Bischberg
1 000-Jahr-Feier  

Als Bischberg die "kleine Türkei" genannt wurde

Mit dem Vortrag von Bezirksheimatpfleger Günter Dippold erlebte das Bischberger Jubiläumsjahr seinen ersten Höhepunkt. Wohl noch nie wurde die welchselvolle Geschiche des alten Fischerdorfs so kenntnisreich und unterhaltsam präsentiert.
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Kenntnisreich und packend ließ Bezirksheimatpfleger Günter Dippold 1000 Jahre Geschichte Revue passieren. Foto: riegerpress
Kenntnisreich und packend ließ Bezirksheimatpfleger Günter Dippold 1000 Jahre Geschichte Revue passieren. Foto: riegerpress
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Die Bischberger Bürger können stolz auf sich und ihre Traditionen sein. Wer kann schon auf eine belegte 1000-jährige Geschichte zurückblicken? In diesem Jahr würdigt die Gemeinde am Zusammenfluss von Main und Regnitz das Millennium mit einer Reihe von Veranstaltungen. Das Jubiläum geht auf die Erst-Erwähnung in einem Dokument aus dem Jahr 1013 zurück. Offiziell eröffnet wurde das Großereignis am Samstag vor rund 250 geladenen Gästen.

Festakte zu großen Jubiläen können zuweilen langweilig und vor allem langwierig sein. Nicht so in Bischberg. Was war das Bischberger Erfolgsrezept? "Unser Festakt soll feierlich sein, dennoch aber keine Begräbnisstimmung aufkommen lassen. Zudem wollten wir die Festrede über das historische Bischberg in den Mittelpunkt stellen", sagte Moderator Richard Seitz zu Beginn der Feierstunde.

Für musikalische Unterhaltung sorgten die Bläsergruppe des Blasmusikvereins Bischberg sowie der junge Gospelchor des Gesangsvereins Eintracht Bischberg. Grußworte überbrachten Staatssekretärin Melanie Huml, Bürgermeister Johann Pfister (BI) und der Bischberger Pfarrer Norbert Bergmann.

In seiner ebenso informativen wie packenden Festrede tauchte Bezirksheimatpfleger Günter Dippold hinab in die Anfänge der Bischberger Geschichte. Bischberg wurde erstmals 1013 in einer Urkunde als Biscoffesberge erwähnt - in einem Dokument, das ein Tauschgeschäft zwischen Kaiser Heinrich II. und dem Würzburger Bischof besiegelte. Damals erhielt Würzburg das Gut Gerau, während Bamberg im Gegenzug die Kirchen Amlingstadt, Hallstadt und Seußling in sein Gebiet einverleiben konnte - mit Ausnahme der "beiden Kapellen bei Druondestat (heute Trunstadt) und Biscoffesberge". Im Namen bezeichnet das Grundwort "-berg" eine Anhöhe, wohl den heutigen Kirchberg. Und das Bestimmungswort "Bischof" verweist ganz offensichtlich auf den Würzburger Bischof, der wohl im neunten oder zehnten Jahrhundert zur Untermauerung seiner Herrschaft in Bischberg eine Kirche gebaut hat. Der Einfluss des Würzburger Kirchenhauptes auf die Gemeinde blieb lange erhalten. Er lässt sich laut Dippold bis zum Ende des Würzburger Hochstiftes im Jahre 1802 nachverfolgen.

Doch auch das Bamberger Kloster St. Michaelsberg sowie die Familie Zollner waren prägend für Bischberg. Beide erwarben in der Gemeinde Grundherrschaften und nicht selten kam es zwischen beiden Parteien über Jahrhunderte zu Streitigkeiten. So beispielsweise im Jahre 1753, als die Zollnersche Verwaltung einen Bischberger Juden genehmigen wollte, am Westrand des Ortes ein Haus zu bauen, was den christlichen Einwohnern missfiel. Der Streit zog sich der Streit über zwei Jahre hin, ehe das Bauvorhaben verboten wurde.

Doch Bischberg war stets auch ein Fischerdorf. So prägte die Lage des Dorfes an der Vereinigung zweier Flüsse das Leben vieler Fischerfamilien, deren Fanggründe von Hallstadt bis nach Eltmann reichte. 1783 bot der bis ins 19. Jahrhundert wilde Fluss noch 23 Berufsfischern ein Auskommen.

Allerdings seien die Fischerfamilien nicht auf Rosen gebettet gewesen, im Gegenteil: Starke Konkurrenz und Armut prägten den Fischfang mit Netzen und Reusen. "Daher wurde Bischberg zeitweise auch als die kleine Türckey bezeichnet. Man muss wissen: In Franken bezeichnete man im 18. Jahrhundert von Elend bestimmte Stadtviertel als Türkei ", schilderte Dippold.

Die Fischerei verschwand zwar nie ganz aus der Geschichte des Dorfes, erlebte aber mit dem Beginn der Industrialisierung und der mit ihr verbundenen Wasserverschmutzung und mit dem Ausbau des Mains zur Schifffahrtsstraße einen unwiederbringlichen Niedergang. Heute gibt es in Bischberg zwar noch die Fischerfamilien mit Namen Kröner, Ernst und Kohn, doch sie betreiben die traditionsreiche Arbeit im Schelch nicht mehr zum Broterwerb, sondern als nostalgisches Hobby.

Mit dem Niedergang der Fischerei und auch der Flößerei setzte ein neuer Wandel ein. Bischberg entwickelte sich zu einem Arbeiterdorf, in dem die Kommunistische Partei Deutschland zeitweise hohe Stimmenanteile einfuhr. Es war die Zeit, die mit der Gründung der Erba in der Mitte des 19. Jahrhunderts begann. Seitdem dehnte sich das Siedlungsgebiet ebenso rasch aus, wie die Bevölkerung wuchs - von 960 Einwohnern um 1840 explodierte Bischberg förmlich auf die heutige Größenordnung.

Eine Fahrt durch die Hauptstraße zeige, dass Bischberg eine intakte, für einen Ort dieser Größe nicht mehr selbstverständliche Infrastruktur besitze und sich sich im Alltag selbst versorgen könne, sagte Dippold.

Lob hatte der Wissenschaftler für das "eindrucksvolle Programm des Jubiläumsjahrs" übrig: Es sei nicht zuletzt durch den Einsatz engagierter Bürgerinnen und Bürger möglich geworden. "Bischberg beschenkt. sich durch sein Festjahr selbst. Ein Dorf, das ein solches Programm aufbietet, hat Kraft und ist gerüstet für die Zukunft", sagte der Festredner.

Der Reigen der Festveranstaltungen geht schon in Kürze weiter: am 19. Januar feiern Kinder und Jugendliche , am 24. Februar bestreitet der Bischberger Heimatkundler Josef Kröner einen Vortragsnachmittag zum Thema Fischer, Fische, Flussparadies. Am 13. März folgt ein Vortrag über Bischbergs Vereine von Robert Schäfer.
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