Bischberg
Staatsanwaltschaft Bamberg

Anklage wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern in Bischberg: Die Vorwürfe sind massiv

Die Staatsanwaltschaft erhebt gegen einen Ex-Azubi Anklage wegen mehrfachen sexuellen Missbrauchs von Kindern im Kindergarten Bischberg. Es geht um zehn Fälle.
Artikel drucken Artikel einbetten
Ein ehemaliger Erzieher-Azubi  hatte  im März den Missbrauch von fünf  Kindern im Kindergarten der Arbeiterwohlfahrt in Bischberg eingeräumt. Die  Staatsanwaltschaft Bamberg hat nun aber Anklage wegen sexuellen Missbrauchs  von neun Kindern erhoben.   Foto: Matthias Hoch
Ein ehemaliger Erzieher-Azubi hatte im März den Missbrauch von fünf Kindern im Kindergarten der Arbeiterwohlfahrt in Bischberg eingeräumt. Die Staatsanwaltschaft Bamberg hat nun aber Anklage wegen sexuellen Missbrauchs von neun Kindern erhoben. Foto: Matthias Hoch
Bei der Arbeiterwohlfahrt (Awo) läuft weiterhin die schwierige Aufarbeitung mehrerer mutmaßlicher Fälle des sexuellen Missbrauchs, den ein ehemaliger Erzieher-Azubi im Kindergarten Bischberg an vier- bis sechsjährigen Mädchen begangen haben soll. Inzwischen ist auch die juristische Aufarbeitung einen entscheidenden Schritt vorangekommen.

Wie am Dienstag bekannt wurde, hat die Staatsanwaltschaft Bamberg gegen den Heranwachsenden Anklage wegen mehrfachen sexuellen Missbrauchs von Kindern zur Jugendkammer des Landgerichts Bamberg erhoben. Der Beschuldigte sitzt seit Mitte Februar in Untersuchungshaft.


Kinderpornografische Bilder

Die Behörde geht dabei von mehr betroffenen Kindern aus, als bisher bekannt war: So hatte der 19-Jährige bereits im März den Missbrauch von fünf Kindern eingeräumt. Doch sollen laut Staatsanwaltschaft insgesamt neun Mädchen zwischen vier und sechs Jahren im Kindergarten Bischberg von dem Tatverdächtigen in zehn Fällen sexuell missbraucht worden sein. Alle Taten haben sich demnach im September 2017 ereignet - zu Beginn seiner Ausbildung. Laut Oberstaatsanwalt Matthias Bachmann wirft die Anklagebehörde dem ehemaligen Auszubildenden außerdem vor, kinderpornografische Bilddateien besessen zu haben.

Teilweise soll es sich bei den zehn Fällen um sexuellen Missbrauch im besonders schweren Fall handeln. Die Staatsanwaltschaft will aus Opferschutzgründen nicht näher ins Detail gehen, doch die Wortwahl von Oberstaatsanwalt Bachmann deutet an, dass es sich um heftige Vorwürfe handeln muss: "Wir gehen teilweise von sexuellen Übergriffen massiver Art aus", erklärt Bachmann auf Nachfrage. Es sei auch davon auszugehen, dass zum Schutz der Kinder die Hauptverhandlung vor der Jugendkammer zum Teil unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden wird.

Ein Termin für den Gerichtsprozess steht noch nicht fest. Das Landgericht Bamberg prüft derzeit die Zulassung der Anklage.


Keine weiteren Fälle bekannt

Die Staatsanwaltschaft kann darüber hinaus keine Fälle bestätigen, die mit einer Anzeige auf Facebook in Verbindung stehen könnten. Jüngste Medienberichte hatten das nahe gelegt. Demnach hatte der Azubi in einer Gruppe in dem sozialen Netzwerk die Betreuung von Kindern im Alter von drei bis sechs Jahren angeboten. Doch hat die Ermittlungsbehörde offenbar keine Erkenntnisse über Vergehen des 19-Jährigen bei privat betreuten Kindern.


Klarheit im Prozess erwartet

"Jeder Fall ist ein Fall zu viel", sagte am Dienstag der kommissarische Awo-Kreisvorsitzende Klaus Stieringer nach Bekanntwerden der Anklageerhebung. "Die Vorwürfe sind das Fürchterlichste, was man sich vorstellen kann." Alle Beteiligten wünschten sich Klarheit, was genau passiert sei. Dies werde nun zumindest durch den Prozess möglich.

Stieringer ließ auch durchblicken, dass die Awo weiterhin Hilfe und Unterstützung für Kinder, Eltern aber auch Mitarbeiter anbieten werde - insbesondere auch während des Prozesses. "Wir sind entsetzt, aber nicht gelähmt", beschrieb Stieringer die Situation.



Missbrauchsvorwürfe: Kritik und Aufarbeitung


Veröffentlichung Ende März werden die Ermittlungen um die mutmaßlichen Missbrauchsfälle in der Awo-Kita "Am Vogelberg" in Bischberg durch einen Artikel des Fränkischen Tags publik. Wie sich herausstellt, laufen die Ermittlungen aber bereits seit November 2017. Damals gab es laut Informationen der Redaktion fünf Anzeigen gegen den Ex-Azubi, was ein Vater einer Sechsjährigen bestätigte, der selbst Anzeige erstattet hatte. Der 19-Jährige räumte nach seiner Festnahme, wie auch im März bekannt wird, den Missbrauch von fünf Kindern ein.

Kritik Nachdem der erste mögliche Fall des sexuellen Missbrauchs aus dem September 2017 der Kita-Leitung bekannt geworden ist, soll sie sofort den Erzieher-Azubi freigestellt haben. Für die Eltern hatte es in der Folge auch eine Infoveranstaltung gegeben. Allerdings hagelte es im März 2018 dann auch Kritik an der Informationspolitik der Awo. So war der 19-Jährige zwar Mitte Februar in U-Haft gekommen, da die weiteren Anzeigen vorlagen, doch war die Awo danach nicht erneut auf die Eltern zugegangen, so der Vorwurf. Der Awo-Verband räumt daraufhin auch Fehler in der Kommunikation ein.

Verdächtigung An Ostern kommt ans Licht, dass der Tatverdächtige im Mai 2017 auch in einer Awo-Einrichtung in Hallstadt für drei Wochen als Praktikant eingesetzt war. Doch soll damals ständig eine Fachkraft dabei gewesen sein. Missbrauchsfälle aus der Zeit werden nicht bekannt.

Aufarbeitung Die Awo setzt inzwischen ein ganzes Paket an Hilfen mit Therapeuten, Pädagogen und Juristen für die Kinder, Eltern und die Mitarbeiter in Bischberg, aber auch in Hallstadt ein. Die Aufarbeitung des Kita-Missbrauchs kommt so im Mai weiter voran.

Für diesen Artikel wurde die Kommentarfunktion deaktiviert.