Bamberg
Denkmalschutz

Adios Calimeros? Was wird aus dem Bamberger Lokal und dem Gebäude?

Eine Immobilien-Anzeige der Sparkasse sorgt für Kritik: Darin wird das Steinerne Haus in der Langen Straße 8 mit der Möglichkeit auf Teilabriss beworben. Was wird aus dem Baudenkmal? Was wird aus dem beliebten Lokal?
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Ralf Schmidtlein in seinem Calimeros Foto: Sebastian Schanz
Ralf Schmidtlein in seinem Calimeros Foto: Sebastian Schanz
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Mit einer fast schon mexikanischen Gelassenheit sitzt Ralf Schmidtlein an der Bar des Calimeros. Der Geschäftsführer der gleichnamigen Gaststättenbetriebe-GmbH legt seinen Arm lässig auf den Tresen, wo am Samstag noch leicht bekleidete Tänzerinnen Tequila in durstige Kehlen gegossen haben. "Die Leute sollen auf den Tischen tanzen, das war hier von Anfang an unser Ziel", sagt der ehemalige DJ, der mittlerweile mit Thomas Gebert auch Chef von Bolero, Salino, Brasserie, Little Italy und Rodez 7 ist. Am Donnerstag wird es die Gäste beim "Karaoke-Abend im Cali" wieder kaum auf den Sitzen halten.

Wie lange die Partyadresse allerdings in der Langen Straße 8 noch Bestand hat, ist offen. Denn das Gebäude wird verkauft. Der Privateigentümer aus dem Raum Bamberg habe ihn als ersten gefragt, ob er es kaufen wolle. Darauf legt Schmidtlein Wert: "Wir haben seit 27 Jahren ein sehr gutes Verhältnis, das ist nach wie vor so. Aber dieses Haus ist eine Nummer zu groß für uns. Da muss ein Profi ran."

Der Kaufpreis ist auf 1,3 Millionen Euro taxiert, für die Sanierungskosten werden drei Millionen kolportiert. Im Hinterhof stützt ein Baugerüst einen maroden Anbau, der von einem langen Riss durchzogen wird. Die Kühlräume sind laut Schmidtlein über 100 Jahre alt. Ein Rettungsweg nach hinten fehlt. Dachziegeln werden von einem Gitter aufgefangen, wie von einem Lawinennetz.

Aufschrei gegen Anzeige

404,5 Quadratmeter Wohnfläche, zehn Zimmer: Es sind nicht die Daten, die Kritik an der Immobilienanzeige der Sparkasse hervorgerufen haben - die Annonce ist mittlerweile deaktiviert. Darin wurde geworben, an der Straßenfront seien Fenster bis zum Gehsteig möglich, "hofseitig darf alles abgerissen werden".

Der Aufschrei der Schutzgemeinschaft Alt Bamberg ließ nicht lange auf sich warten: "Das ist die Vision, die künftigen Käufern in die Köpfe gepflanzt werden soll? Kein Wort davon, dass es sich um eine der wenigen authentisch erhaltenen barocken Fassaden in dem Straßenzug handelt?", schimpft die Interessengruppe um ihren Vorsitzenden Martin Lorber in den sozialen Medien. "Hat die Sparkasse den Aufschrei angesichts der ,Investoren' in der Sandstraße nicht mitbekommen und verstanden, wie sensibel wir Bamberger zurecht auf derlei Raubbau reagieren?"

Auch der grüne OB-Kandidat Jonas Glüsenkamp mahnt: "Das Steinerne Haus ist kein Spekulationsobjekt, das für hohe Renditeerwartungen geeignet ist", und fordert OB Andreas Starke als Vorsitzenden des Verwaltungsrats der Sparkasse auf, zu intervenieren. Auch für OB-Kandidat Martin Pöhner "zeigt der Fall, dass wir potenziellen Investoren im Weltkulturerbe künftig noch stärker bewusst machen müssen, dass der uneingeschränkte Erhalt unserer Baudenkmäler nicht verhandelbar ist". Der FDP-Stadtrat spricht sich für einen Beschluss des Stadtrates aus, dass künftig keine Genehmigung mehr für den Abriss von denkmalgeschützten Gebäuden erteilt wird.

Die Kritisierten reagieren: "Die Sparkasse Bamberg ist nicht Eigentümer der Immobilie. Unser Immo-Center nimmt hier die Rolle als Dienstleister wahr und unterstützt den Auftraggeber bei der Suche nach einem Käufer", antwortet Sparkassen-Sprecher Mathias Polz.

Und auch OB Starke will das so nicht stehen lassen: "Der Fall ist nicht vergleichbar mit den Spekulationsobjekten in der Oberen Sandstraße oder der Königstraße. Zudem gibt es im Baureferat keinen Antrag zu möglichen Umbauarbeiten, wir wurden nie zu Abbrüchen oder Fensterverlängerungen oder ähnlichen Veränderungen gefragt." Auch habe man im Rathaus nie etwas in Aussicht gestellt und erst recht nicht genehmigt. Bei dem Gebäude in der Langen Straße handelt es sich laut Starke um ein Einzeldenkmal, sowohl beim Vorder- als auch beim Rückgebäude. Danach hätten sich jegliche Sanierungsvorhaben zu richten.

"Schon vor 30 Jahren stand eine Sanierung im Raum", erzählt Schmidtlein im Calimeros. Doch die Generalsanierung blieb aus. Zum mexikanischen Stil im Lokal passt das. Zwölf Monate Kündigungsfrist stehen im Pachtvertrag. Schmidtlein kann sich vorstellen, auch nach einer Sanierungspause weiterzumachen. Doch er zeigt sich für alle Fälle gerüstet: "Wenn wir von einem neuen Eigentümer gekündigt werden, machen wir zwölf Monate Abschiedsparty."

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