Bamberg

Wie der Verkehrsversuch Friedrichstraße bislang angelaufen ist

Seit einem knappen halben Jahr hat sich die Verkehrsführung in der Friedrichstraße geändert. Während Stadt und Radaktivisten bislang sehr zufrieden sind, ärgern sich Autofahrer wie Roland Träger über Rückstau und spontane Spurwechsel.
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In der Friedrichstraße wird seit dem Sommer eine neue Verkehrsführung getestet. Fotos: Stefan Fößel
In der Friedrichstraße wird seit dem Sommer eine neue Verkehrsführung getestet. Fotos: Stefan Fößel
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Wenn Roland Träger mal wieder im Auto sitzt und sich im Schneckentempo dem Schönleinsplatz entgegentastet, findet er wenig freundliche Worte für den Verkehrsversuch Friedrichstraße: "Diese Fahrradspur ist leer. Dafür hat der Rückstau stark zugenommen, nichts geht mehr vorwärts", sagt der Breitengüßbacher, der regelmäßig in Bamberg zu tun hat.

Vor einem knappen halben Jahr wurden in der Friedrichstraße neue gelbe Markierungen aufgetragen. Die Radfahrer haben nun eine zwei Meter breite Fahrspur, die eigene Linksabbiegerspur für Autofahrer ist weggefallen. So teilen sich geradeaus fahrende und linksabbiegende Autos nun eine 3,50 Meter breite Spur.

Auf ein Jahr ist der Verkehrsversuch Friedrichstraße angelegt, Träger kann ihm nichts abgewinnen: "Zwei Meter für die Radfahrer sind viel zu breit, dadurch wird der Verkehrsraum für die anderen Fahrzeuge viel enger." Er habe beobachtet, dass manche Radler "kreuz und quer fahren, die Spuren wechseln, wie sie wollen und ohne Licht unterwegs sind". Er sei froh, dass nicht mehr Unfälle passierten.

Dass die erste Zwischenbilanz aus Sicht der Stadt positiv ausfällt, erklärt Baureferent Thomas Beese. Die Radfahrenden seien begeistert. Die Pünktlichkeit der Stadtbusse habe sich nicht verschlechtert. Die Abbiegevorgänge im Bereich der Luisenstraße/Herzog-Max-Straße und im Bereich Schützenstraße verliefen unproblematisch. "An uns wurden fast keine Beschwerden herangetragen", sagt auch Ines Schellmann, Sachbereichsleiterin Verkehr bei der Polizei Bamberg-Stadt. Allenfalls zu Berufsverkehrszeiten komme es zu erheblichem Rückstau.Sie hat die neue Verkehrsführung selbst schon mit dem Rad ausprobiert und stellt "aus Radfahrersicht eine deutliche Verbesserung" fest.

"Ansonsten verläuft das wirklich problemlos. Wir hatten nur einmal einen Unfall am Schönleinsplatz, als ein linksabbiegender Radfahrer von einem Auto touchiert wurde. Aber das hatte eigentlich auch nichts mit dem Verkehrsversuch zu tun", sagt Schellmann. Aus ihrer Sicht könnte man daher schon in den Echtbetrieb gehen und die provisorische Markierung in eine dauerhafte umwandeln.

"Naturgemäß wird die Maßnahme von kraftfahrenden Verkehrsteilnehmenden, vorwiegend von solchen aus dem Landkreis, wiederholt kritisch gesehen", räumt Beese ein. Rückstaus würden nicht zuletzt durch ortsunkundige Autofahrer, die direkt vor der Ampel am Schönleinsplatz Spurwechsel versuchen, verursacht. Zum anderen benennt Beese "die Wartepflicht derjenigen, die von der Marienbrücke in den Kreisverkehr am Wilhelmsplatz einfahren wollen, gegenüber denjenigen, die von der Augustenstraße her bereits im Kreisverkehr sind" als Problem. Beide Phänomene hätten aber nicht direkt etwas mit dem Verkehrsversuch zu tun. Entsprechend lasse sich derzeit auch noch kein Änderungsbedarf feststellen. "Alle Menschen sind weiter herzlich eingeladen, den Versuch zu beobachten und ihre Erfahrungen der Stadtverwaltung mitzuteilen", sagt der Baureferent.

Auch Christian Hader zieht für die Initiative Radentscheid eine positive Zwischenbilanz "zum Radfahrstreifen, dessen Ausgestaltung wir insbesondere ja hinsichtlich der Breite mit Unterstützung von ADFC, VCD und der Arbeitsgemeinschaft der älteren Bürger Bambergs gegen den ursprünglichen Willen im Rathaus erkämpft haben". Seine Initiative bekäme Dankesmeldungen "insbesondere von Eltern, da es sich hier um eine wichtige Schulroute für den Bamberger Osten handelt".

Allerdings erscheint Hader der sogenannte "Radfahrstreifen in Mittellage" in Richtung Schönleinsplatz zu schmal markiert. "Dieser sollte - wie der Rest - ebenfalls zwei Meter betragen und inklusive der Aufstellfläche ganz vorne rot markiert werden." Weitere Versuche halte der Radentscheid nicht für notwendig. "Vielmehr sollten solche zeitgemäßen Radwege gleich dauerhaft installiert werden", sagt Hader. Wer es ernst mit der Verkehrswende meine, müsse dem Radverkehr auch zu Lasten von Autospuren mehr Platz zusprechen.

"In der wunderschönen Fahrradstadt kommt man als Autofahrer nicht vorwärts und findet keine Parkplätze - da kauf ich doch lieber woanders ein", sagt Träger. Ein anderer Autofahrer beklagt, "dass in Bamberg alles nur noch für die Radfahrer geplant wird, uns Autofahrer will man vergraulen".

Hader fordert derweil den zeitnahen Lückenschluss in der Peuntstraße zwischen Pfisterberg und Kunigundendamm. Der wäre baulich schon möglich. Allerdings würden dieser Verbesserung der Rad-Infrastruktur dann einige Parkplätze zum Opfer fallen - ein heißes Eisen. Die Diskussion dazu möchte zwei Monate vor der Wahl keiner so recht beginnen.

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