Oberhaid
Ortsgestaltung

Alte Mühle soll Eisdiele und Treffpunkt werden

Die historische Kellergasse ist ein Magnet, das Naturwaldreservat ein Geheimtipp und etwas ebenso Besonderes soll Oberhaids Alte Mühle werden.
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Die an die Alte Mühle in Oberhaid angebaute Scheune soll noch in diesem Jahr abgerissen werden, damit hier eine attraktive Freifläche gestaltet werden kann. Foto: Anette Schreiber
Die an die Alte Mühle in Oberhaid angebaute Scheune soll noch in diesem Jahr abgerissen werden, damit hier eine attraktive Freifläche gestaltet werden kann. Foto: Anette Schreiber
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Man wird wohl lange suchen müssen, bis man einen Bürgermeister findet, der dem Oberhaider das Wasser reichen kann: Carsten Joneitis hat - als Gemeindeoberhaupt - nicht nur ein altes Wasserrecht, er verfügt zudem noch über die dazu gehörige Mühle. Denn die hat die Gemeinde 2016 erworben, um das verfallende, denkmalgeschützte Gebäude für die Zukunft zu sichern, und um dem zentral gelegenen Areal neues Leben einzuhauchen. Es soll ein zeitgemäßer Treffpunkt - nicht nur für die Oberhaider - entstehen, der im Herzen des Ortes den Bogen zu dessen Vergangenheit schlägt.

Das freut insbesondere Barbara Spies. Die Kreisarchivpflegerin ist zugleich Oberhaids Gemeindearchivpflegerin. Als solche war sie auf das alte Wasserrecht gestoßen und hat Bürgermeister und Gemeinderat selbstverständlich in der Absicht bestärkt, die Mühle und dazugehörige Gebäude zu erwerben, als sich die Gelegenheit bot.

Für Joneitis und seinen Gemeinderat hatte dabei von Anfang an festgestanden, dass es nicht darum ging, etwas Museales zu schaffen, sondern das Mühlengelände im Ortskern für die Menschen erlebbar werden zu lassen.

Wie? Das war die Aufgabenstellung für den Bamberger Architekten Matthias Jacob, der nun eine Machbarkeitsstudie erarbeitet hat.

Die vor kurzem vorgestellte Machbarkeitsstudie war nicht nur als Grundlage für die eigenen Planungen nötig, erklärt Bürgermeister Joneitis, sie bildet zugleich die Voraussetzung für künftige Städtebau-Fördermittel. Seit Jahrzehnten werden in Oberhaid diverse Städtebaumaßnahmen umgesetzt. Die letzte große betraf den Bereich Weide. Lange hatte man darauf gewartet, den letzten weißen städtebaulichen Flecken im Ortszentrum in Angriff zu nehmen: die Alte Mühle.

Das denkmalgeschützte Gebäude datiert aus dem Ende des 17. Jahrhunderts. Weit vorher war in der Nähe die alte Pfarrkirche errichtet worden, weit später die Alte Schule, die inzwischen Sitz der Gemeindeverwaltung ist.

Seit dem Erwerb der Mühle ist eine selektive Entrümpelung erfolgt. So befinden sich laut Bürgermeister und Archivpflegerin nur noch historische Mühlenutensilien im denkmalgeschützten Gebäude. Einen Teil hat man mit Blick auf die anstehenden Sanierungsarbeiten in einen Container ausgelagert. Gesucht werden jedoch noch weitere trockene und überschwemmungssichere Lagerflächen für weitere Schätze aus dem Mühlenensemble.

Wie der Bürgermeister zum Zeitplan anmerkt, ist für heuer der Abriss der nicht denkmalgeschützten Scheune vorgesehen. Versetzt werden soll auch der Trafo gleich im Anschluss an die Scheune.

