Bamberg
Sicherheit

Amok-Regeln an Bamberger Schulen

Auch in den Bamberger Schulen gibt es Maßnahmen, die im Falle eines Amoklaufes Leben retten sollen.
Artikel drucken Artikel einbetten
Foto: Ronald Rinklef
Foto: Ronald Rinklef
"Achtung, wichtige Durchsage für alle! Achtung, wichtige Durchsage für alle! Es befindet sich eine unberechtigte, gefährliche Person im Schulhaus. Es befindet sich eine unberechtigte, gefährliche Person im Schulhaus", lautet eine der wohl wichtigsten - glücklicherweise aber auch eine der am wenigsten notwenigsten - Direktoriatsdurchsagen am Maria-Ward-Gymnasium Bamberg.

Alle Schüler wissen was dann, im Falle dieses Amokalarms, zu tun ist: die Gänge unverzüglich räumen; die Zimmer verschließen, verdunkeln und von innen verbarrikadieren; die Handys bis auf eines pro Klasse ausschalten; nicht an den Fenstern stehen und natürlich aus der Schusslinie treten.

Der Ernstfall ist zwar glücklicherweise noch nicht eingetreten, man ist aber gut darauf vorbereitet. Vor allem auch durch die immer besetzte Schulpforte, wie Schulleiterin Ingrid Käfferlein betonte. Dadurch dass die Pforte nämlich gleichzeitig auch der einzige Eingang ist, kommt in die Schule nicht jeder einfach herein. Hinzukommt natürlich auch der feste Ablaufplan, der mit den Schülern regelmäßig geübt wird.

Das Kriseninterventionsteam (kurz: Krit) ist nicht nur am MWG fester Bestandteil des Sicherheitskonzeptes. Dazu gehören hier neben Schulpsychologin Ulrike Schleifer, Schulseelsorgerin Maria Sponsel und der Schulleiterin selbst auch Eltern, Religionslehrer und Sanitäter. Das Krit kommt allerdings nicht nur bei Amokfällen sondern auch bei anderen, auch bei privaten Krisensituationen zum Einsatz, beispielsweise bei Todesfällen in der Familie oder an der Schule.

Die Aktualisierung des Sicherheitskonzeptes, an dessen Erarbeitung auch die Bamberger Polizei beteiligt war, obliegt ebenfalls dem Kriseninterventionsteam, das sich regelmäßig trifft. Um die konkreten Amokmaßnahmen haben sich am MWG vor allem Ulrike Schleifer und Maria Sponsel gekümmert, die auch Fortbildungen zu diesem Thema besucht haben.


Schulpforte sinnvoll

Franz Hilbert, Leiter der Luitpoldschule, würde die ehemalige Pforte seiner Schule gerne wieder aktivieren - wie auch Ingrid Käfferlein hält er es nämlich für sehr sinnvoll, jemanden zu haben, der ein Auge darauf hat, wer in die Schule hereinkommt.

Diese Abriegelung hält er bei der Vermeidung von Amokläufen für besonders wichtig - wie auch die Waffengesetze. "Solange man Waffen zulässt, hat man das Problem. Bei den Waffengesetzen sollte angefangen werden", meint auch Michael Strehler, Schulleiter am Kaiser-Heinrich-Gymnasium, angesprochen auf das Massaker, das sich am Freitag an einer Grundschule in den USA ereignete.

Dass es in Deutschland keine Schließsysteme wie in amerikanischen Schulen gibt, sieht Strehler dagegen wie auch seine beiden Kollegen als Nachteil, schließlich ist es so für Außenstehende leichter, ins Schulgebäude hereinzukommen. Auch am KHG gibt es für den Ernstfall natürlich Sicherheitskonzepte, die sich direkt mit dem Schulgebäude befassen und in denen ein Amokfall auch mitbedacht wurde, erklärte Strehler außerdem.

"Wir haben keine Lautsprecheranlage. Da ist die Kommunikation im Notfall schwierig", überlegt Direktor Hilbert weiter. Allerdings gibt es an seiner Schule regelmäßig Schulungen durch die Polizei. Die Polizisten gehen dabei nicht nur in die einzelnen Klassen, sondern sie kommen auch zu Elternabenden. Durch die einzelnen Veranstaltungen soll in erster Linie die Wahrnehmung aller am Schulleben beteiligten geschärft werden. Bei Franz Hilbert gehen die Schüler während der Unterrichtszeit auch nur zu zweit auf Toilette - schließlich kann man nie vorsichtig genug sein.


Kleinigkeiten entscheiden

An diesen kleinen Dingen scheitert es oft schon, weiß nicht nur Franz Hilbert sondern auch Christine Manns zu berichten. Die Diplom-Psychologin ist in der Schulpsychologie tätig, eine Expertin auf dem Gebiet der Amokläufe an Schulen. Ihrer Meinung nach ist eine der wichtigsten Maßnahmen eine, die auf den ersten Blick ziemlich banal wirkt: jedes Klassenzimmer sollte mit einem zentralen Schlüssel abzuschließen sein, den jeder Lehrer bei sich trägt. Außerdem sollte jede Schule über ein Lautsprechersystem verfügen, das überall im Gebäude zu hören ist - beispielsweise auch auf den Toiletten. Kleinigkeiten, die im Ernstfall Leben retten können.

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren