Bamberg
Ankerzentrum

Ankerzentrum in Bamberg: Der Stacheldraht soll weichen

Eine Nachricht aus München löst Freude in Bamberg aus. An der Kastanienstraße scheint Bewegung in die Grenzziehung des Ankerzentrums zu kommen.
Artikel drucken Artikel einbetten
Der umstrittene Zaun an der Kastanienstraße Ronald Rinklefr
Der umstrittene Zaun an der Kastanienstraße Ronald Rinklefr
+1 Bild

Die Bewohner der Natosiedlung können sich freuen. Wenn man noch inoffiziellen Mitteilungen aus dem Innenministerium Glauben schenken darf, gibt es eine Zusage für einen Teil ihrer Forderungen. Demnach hat sich der Freistaat bereit erklärt, auf einen Grundstücksstreifen an der Kastanienstraße zu verzichten. Die Stadt könnte das Gelände dann kaufen, der stacheldrahtbewehrte Zaun zum Ankerzentrum nach hinten versetzt werden. "Wir hoffen nun, dass das zeitnah passiert und dass es nicht fünf Jahre dauert wie der Verkauf der Offizierssiedlung an die Stadt", sagt Alexander Schmiechen, einer der Sprecher der Bewohner der Natosiedlung.

Das Ja-Wort von Innenminister Joachim Herrmann (CSU) ist für die 150 Familien, die eingeschlossen zwischen Bundespolizei und Ankerzentrum, leben, von nicht zu unterschätzender Bedeutung. Kommt es nun dazu, dass der Zaun 20 bis 25 Meter auf der vollen Länge der Kastanienstraße zurückversetzt wird, dann werden nicht nur Buswendeschleife, Parkplätze und Unterflur-Container, die bisher hinter dem Zaun des Ankerzentrums lagen, nutzbar. Es soll auch ein neuer Bolzplatz für die Kinder der Natosiedlung entstehen. "Wenn es klappt, ist es eine echte Verbesserung für uns und vor allem für unsere Jugendlichen", sagt Schmiechen noch vorsichtig. Er hofft, dass die Stadt die Kosten für die Versetzung des Zauns übernimmt.

Auch die Bamberger SPD-Stadtratsfraktion zeigt sich von der Nachricht angetan. Dadurch werde sich die Wohnqualität in der Siedlung verbessern, sagt Heinz Kuntke. Gemeinsam mit seinem SPD-Stadtratskollegen Peter Süß und der SPD-Fraktion hatte sich Kuntke in einem Antrag dafür eingesetzt, dass der Freistaat der Stadt Bamberg auf diese Weise entgegenkommt.

Allzu aufwändig ist die neue Grenzziehung nicht. Wie sich aus der Vogelperspektive zeigt, können die Grundstücke westlich der Kastanienstraße ohne große Umstände aus dem Gelände des Ankerzentrums herausgelöst werden können. Sie liegen relativ weit von den nächsten Gebäuden und sind nicht bebaut.

Die gute Nachricht für die Natosiedlung wird von einer schlechten zum Ankerzentrum überschattet. Wie sich mehr und mehr abzeichnet, wird aus der von Innenminister Joachim Herrmann (CSU) in Aussicht gestellten Übereignung von zwei Wohnblocks in der wenige Meter entfernt gelegenen Buchenstraße wohl nichts mehr. Zwar wären auch diese beiden Gebäude mit geringen Kosten aus dem Komplex der Flüchtlingseinrichtung abzutrennen, doch ist der Nutzungsdruck auf die beiden leerstehenden Gebäude hoch. Wie Ulrike Siebenhaar dazu sagt, bemüht sich die Stadt weiterhin, die beiden Häuser für die Wohnraumversorgung in Bamberg zu erwerben. Doch aktuell stünden diesen Zielen handfeste Interessen der Bundespolizei entgegen, die weitere Unterkunftsgebäude für das geplante Schulungszentrum für lebensbedrohliche Einsatzlagen sucht. Auch seitens der Regierung von Oberfranken erfährt die Stadt offenbar wenig Unterstützung. Dort fürchte man immer noch, dass es zu einem plötzlichen Anstieg der Flüchtlingszahlen kommen könnte. Das Ankerzentrum ist für eine maximale Personenzahl von 3400 ausgelegt. Allerdings gibt es eine Zusage des Innenministeriums, dass die Bewohnerzahl 1500 nicht übersteigen soll.

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren