Stegaurach
Wirtschaften

Abschied von den Gasthöfen Krug und Schimmel

Keine Nachfolge in Sicht: Der Traditionsgasthof Krug in Stegaurach schließt am 19. Mai. Hotel und Restaurant werden laut der Inhaberin nicht weitergeführt. Auch der Landgasthof Schimmel in Gundelsheim hat geschlossen.
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Die "Tradition auf dem Lande" endet nach 145 Jahren: Der Gasthof Krug schließt. Im Gespräch ist eine Wohnanlage für Senioren. Fotos: Barbara Herbst
Die "Tradition auf dem Lande" endet nach 145 Jahren: Der Gasthof Krug schließt. Im Gespräch ist eine Wohnanlage für Senioren. Fotos: Barbara Herbst
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Ihren Gästen auf den knarzenden Holzbänken in der rustikalen Gaststube des Gasthofs Krug serviert Nicola Hofmann zum Abschied noch einmal Gerichte aus mehreren Jahrzehnten: von gratinierten Weinbergschnecken in Knoblauchrahm bis zur gebackenen Rehleber "Steigerwald" mit Calvadossauce. "Ich verabschiede mich bei allen Gästen persönlich, denn es ist wirklich eine emotionale Angelegenheit", sagt die Inhaberin. Genau genommen: die ehemalige Inhaberin. Denn das Anwesen ist bereits verkauft.

Den neuen Eigentümer will Hofmann nicht nennen. Nur so viel: Er stamme aus der Region und habe andere Pläne für das Areal. Im Gespräch ist eine Wohnanlage für Senioren. "Mit dem Gasthof und dem Hotel ist Schluss", stellt Hofmann klar. So endet also eine Gastro-Geschichte, die auf fünf Generationen zurückblickt. Krug, Gaissmaier, Hofmann: Die Familie führte den Traditionsgasthof über 145 Jahre lang.

"Unsere Tochter interessiert sich überhaupt nicht für diesen Bereich, sondern für Technik. Sie hat sich für ein Studium entschieden", erklärt Mutter Nicola Hofmann die Hintergründe. So mussten sich die Eltern die Frage stellen, wie lange sie den Betrieb noch weiterführen wollen und können. In der Folge haben sie einen Schlussstrich gezogen. "Besonders Köche findet man bei dem derzeitigen Fachkräftemangel überhaupt keine", sagt Hofmann. Im Service habe man im Krug stets mit festen Kräften statt Aushilfen gearbeitet. Doch auch hier finde man kaum Personal. Mit externen Kräften sei eine Weiterführung daher nicht möglich gewesen. Ein Restaurant mit kreativen Gerichten, dazu ein Drei-Sterne-Superior-Hotel mit 25 Zimmern, Pool mit Gegenschwimmanlage und Sauna: "Für uns war das ein Sieben-Tage-Job. Nur so kannst Du das führen", sagt die Geschäftsfrau, die nun nach 13 Jahren im Betrieb Servus sagt. "Restaurant und Hotel werden komplett stillgelegt."

In Stegaurach bedauert man die Entwicklung. "Es ist wirklich sehr schade, sehr traurig für uns", sagt Bürgermeister Thilo Wagner (FW). "Aber leider ist es in der Region so, dass so etwas öfter passiert."

Auch auf der anderen Seite Bambergs gehen die Lichter aus - im Landgasthof Schimmel in Gundelsheim. Den Osterlammbraten mit Bohnengemüse und Serviettenkloß konnten die Gäste noch genießen - doch mittlerweile ist der Betrieb eingestellt. "Wir haben die Gastronomie geschlossen und wollen uns neu orientieren", sagt die Eigentümerin, die Restaurant und Hotel neben ihrer Tätigkeit in der Erwachsenenbildung stemmte. Wie es im Gasthaus weitergeht? "Die Zukunft ist noch offen", antwortet die Noch-Inhaberin.

"Das ist schade, aber es gab dort immer mal wieder einen Leerstand", sagt Bürgermeister Jonas Merzbacher (SPD) dazu. Man müsse schauen, was die Zukunft bringt. In Gundelsheim reiße die Schließung kein Loch.

In der gleichen Straße entsteht gerade ein großes Sozialprojekt der Gemeinde mit einem Finanzvolumen von 3,4 Millionen Euro. An der Hauptstraße 7/9 sollen Wohnungen, Küche, Multifunktions-Scheune, Parkplatz und Café entstehen. Aber keine Wirtschaft, stellt der Bürgermeister klar. Was die private Gastronomie angehe, müsse man einfach abwarten, was sich entwickelt.

Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband im Landkreis warnt immer wieder: "Das Wirtshaussterben ist kein Begriff, den nur die Oberbayern kennen, sondern es ist ganz akut bei uns angekommen", erklärt der stellvertretende Vorsitzende Joachim Kastner. Glücklicherweise seien die 200 Gastronomen im Landkreis Bamberg, die im Verband engagiert sind, recht stabil und ausreichend informiert, so dass es nicht zu einem überraschenden Ende durch Personalmangel oder auch die Behörden kommt - als Stichworte nennt Kastner dabei etwa Kassennachschau, Lebensmittelüberwachung oder das Arbeitszeitgesetz. Fehlende Nachfolger sind ebenfalls oft ein Grund, warum Wirtschaften schließen. Siehe Stegaurach.

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