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Arbeit

AEO-Dolmetscher wegen Pressekontakt entlassen?

Ein Dolmetscher spricht mit dem FT und anderen Medien über den Alltag in der AEO. Dann wird ihm gekündigt. Zufall?
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Abgeriegelt: Ein Bewohner der AEO sprach mit mehreren Pressevertretern. Nun darf er nicht mehr als Dolmetscher arbeiten. Dies kritisiert der Flüchtlingsrat, während die Regierung einen Zusammenhang dementiert.  Foto: Foto: Ronald Rinklef/Archiv
Abgeriegelt: Ein Bewohner der AEO sprach mit mehreren Pressevertretern. Nun darf er nicht mehr als Dolmetscher arbeiten. Dies kritisiert der Flüchtlingsrat, während die Regierung einen Zusammenhang dementiert. Foto: Foto: Ronald Rinklef/Archiv

13. Juni, Ankereinrichtung Oberfranken (AEO). "Ich bin wie jeden Morgen zur Arbeit gegangen", erzählt Arian Baraheni (Name geändert) mit sich überschlagender Stimme am Telefon. "Aber dann wurde mir gesagt, ich soll nicht mehr kommen, weil ich mit der Presse gesprochen habe."

Der Iraner lebt seit 14 Monaten in der AEO und arbeitete dort als Dolmetscher bei mehreren Behörden. Im Artikel "Arians Alltag im Anker-Camp" (Fränkischer Tag vom 13. Juni) sprach er über die Lebensbedingungen in der AEO. Neben dem FT schilderte er auch mehreren weiteren Medien seine Erfahrungen, unter anderem dem Bayerischen Rundfunk, wo er auch seinen richtigen Vornamen nannte. Die Kündigung Barahenis erfolgte nach der Ausstrahlung der Beiträge.

Der Bayerische Flüchtlingsrat hat den Vorfall nun in einer Pressemitteilung aufgegriffen. "Dies zeigt wieder einmal, dass Kritik am sogenannten Vorzeigemodell Anker durch Geflüchtete nicht geduldet wird", teilt Thomas Bollwein vom Flüchtlingsrat mit. "Seitens der Regierung soll um jeden Preis verhindert werden, dass diese fehlgeschlagene und menschenunwürdige Form der Sammelunterbringung beanstandet wird." Aus Solidarität mit Baraheni hätten nach dessen Kündigung "alle geflüchteten Persisch-Dolmetscher aus dem Lager ihre Tätigkeit bis auf Weiteres eingestellt", heißt es in der Mitteilung.

Regierung weist Vorwürfe zurück

"Die Darstellung des früheren Dolmetschers weisen wir zurück", sagt ein Sprecher der Regierung von Oberfranken auf Nachfrage. "Ich betone, dass wir nichts gegen den Austausch von Berichterstattern und Bewohnern der Anker-Einrichtung haben und ihn auch nicht einschränken."

Bewohner dürften sich äußern

Auch außerhalb der "Pressesammeltermine" in der Anker-Einrichtung könnten sich Asylbewerber äußern, ohne negative Konsequenzen befürchten zu müssen." Weswegen Baraheni sonst gekündigt wurde, könne die Regierung "aus Gründen des Daten- und Persönlichkeitsschutzes" nicht sagen.

Die Bewohner der Anker-Einrichtungen unterliegen einem Arbeitsverbot. Es gibt jedoch Beschäftigungsmöglichkeiten, wie etwa Dolmetscher oder Küchenhilfe. Diese werden mit 80 Cent pro Stunde bezahlt.

"Für die Bewohner ist dies oftmals die einzige Möglichkeit, ihrem eintönigen und reglementierten Alltag in Anker-Zentren eine Struktur zu geben", heißt es in der Mitteilung des Flüchtlingsrats.

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