Bamberg
Projekt

Alte Namen für neue Straßen

Auf Beschluss des Bamberger Stadtrats hin werden Straßen im Ulanenpark und dem Megalithgelände nach historischen Personen und Flurnamen benannt.
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Eine alte Karte des Megalithgeländes bayrische Vermessungsverwaltung
Eine alte Karte des Megalithgeländes bayrische Vermessungsverwaltung
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Noch wird im Ulanenpark gebaut, doch schon Ende des Jahres sollen die ersten Menschen in ihre Wohnungen einziehen können. In Anbetracht der bevorstehenden Fertigstellung des Wohngebiets nahe der Bamberger Wunderburg verabschiedete der Stadtrat einen Vorschlag des Kulturamtes zur Benennung der neu entstandenen Straßen. So wird auf den Straßenschildern des Ulanenparks in Zukunft "Magdalenenstraße" und "Maria-Hilf-Weg" zu lesen sein, die den christlich-religiösen Hintergrund des Stadtviertels Wunderburg hervorheben sollen.
Auch an die Bamberger Persönlichkeiten Hans Schütz und Max Schäfer soll durch die Straßenbenennungen erinnert werden. Schütz war von einem SS-Obertruppenführer für die Verfechtung seiner sozialdemokratischen Werte ermordet worden. Trotz der Verurteilung seines Mörders wurde dieser nach nur drei statt neun Monaten Haft wieder freigelassen und seiner Familie jegliche Unterstützung versagt. Schütz sei laut einer SPD-Pressemitteilung nicht nur ein exemplarisches NS-Opfers, sondern auch ein Vorbild im Kampf um die Demokratie. Neben der "Hans-Schütz-Straße" gedenkt seines Todes auch ein Stolperstein in der Ehrlichstraße. Schäfer war als Organist in der Wunderburger Kirche beschäftigt und ist bis heute für sein Marienlied "Hier vor Deinem Bilde" in der Wunderburg und Umgebung bekannt.
Die neu enstandenen Straßen im Megalithgelände wurden ebenfalls bereits benannt. Vorschläge lieferten neben dem Bamberger Stadtarchiv auch der Bürgerverein Gaustadt, der Historische Verein Bamberg e.V. sowie die beiden Stadtheimatpfleger Bambergs.
Bei der Namenswahl sollten keine zeitgenössischen Trends verfolgt, sondern alte Straßennamen genutzt werden. "In der Vergangenheit wurden Straßen oft nach Berühmtheiten der jeweiligen Zeit benannt, ohne dass diese eine regionale oder historische Verbindung zur Stadt hatten", erklärt Horst Geringer, Leiter des Stadtarchivs Bamberg. Ihm kommt es vor allem darauf an, die Geschichte von Gaustadt in den neuen Straßennamen festzuhalten.


Regionaler und historischer Bezug

Da im Fall des Megalithgeländes alle Namen bereits in anderen Teilen von Gaustadt vertreten sind, wurde auf die ehemaligen Bezeichnungen benachbarter Straßen zurückgegriffen. Gemeinsam mit Annemarie Renz-Sagstetter vom Kulturamt stellte Gehringer einen Sitzungsvortrag aus den Vorschlägen der angefragten Personen und Institutionen zusammen, der zunächst dem Kultursenat und dann dem Stadtrat präsentiert wurde.


Namen dienen der Orientierung

Auf die geplanten Straßenbezeichnungen reagierte der zukünftige Anwohner Dirk Rohde jedoch nicht sehr erfreut. Ihn erinnern die Namen "Alter Knock" und "Hinterer Knock" an das althochdeutsche Wort für Knochen, was ihm zu makaber für ein Wohngebiet erscheint, das doch "reich an Vitalität und voller Lebensfreude" sein soll. Gehringer verweist bei diesen Straßen auf den Steinknock, einen Berg in der Oberpfalz.
"Neben Naturphänomenen in den jeweiligen Straßen werden auch gerne benachbarte Orte, die auf diesem Weg zu erreichen sind, in die Straßennamen aufgenommen", sagt Horst Gehringer.
Generell hätte die Bezeichnung einer Straße eine Ordnungs- und Erschließungsfunktion, die die Orientierung erleichtern soll. Regionaler Bezug, Eindeutigkeit und Prägnanz sind für Gehringer dabei besonders wichtig. Und da diese Kriterien mit den zukünftigen Straßenbezeichnungen erfüllt sind, muss sich Rohde nun wohl oder übel mit ihnen anfreunden.
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