Das gesamte, etwa 1200 Quadratmeter große Mühlenareal soll neu gestaltet werden. Auch so, dass der bisher weitgehend eingehauste Mülbach wieder sichtbar und erlebbar wird, indem Stufen zum Mühlgraben hinunter führen. Nach Abriss einer Gebäudemauer wird man von außen einen Blick auf das sich dann wieder drehende Mühlrad haben.

Zur Innengestaltung erklärt der Architekt, dass in dem Mühlengebäude Mühlentechnik sichtbar werden soll, dazu gehört auch die Getreideputzmaschine. Das besondere Mühlenerlebnis komplettiert die im Parterre untergebrachte Eisdiele - mit Gastraum und Fenster für den Außenverkauf. Ausstellungsraum und ein Mühlenarchiv sind gleichfalls vorgesehen.

"Von der Mühle zum Brot" lautet der Ansatz" in dessen Kontext Joneitis, einen funktionsfähigen Backofen stellt. Weil das Mühlenareal zum lebendigen Treffpunkt werden soll, sehen die Ansätze vor, den Backofen Vereinen und Bürgern zur Verfügung zu stellen, beziehungsweise ihn bei Festen wie beispielsweise dem Mühlentag in Betrieb zu nehmen. Seit vergangenem Jahr ist die Gemeinde Mitglied im Deutschen Mühlenverband und dieser hält bundesweit am Pfingstmontag seinen Mühlentag. Mit der vermutlich 2021 fertig sanierten Mühle verspricht man sich schon jetzt, insbesondere an diesem Tag viele Besucher auf dem Mühlenareal begrüßen zu können.

Die nach dem Scheunenabriss neu entstehende Freifläche wird neben Außen-Schankläche auch einen massiv errichteten Pavillon mit etwa 20 Quadratmetern und einen Spielplatz beheimaten. "Der Pavillon ist sozusagen als Empfangsraum gedacht", macht Joneitis dazu deutlich, für Schulklassen, Vereine oder andere Gruppen. Einen Teil der Freiflläche wird die Gemeinde zudem fürs Parken nutzen.

Nachdem die Machbarkeitsstudie das Plazet des Gemeinderats hat, muss nun die Entwurfsplanung in Auftrag gegeben werden. Joneitis rechnet damit, dass möglicherweise heuer mit den Arbeiten begonnen werden kann, die sich nach groben Schätzungen Jacobs sicherlich über zwei Jahre erstrecken werden. Da man mit historischer Substanz arbeite, sei man vor Überraschungen vor allem im alten Fachwerk, das auch Schäden aufweise, nicht sicher. Nicht ganz geklärt ist auch die Statik, lässt Jacob ter wissen. Sanierung, Scheunenabbruch, Pavillonbau, Geländegestaltung etcetera schätzt er grob auf Kosten von knapp zwei Millionen Euro.

Das bedeutet für Joneitis und die Gemeindeverwaltung, dass sie nun Fördergeber auftun müssen. Dies allerdings nicht zum letzten Mal. Denn in weiteren Schritten sieht die Machbarkeitsstudie eine Rathauserweiterung mit Bühne vor, so dass sich rund ums Rathaus etliches an Events und dergleichen umsetzen lässt.

Für die anstehenden Mühen motiviert Joneitis sich, Gemeinderat und Verwaltung mit der Vision von einer weiteren Aufwertung der Lebensqualität in Oberhaid, die auch in die Umgebung ausstrahlt. Die sanierte historische Kellergasse in Unterhaid etwa erfreue sich stets noch steigender Beliebtheit, teilt die Gemeindearchivpflegerin auf Basis der Anfragen nach Führungen mit. Wasser auf die Mühlen des Mühlen-Bürgermeisters.

"Bei der 1225-Jahrfeier hatten wir viele Veranstaltungen rund ums Rathaus", so die Archivpflegerin, wodurch sich der Bereich für die Zukunft empfohlen hat. Es wird wohl noch etliches Wasser den Mühlbach ungesehen hinab fließen, bis das große Mühlen-Projekt vollendet ist.


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