Bamberg
Telefonieren

Abzocke durch Call-by-Call

Die 010040 GmbH hat ihren Minutenpreis auf 1,99 Euro erhöht. Jetzt werden die Kunden mit horrenden Rechnungen konfrontiert. Wir erklären, wie sie sich wehren können.
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Vorsicht: Eine Minute bei 010040 kostet fast zwei Euro.  Grafik: Tanja Friedrich
Vorsicht: Eine Minute bei 010040 kostet fast zwei Euro. Grafik: Tanja Friedrich
459,88 Euro für ein paar Telefonate: Die Bambergerin Luise M. ist entsetzt. Die 84-Jährige hatte im guten Glauben die "Sparvorwahl" 010040 genutzt - und wurde abgezockt. Auch Hilde S. aus dem Landkreis Bamberg erhielt in diesen Tagen eine saftige Rechnung: Für zwei Telefonate über die 010040 GmbH sollte sie 130 Euro bezahlen. Der Anbieter hatte vermutlich im Juli seinen Tarif von Cent auf Euro umgestellt, was man bei der genuschelten Ansage aber kaum versteht.

Jetzt hat die Call-by-Call-Nummer, die auch in dieser Zeitung veröffentlicht war, außer der Verbraucherzentrale die Bundesnetzagentur auf den Plan gerufen. Die Bonner Regulierungsbehörde hatte erst im September gegen den Anbieter der Nummer 01063 ein Verbot der Rechnungslegung und Inkassierung verhängt und geht jetzt den Beschwerden über die 010040 nach.

Horrende Rechnungen

Die beiden Damen, die ihre richtigen Namen nicht in der Zeitung lesen möchten, haben die gleichen Erfahrungen gemacht: Sie orientieren sich an der Tabelle mit Sparvorwahlen, die in dieser Zeitung jeden Montag veröffentlicht wird. "Das hat bis jetzt immer gut geklappt", sagen die Rentnerinnen. Viele weitere Leser, die sich in den vergangenen Tagen telefonisch oder schriftlich bei unseren Redaktionen meldeten, bestätigen die positive Praxis mit Sparvorwahlen. Bis ihnen die Abrechnung der überteuerten 010040-Nummer ins Haus flatterten. Wir haben diese Nummer umgehend aus unserer Tabelle entfernt und bei Verbraucherzentrale und Bundesnetzagentur nachgefragt, wie sich die geprellten Kunden verhalten sollen.

Nicht bezahlen!
Die meisten haben, wie sich in den Gesprächen mit den Betroffenen zeigte, bereits richtig reagiert: Sie haben den fraglichen Betrag nicht bezahlt. Luise M. hat ihren Sohn bei der Servicenummer der 010040 anrufen und einen Brief an den Anbieter schreiben lassen. Keine Reaktion. Parallel hat sie die Abbuchung gesperrt und nur die Rechnung der Telekom überwiesen. Das war vor zwei Wochen. "Seitdem habe ich nichts mehr gehört", sagt Luise M.

Massenhaft Beschwerden
Auch Hilde S. hat sich mit ihrem Nachbarn einen Unterstützer geholt. Gemeinsam haben sie bei der Servicenummer des Spar-Anbieters einen Ansprechpartner erreicht. Er bot an, "nur" die Hälfte von 130 Euro zu bezahlen. Hilde S. war daraufhin verunsichert. Sie möchte sich korrekt verhalten, weiß aber, dass die Abrechnung nicht korrekt sein kann. "Ich bin Rentnerin und habe doch nicht viel Geld", sagt sie. Jetzt hat sie sich an ihre Bank gewandt und darum gebeten, die Call-by-Cal-Rechnung abzukoppeln und nicht zu überweisen.
"Das war genau richtig", bestätigt Brigitte Büttel von der Bamberger Beratungsstelle der Verbraucherzentrale Bayern. Sie stöhnt, wenn sie "010040" hört: "Wir haben seit Ende Oktober massenhaft Beschwerden über diesen Anbieter", sagt sie.

Preis muss angesagt werden
Seit dem 1. August 2012 müssen Anbieter von Call-by-Call-Diensten bevor das Telefonat kostenpflichtig wird, den Minutenpreis oder - falls zeitunabhängig abgerechnet wird - den Gesamtpreis nennen. Diese Ansage und mindestens drei weitere Sekunden müssen kostenlos sein. So soll Abzocke verhindert und sichergestellt werden, dass Verbraucher genug Zeit haben zu entscheiden, ob sie den Dienst zum genannten Preis nutzen wollen. Der Anbieter der 010040 hat zwar eine Ansage, jedoch ist diese akustisch kaum verständlich. Deshalb haben viele Kunden nicht gehört, dass die Minute jetzt 1,99 Euro statt unter zwei Cent kostet und erhalten horrende Rechnungen. Teilweise wird wegen der "Umstellung" der Gebühren sogar noch Geld für zurückliegende Monate verlangt.

Geld zurückholen
Für Verbraucherschützerin Büttel ist der Fall klar: "Erst mal nicht zahlen", sagt sie. Die Betroffenen sollten schriftlich Widerspruch bei der 010040 GmbH einlegen, den strittigen Betrag von der Telefonrechnung abziehen und die Telekom darüber informieren. Das geht allerdings nur in der Frist, die in der Rechnung genannt wird. Ist sie verstrichen und der Betrag bereits abgebucht, rät Büttel, das Geld über die Bank zurückzuholen und nur die unstrittigen Gebühren wieder zu bezahlen.

Call-by-Call kann sich lohnen
Ist Call-by-Call trotz allem noch empfehlenswert? "Ja", sagt Büttel. "Aber man muss genau auf die Ansage hören und sofort auflegen, wenn der Preis zu hoch ist."

Denselben Rat gibt René Henn, Sprecher für den Bereich Telekommunikation bei der Bundesnetzagentur. Und er geht noch einen Schritt weiter: "Wenn keine Preisansage erfolgt, sie zu undeutlich oder zu schnell ist, sollten sich die Verbraucher an die Bundesnetzagentur wenden." Nur so kann die Behörde schwarze Schafe aufdecken und wie im Fall des Anbieters 01063 mit Verbot reagieren. So weit ist es mit dem Anbieter der 010040 noch nicht. "Uns liegen viele Beschwerden vor", so Henn. "Damit konfrontieren wir jetzt das Unternehmen. Aber es muss sich erst noch erhärten, ob hier Verstöße vorliegen."


Call-by-Call: Vor- und Nachteile

Technik
Call-by-Call ist eine Sparmöglichkeit für Kunden der Telekom. Sie nutzen den günstigsten Telefontarif und vor jedem Gespräch - am besten ohne Anmeldung - eine Sparvorwahl.


Kosten
Da sich die Tarife von Anbieter zu Anbieter und abhängig von Tages- und Wochenzeit ständig ändern, sollte man vor jedem Gespräch die Ansage abhören und auflegen, falls der Preis erhöht wurde. Die Tarife der Call-by-Call-Anbieter werden in dieser Zeitung und im Internet z.B. bei
www.verivox.de oder www.billiger-telefonieren.de veröffentlicht.


Widerspruch
Beim Widerspruch gegen erhöhte Telefonabrechnungen hilft die Verbraucherzentrale. Sie bietet online einen Musterbrief unter www.vz-nrw.de/preisansage-bei-call-by-call-gespraechen-schutz-vor-abzocke .

Beschwerden nimmt die Bundesnetzagentur unter Tel. 0291/9955-206 entgegen, E-Mail: rufnummernmissbrauch@bnetza.de, www.bundesnetzagentur.de .

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