Bamberg
Interview

"An Charisma mangelt es den Franken nicht"

Der Bamberger Rhetoriktrainer Michael Ehlers hat ein neues Buch geschrieben. Die Kunst der Rede hält er für wichtiger denn je.
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Rhetoriktrainer  und Buchautor Michael Ehlers pr
Rhetoriktrainer und Buchautor Michael Ehlers pr
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Seit Mitte Februar ist das neue Buch von Michael Ehlers "Rhetorik" auf dem Markt. Und es verkauft sich ähnlich gut wie der bereits in fünfter Auflage vorliegende Bestseller "Der Fisch stinkt vom Kopf", das der aus Norddeutschland stammende und nun in Bamberg lebende Rhetoriktrainer in seiner Rolle als Fischverkäufer und Motivationstrainer Hein Hansen geschrieben hat. "Rhetorik" erschien in einer Auflage von 4000 Exemplaren - und davon sei nur noch die Hälfte zu haben, wie sein Institut auf Anfrage erklärt. In dem 500-Seiten-Buch mit elf Teilen hat Ehlers seine Erfahrungen und sein Wissen zur Redekunst zusammengetragen und aufbereitet. Einen Einblick gewährt er im Gespräch mit unserer Zeitung.

"Die Kunst der Rede im digitalen Zeitalter" lautet der Untertitel Ihres neuen Buches. Wie wichtig ist denn nun Rhetorik, wenn mittlerweile Wahlen über Facebook und Big Data entschieden werden?
Michael Ehlers: Rhetorik spielt heutzutage eine sehr wichtige Rolle. Unsere Umwelt wird immer komplexer. Das liegt vor allem daran, dass tagtäglich eine enorme Menge an Information auf uns einprasselt, die wir gar nicht mehr verarbeiten können. In der netzbasierten Kommunikation spricht man deshalb von einer Informationsüberflutung. Dieser Zustand tritt dann ein, wenn wir zu viele Informationen zu einem Thema haben und nicht mehr abwägen können, auf dieser Basis eine Entscheidung zu treffen. Wir bekommen zunehmend Probleme, Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden. In diesem Fall ist die Redekunst mit ihren zahlreichen Werkzeugen ein hervorragendes Hilfsmittel, um komplexe Inhalte einerseits zu verstehen und andererseits kompakt und zusammenfassend darzustellen. Deswegen ist die Kunst der Rede heute wichtiger als je zuvor.

Auch Lügen und "fake news" sind ein Thema in Ihrem Buch. Beobachten Sie, dass die Redekunst ganz bewusst zur Manipulation eingesetzt wird? (und natürlich: Wo und wie?)
Ja. Und wenn wir in der deutschen Geschichte ein wenig zurückgehen in die Wilhelminische Ära oder das Dritte Reich, sehen wir, dass diese Entwicklung keineswegs neu ist. Was sich jedoch verändert hat im digitalen Zeitalter ist die Art und Weise der Kommunikation. Durch das Internet und insbesondere die Sozialen Medien hat heute jeder die Möglichkeit, seine ganz eigene Propagandamaschinerie anzutreiben. Wir dürfen die Redekunst aber nicht mit Manipulation gleichsetzen. In weiten Teilen der Gesellschaft besteht weiterhin der Gesamteindruck, dass Rhetorik dazu dient, Menschen zu manipulieren. Die Redekunst ist aber ein Hilfsmittel und es kommt ganz darauf an, wie ich es einsetze. Gebe ich zwei Menschen einen Hammer in die Hand, kann der eine damit ein Haus bauen, während der andere jemandem den Schädel einschlägt. So ist es auch mit der Rhetorik.

Finden Sie in Bamberg auch Beispiele für hervorragende Redner oder mangelt es den Franken an Charisma?
Ganz im Gegenteil. An Charisma mangelt es den Franken sicherlich nicht. In Bamberg bzw. Franken gibt es großartige Redner. Viele von ihnen kennen wir ja aus Film, Funk und Fernsehen. Doch auch wenn ich durch diese schöne Stadt laufe, treffe ich an den verschiedensten Orten auf Menschen, die Kommunikationstechniken bewusst einsetzen, um professionell zu kommunizieren. Rhetorik ist eine angewandte Kunst. Und wie jeder anderen Kunst auch liegt ihr ein Handwerk zugrunde. Es gibt grundlegende Techniken, die jeder erlernen kann. Im Gegensatz zu anderen Künsten, wie beispielsweise dem Erlernen eines Musikinstruments, beginnen wir in der Rhetorik aber niemals beim Punkt Null, da uns die Natur bereits mit großartigen Kommunikationsfähigkeiten ausgestattet hat. Es gibt zahlreiche rhetorische Werkzeuge, die wir in unseren Koffer packen können. Je praller dieser Koffer mit rhetorischen Methoden gefüllt ist, umso leichter fällt es uns, verschiedenste Situationen kommunikativ erfolgreich zu lösen. Grundsätzlich kann also jeder ein guter Redner werden. Es spielt dabei keine Rolle, ob er aus Franken kommt oder nicht.

Inwiefern inspiriert Sie Ihr Wohnort beim Schreiben Ihrer Bücher?
Bamberg ist nun schon seit annähernd zwei Jahrzehnten meine Heimat. Alle Bücher, die ich bisher verfasst habe, sind zu großen Teilen in dieser Stadt entstanden. Viele der Geschichten, die ich hier erlebt habe, finden sich auch in meinem neuen Buch wieder. Ich schreibe zum Beispiel von meiner früheren Tätigkeit als Stadionsprecher des FC Eintracht Bamberg, von Besuchen des Antikmarktes sowie meiner Moderation des Blues & Jazz-Festivals. Insofern haben diese Stadt und ihre Bewohner großen Einfluss auf meine Arbeit.

Die Fragen stellte Michael Memmel


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