Bamberg

Alternative Kulturräume gesucht

Die Initiative "Sound braucht Raum" fordert den Erhalt des Clubs "Sound and Arts" in der Sandstraße.
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Gut 200 Menschen nahmen an der Tanzdemo in der Sandstraße teil und gaben ihre Meinung auch mit Plakaten kund (unten).  Fotos: Julian Megerle
Gut 200 Menschen nahmen an der Tanzdemo in der Sandstraße teil und gaben ihre Meinung auch mit Plakaten kund (unten). Fotos: Julian Megerle
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Das Wummern des Basses schiebt sich mit Macht über den steinernen Tanzboden quer durch die Sandstraße bis zur Unteren Brücke. Am frühen Samstagabend ist die Bamberger Feiermeile voller als sonst. Gut 200 Menschen kommen zusammen, um unter dem Motto "Sound braucht Raum" zu tanzen. Der Duft von Popcorn liegt in der Luft. Direkt neben die Holzstützen vor dem im Sommer 2019 geschlossenen Sound and Arts-Club hat die "Hedonistische Internationale Bamberg" zur Tanzdemo eingeladen.

"Schön, dass ihr alle gekommen seid. Leider müssen wir draußen tanzen, weil uns der entsprechende Kulturraum fehlt", begrüßt Jonathan Burkert die Partygäste. Die Gruppe hatte bereits im Sommer 2018 vor der Landtagswahl mit einer Tanzdemo rund um die Altstadt auf sich aufmerksam gemacht. An diesem Abend geht's genauso bunt zu: Schilder mit "Ohne Bass kein Spaß" und "Keine Musik , keine Abfahrt, Kein Leben" wippen im schnellen Techno-Takt des "Rauschkollektivs", ein DJ-Team, welches früher im Sound and Arts auflegte.

Hohe Auflagen und Platzmangel

Das Haus in der Oberen Sandstraße 20 ist seit geraumer Zeit zunehmend baufälliger geworden, bis die Stadt Bamberg die Nutzung des Clubs untersagte. Der hintere Teil des Hauses droht sogar in den Innenhof der benachbarten Kneipe "Stilbruch" zu kippen. Das ruft auch die Politik auf den Plan: "Was hier kulturpolitisch passiert, ist ein Spiegel der Stadtpolitik", meint Stephan Kettner in seiner Rede. Egal ob House of Music, der Kulturbeutel e.V. oder das Kontakt-Festival: Alle hätten mit hohen Auflagen und Platzmangel zu kämpfen. Für den OB-Kandidaten der Bamberger Linken Liste ist klar: "Jetzt, wo das Gebäude wieder uns als Stadt gehört, müssen wir dafür kämpfen dass es nicht wieder an Spekulanten geht sondern Raum für alternative Kultur entsteht."

Auch den OB eingeladen

Sein Parteikollege Felix Heinrich ergänzt mit Blick auf die German-Property-Group, welcher das Haus gehört: "Bernd Lommel ist AfD-Stadtrat in Dresden und hat an der Spekulation mitverdient." Politik für die kleinen Leute sehe anders aus. Oberbürgermeister Andreas Starke wurde übrigens von der "Hedonistischen Internationale" per Brief eingeladen, mitzutanzen und sich davon zu überzeugen, "wie sich ein gutes Leben für alle mit kulturellen Freiräumen anfühlen."

"Die Sandstraße ist der einzige Bereich in der Stadt, wo kulturelles Leben ist", findet Hannes Kraus. Der Archäologiestudent wohnt direkt nebenan und beklagt nicht nur den Verlust an Subkultur durch den Wegfall des "Sound and Arts": "Mitten im Weltkulturerbe lässt man ein Haus mit Geschichte einfach so verfallen."

Asal Welt ist Teil des Kontaktteams und feiert mit, "weil es wichtig ist für vielfältige Kulturräume und Freiräume zu kämpfen." Bamberg dürfe kulturpolitisch nicht untergehen.

Mehr Kommunikation gefordert

"Es ist schön, dass die Menschen das Kulturthema politisch aufgreifen", sind sich Wolle und Elly einig, die 13 Jahre lang Betreiber des "Sound and Arts" waren. Dabei gehe es um mehr als ihren Club. "Wenn man gewachsene Kultur wieder möglich machen will, muss mehr Kommunikation stattfinden", findet Wolle.

Auch das Team des Clubs ist an diesem Abend dabei. Bernhard "Börny" Reibeholz war sechs Jahre lang Türsteher am Clubeingang: "Es ist schön zu sehen, dass es den Menschen nicht egal ist, wenn kultureller Raum verloren geht." Seine Kollegin Marina Haimerl stand für gut ein Jahr an der Bar: "Das war für uns immer ein zweites Zuhause. Und wir sind wie eine große Familie."

Die Resonanz der Veranstaltung war so gut, dass sich die Organisatoren überlegen, immer wieder mit Tanzdemos für die Kultur einzutreten. Ob dann Oberbürgermeister Starke demnächst mit shuffelt, steht noch aus. Die Community wird sicher am Start sein.

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