Bamberg
Prozess

Am Vatertag Mann vor der Kneipe niedergestochen

Nach einem Kneipenbesuch rammte ein 42-jähriger Mann einem 37-Jährigen ein Messer in den Unterbauch. Vor dem Landgericht Bamberg wurde der Angeklagte nun zu zwei Jahren und sechs Monaten verurteilt.
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Viel Alkohol, Witze über Ostdeutsche und ein Messer - aus dieser Mischung entwickelte sich am Abend des 17. Mai 2012 in Hallstadt eine Stänkerei zwischen zwei Männern. Sie endete damit, dass der 42-jährige Angeklagte Roland M. (Name geändert) ein Klappmesser zog und seinem Opfer an der Hüfte einen zehn Zentimeter langen Schnitt zufügte.

Vor dem Schwurgericht des Landgerichts musste er sich wegen versuchten Totschlags in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung verantworten. Das Urteil lautete dann aber "nur" auf gefährliche Körperverletzung, da Gericht und Staatsanwaltschaft im Laufe des Prozesses zu der Überzeugung gekommen waren, dass kein Tötungsvorsatz vorliegt.

Der Angeklagte wurde zu zwei Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt.
Sollte das Urteil rechtskräftig werden, wird er die Strafe in einer Entziehungsanstalt antreten, da bei ihm der Hang vorliegt, "berauschende Mittel im Übermaß zu sich zu nehmen", wie es in der Anklageschrift heißt.

Ein Vierteljahr nüchtern

Aber wie war es zu dem Messerstich gekommen? Am Vatertag begegneten sich die beiden Männer in einer Gaststätte in Hallstadt, beide erheblich betrunken. Der Geschädigte, der aus Gera stammt und die Familie eines Bekannten in Hallstadt besuchte, hatte etwa 2,0 Promille im Blut. Seine Erklärung vor Gericht: "Ich bin Vater geworden, das war mein erster Vatertag. Vorher habe ich ein Vierteljahr gar nichts getrunken."

Eine Blutprobe, die etwa drei Stunden nach der Tat entnommen wurde, ergab eine Blutalkoholkonzentration von 1,86 Promille. "Das Thema Alkohol ist bei Ihnen ja ein weniger schönes", stellte Vorsitzender Richter Manfred Schmidt fest. Der Angeklagte gab zu, dass er seit seinem 19. Lebensjahr regelmäßig getrunken habe, um die 17 Bier am Tag. Als er 1995 eine feste Anstellung bei einer Firma im Landkreis antrat, habe er nur noch zwei bis drei "Feierabend-Biere" getrunken, um seinen Job nicht zu gefährden. Dafür habe er aber am Wochenende kräftig nachgeholt.

Die Vita des Hallstadters ist gekennzeichnet von einer Kindheit in Heimen. Er lebte nur etwa ein Jahr bei seinem Vater, den er erst mit 18 kennen lernte. Vorher war er vom Kleinkindalter an in verschiedenen Heimen untergebracht, wohnte kurz bei seinem Onkel und lebte etwa ein Jahr auf der Straße, bis er eine Schreinerlehre begann, diese dann aber abbrach. Zudem hat er bereits eine Vorstrafe wegen Körperverletzung und einer Trunkenheitsfahrt ohne gültigen Führerschein.

Keine Anzeichen für Notwehr

"Trotz Ihrer familiären Hintergründe ist es Ihnen gelungen, später 18 Jahre bei derselben Firma angestellt zu sein", konstatierte Richter Manfred Schmidt. Dass er die Anstellung nun verlieren werde, sei sehr schade. Doch das Gericht sehe es als erwiesen an, dass der Angeklagte sein Klappmesser nicht aus Notwehr gezogen hat.

Der Hallstadter und der 37-Jährige aus Gera saßen in einer Kneipe und gerieten immer wieder verbal aneinander. "Ich hatte das Gefühl, dass der mich im Laufe der Zeit immer blöder anmacht, weil ich Ostdeutscher bin", sagte das Opfer im Zeugenstand. Weil er sich provoziert fühlte, schlug er dem Angeklagten zweimal mit der flachen Hand an die Stirn. Daraufhin zog Roland M. ein Klappmesser, ließ es sich aber von einem Zeugen abnehmen, der aufmerksam geworden war und die Situation beruhigte.

Gemeinsam Schnaps getrunken

"Später haben wir sogar einen Schnaps zusammen getrunken, damit war die Sache für mich gegessen", sagte das Opfer. Als die beiden Männer allerdings kurz vor Mitternacht die Kneipe verließen, schlug der Geschädigte dem Angeklagten mit der Faust ins Gesicht, weil dieser ihn erneut beschimpft hätte. Das Gericht rekonstruierte den Tathergang aufgrund von Zeugenaussagen folgendermaßen: Der Angeklagte taumelte wegen des Schlages zurück und stürzte in ein paar Blumenkästen. Noch während er sich aufrappelte, zog er das Messer, das er beim Verlassen der Kneipe wieder an sich genommen hatte, und stach den Geschädigten in die Hüfte. Beide Männer flüchteten daraufhin vom Tatort.

Der Angeklagte wurde kurze Zeit später in einem Kellereingang gefunden. Das Messer hatte er nach eigenen Angaben in den Main geworfen. Das Opfer wurde im Krankenhaus sofort operiert, war aber nicht lebensgefährlich verletzt. "Das hätte auch anders ausgehen können", sagte der Richter. Und dann, an den Angeklagten gewandt: "Ich habe den Eindruck, ohne Alkohol sind sie ein friedvoller Mensch." Deswegen ordnete das Gericht die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt an.
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