Bamberg
Protest

Klima-Aktivisten blockieren Tiefgarage in Bamberg - nicht jeder hat dafür Verständnis

Am Samstag hat sich eine Gruppe der "Aktion Autofreie Innenstadt" vor die Zufahrt zur Tiefgarage in der Schützenstraße in Bamberg gehockt, um ein Zeichen für die Verkehrswende zu setzen. Nicht jeder Passant zeigte dafür Verständnis.
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30 Aktivisten haben sich kurzzeitig vor die Tiefgarage in der Schützenstraße gesetzt. Foto: Julian Megerle
30 Aktivisten haben sich kurzzeitig vor die Tiefgarage in der Schützenstraße gesetzt. Foto: Julian Megerle

Die Autofahrer müssen sich vorbeugen, um zu schauen was da in der Einfahrt vor sich geht. Ein kurzer Blick. Keine Chance. Die Polizei winkt sie weiter, und die Fahrzeuge fahren stadtauswärts die Friedrichstraße entlang. Denn am Samstagmorgen hat sich kurz vor halb zehn eine Gruppe der "Aktion Autofreie Innenstadt" gemeinsam auf die Zufahrt zur Tiefgarage "Zentrum Süd" an der Schützenstraße gesetzt.

30 Aktivisten kamen über mehrere kleine Wege, um sich flott auf den noch nassen Asphalt zu hocken. Eine Aktion zivilen Ungehorsams mit Ansage. Schon Tage vorher hat das Aktionsbündnis auf Facebook die Blockade von Tiefgaragen in der Bamberger Innenstadt angekündigt. Ziel ist die Förderung des öffentlichen Nahverkehrs (ÖPNV) und mehr Maßnahmen für den Fahrradverkehr. Oderganz kurz gesagt: die Verkehrswende.

Polizei schnell vor Ort

Die Polizei ist mit sieben Mannschaftswagen rasch vor Ort und um 9.37 Uhr hält der Einsatzleiter der Polizei die erste Ansprache, dass die Versammlung ordnungswidrig sei. Wenn die Demonstranten jedoch mit ihren Bannern auf dem nahe gelegenen Gehsteig stünden, sei das vom Versammlungsrecht abgedeckt. Ein paar Aktivisten treffen sich auch auf dem Gehweg, aber setzen sich nicht zur Blockade dazu.

Die zumeist jungen Menschen am Boden machen erst einmal keine Anstalten, sich wegzubewegen. Sie haben neben Pappschildern mit Aufschriften wie "Guter ÖPNV statt gratis parken!" und "Tiefgarage: Besetzt" Decken dabei. Kekse und Äpfel machen die Runde. Immer wieder setzen sie zu Sprechchören an. Als eine Fahrradfahrerin vorbei radelt, jubeln sie.

Immer wieder fahren Autos aus der Tiefgarage. Eine Frau im mittleren Alter hat in Bamberg Verwandte besucht. "Ich habe kein Verständnis für diese Aktion", meint sie. Schließlich gehöre sie zu einer Generation, die noch nicht ständig ein neues Smartphone gekauft hätte und auf vieles verzichten musste.

Tobias Plietsch ist zu Fuß auf dem Weg in die Stadt: "In Bamberg kann ich das Auto stehen lassen und das Rad nehmen." Der Bamberger hat Verständnis für die Aktion und ist genervt von der Klimadebatte: "Für viele ist das nur solange recht, wenn es nicht weh tut."

Kritik von Passanten

10.20 Uhr. Die zweite Ansprache von Seiten der Polizei. Gemurmel und Zeit für ein "Demoplenum". Die Aktivisten beratschlagen sich, ob sie weiter bleiben oder die Straße verlassen. Sie bleiben. Ein junges Pärchen ist Teil der Blockade. Beide haben schon Pöbeleien von Passanten erlebt. "Die Diskussion mit den Menschen kommt viel zu kurz", meint der Aktivist. "Wir wollen den Menschen ja nicht die Mobilität wegnehmen, sondern über ein gutes Nahverkehrskonzept sprechen", ergänzt seine Freundin. Beide sind sich einig: Schon jetzt habe die Blockade viele Menschen aufmerksam auf die Notwendigkeit einer Umkehr in der Verkehrspolitik gemacht.

"Das Auto ist das A und O in Deutschland. Das ist das Statussymbol der Wirtschaft", meint ein Rentner mit Nachdruck, als er von einem Demonstranten einen Flyer in die Hand gedrückt bekommt. Der gebürtige Bamberger musste vor kurzem seinen alten Diesel-Pkw umtauschen, um weiter fahren zu dürfen. "Ihr werdet noch sehen was Ihr davon habt, wenn die ganzen Autohersteller zumachen und die Arbeitsplätze wegfallen!"

Anwohner finden Aktion sinnvoll

Das Ehepaar Ruß wohnt direkt gegenüber in der Schützenstraße und findet die Aktion sinnvoll: "Parkhäuser sollten, wenn dann an den Rand der Stadt gebaut werden", meint Sibylle Ruß. Es brauche ein neues Verkehrskonzept, aber seit Jahrzehnten passiere nichts. "Früher hat man schließlich auch nicht gedacht, dass man die Sandstraße zu einem verkehrsberuhigten Bereich machen könnte", ergänzt Norbert Ruß. Die Eheleute stört auch der zunehmende Durchgangsverkehr.

 

Kurz vor 11 Uhr. Die Blockade löst sich auf und es gibt eine spontan angemeldete Demo zum Maxplatz. Im Hintergrund läuft "Deine Schuld" von "Die Ärzte". Stephan Kettner hat während der Blockade den Kontakt zur Polizei gehalten: "Wir haben es geschafft, dass wir mit unserem Thema gehört wurden. Und es ist alles friedlich verlaufen."

Jan Giersberg, Pressesprecher der Stadtwerke Bamberg, welche die Tiefgarage betreiben, ist auch erleichtert: "Unsere Kundinnen und Kunden konnten ohne Probleme jederzeit aus dem Parkhaus fahren." Das sei durch die gute Arbeit von Polizei und Ordnungsamt möglich gewesen.

Am Mittwoch, 2. Oktober, wird im Aufsichtsrat der Stadtwerke über neue Konzepte für den Nahverkehr in Bamberg verhandelt.

 

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