bei Gesamtkosten von 700.000 Euro.

Weitere Geldgeber sind die Bayerische Landesstiftung, die Oberfrankenstiftung, das Erzbischöfliche Ordinariat und natürlich die Stadt Hallstadt.


Patenschaften für die 40 Heiligenfiguren
Freilich ergreift der Verein weiterhin zu innovativen Maßnahmen, um die Sanierung voran zu bringen. Dazu gehören Patenschaften. Patenschaften für die 40 Heiligenfiguren im Kirchlein ebenso wie für Kreuze, Leuchter und weitere Gegenstände. "Da gibt es einen Katalog" , erklärt Thomas Söder. Und Schatzmeister Stephan Czepluch schlüsselt auf: Für die Patenschaft von Altarengeln ist man mit 150 bis 200 Euro dabei, andere Figuren liegen bei 700 bis 800 Euro. 26 weltliche Paten hat der Verein für die Restaurierung des "Kapellen-Innenlebens" schon gefunden. Alle wird man einmal in einem Fotobuch verewigt sehen. Große Wertschätzung erfährt seitens des Kapellen-Vereins auch die Hallstadter Theatergruppe, die sich als Gruppe für das Sanierungsvorhaben engagiert.

Was sind die Herausforderungen bei der Sanierung dieses von 1703 bis 1706 errichteten Kirchleins? Sie sind wohl hauptsächlich in der Nähe zum Mühlbach begründet, zeigen die Erläuterungen der Spezialisten vom Verein. Durch die Nässe hat sich der Untergrund gesenkt, mit der Folge, dass die Statik nicht mehr stimmte, sich eine Vielzahl Risse in dem Bauwerk Risse bildete. In den zahlreichen bisherigen Renovierungen konnte das Problem aber nicht wirklich behoben werden. Abhilfe ist nun endlich dank eines modernen Verfahrens möglich. Man geht drei Meter in den Untergrund hinein und unter das Gebäude. Eine Spezialmischung - eine Betonemulsion - soll hier das Fundament sozusagen stützen, sich mit dem Untergrund vermengen und dann verfestigen.

Ladung für Ladung wird das Material in den Boden gepresst. 50 Bohrungen sind vorgesehen mit "Portionen" zwischen 100 und 800 Litern Beton, die in den Boden gepresst werden. Mit einem Niveliergerät wird nach jeder einzelnen der jeweilige Effekt überprüft. "Wir könnten die Kapelle auch anheben", führt Architekt Hofmann die Gratwanderung vor Augen. Rissmonitore geben zudem weiteren Aufschluss über die jeweilige Wirkung eines solchen Arbeitsschritts. In Kürze sollen die Pressungen abgeschlossen sein. Danach liegen die Tätigkeitsfelder im Bereich des Dachstuhls und im Anschluss im Innenbereich.

Wie lange die Kapelle Baustelle sein wird, darauf möchte sich Gunreben nicht festlegen. Es ist aber davon auszugehen, dass er noch lange bei der Anna-Kapelle zu tun haben wird.
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