Bamberg
Interview

Andrea Pirlo in Bamberg: vom Winner zum Winzer

Als Fußballer war Andrea Pirlo auf dem Gipfel. Inzwischen verbringt viel Zeit auf seinem Weingut. Eine Kostprobe brachte er mit nach Oberfranken.
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Andrea Pirlo bei seinem Besuch in BambergMatthias Hoch
Andrea Pirlo bei seinem Besuch in BambergMatthias Hoch

Mit dem Gewinn der Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland bereitete die italienische Fußballnationalmannschaft auch den Italo-Franken eine große Freude. Gestern erlebten Guido Di Dio und seine hiesigen Landsleute "den größten Moment der Firmengeschichte", als Andrea Pirlo und dessen Mannschaft zum Firmenbesuch in Bamberg waren, wo die Familie Di Dio seit 1984 Wein vertreibt.

Gemeint waren nicht die kickenden Kollegen der italienischen Fußballlegende, sondern der 40-jährige Ex-Profi und sein Bruder, die für einen geschäftlichen Besuch in Bamberg waren. Di Dio vertreibt den Wein, den die Pirlos in der Heimat, der Lombardei, auf einer acht Hektar großen Fläche produzieren, in Franken.

Auch ohne übertriebene Mimik und Gestik, die viele Italiener auszeichnet, erkennen die Familienmitglieder und Mitarbeiter den Star bereits von Weitem. Zurückhaltend, aber herzlich begrüßt Pirlo jeden einzelnen von ihnen, bevor ihn Guido Di Dio kurz als denjenigen vorstellt, der im Fußball alles gewonnen hat, was es zu gewinnen gab. Zumindest der Firmenchef erfüllt ein italienisches Klischee: "Als ich vor der WM 2006 gefragt wurde, wie weit Italien kommt, habe ich geantwortet: Das kommt darauf an, wie bestechlich die Schiedsrichter sind." Mit dem Trapattoni-Zitat "Ich habe fertig" übergab er das Wort an die Fußballlegende.

Wie oft waren Sie seit 2006 im Land, wo Sie Weltmeister wurden?

Andrea Pirlo: Nur einmal in Duisburg. Dort habe ich in unserem italienischen WM-Quartier von damals meine Weine vorgestellt. Es ist immer eine große Freude, nach Deutschland zurückzukehren.

Haben Sie früher nach Siegen mit Ihren Teamkameraden lieber mit Wein oder Bier angestoßen?

Wir haben alles getrunken, was es gerade gab.

Kann es der fränkische Wein mit dem italienischen aufnehmen?

Am besten ist mein Wein. Den fränkischen habe ich noch nicht probiert. Aber das werde ich nachholen, wenn ich schon mal hier bin.

Wie wurde aus einem der erfolgreichsten italienischen Fußballer ein Winzer?

Meine Familie hat schon immer mit Wein zu tun gehabt. Das wurde mir quasi in die Wiege gelegt. Meine Leidenschaft dafür ist mit der Zeit gestiegen.

Warum sollte ein Fußballfan zum nächsten Spiel vor dem Fernseher lieber ein Glas Wein statt eine Flasche Bier trinken?

Bier bläht, Wein nicht.

Am Sonntagabend gewann die italienische U21 bei der EM in Italien und San Marino mit 3:1 gegen Spanien. Wie weit kann es für die Nachwuchs-Azzurri gehen?

Das war ein großartiger und wichtiger Sieg zum Start ins Heimturnier. Wir haben das Potenzial, um den Titel zu holen.

Und die deutsche U21?

Bei den Deutschen sind einige gute Akteure nicht dabei, obwohl sie vom Alter her noch mitspielen dürften. Von daher müssen sie sich hinten anstellen.

Auch bei Ihren Nachfolgern im A-Nationalteam scheint es zu laufen. Vier Siege in vier Spielen stehen in der EM-Qualifikation zu Buche.

Wir haben mit Roberto Mancini seit 2018 einen neuen Trainer und viele junge Spieler. Ich hoffe, dass es so erfolgreich weitergeht. Auch unsere Frauen sind perfekt in die WM in Frankreich gestartet. Vor dem dritten Gruppenspiel gegen Brasilien steht der Einzug ins Achtelfinale schon fest. So kann es gern weitergehen.

Für den deutschen Fußball lief es international zuletzt nicht so rosig. Dafür sorgte Trainer Jürgen Klopp für positive Schlagzeilen ... Er ist ein großartige Trainer und hat den Gewinn der Champions League mit Liverpool verdient.

Die Fragen stellten Jannik Reutlinger und Daniel Ruppert.

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