Bamberg

Zu modern oder zu brav? Streit um die Mühlenpläne in Bamberg

Der Gestaltungsvorschlag für die Unteren Mühlen stößt eine erneute Debatte an. Die CSU fürchtet, das Projekt könne kaputt geredet werden.
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Die Wiederbebauung der Unteren Mühlen könnte heuer schon beginnen, wenn der Bausenat zustimmt. Über dem künftigen Kraftwerk soll eine Terrasse zum Sitzen einladen.   Illustrationen: Architekturbüro Rosenberg
Die Wiederbebauung der Unteren Mühlen könnte heuer schon beginnen, wenn der Bausenat zustimmt. Über dem künftigen Kraftwerk soll eine Terrasse zum Sitzen einladen. Illustrationen: Architekturbüro Rosenberg
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Es scheint mit der Aura eines Ortes zusammenzuhängen, dass sich hier eine Ruine jahrzehntelang erhalten konnte. Nur wenige Meter vom Bamberger Brückenrathaus entfernt macht sie Investoren und Architekten das Leben schwer und beschäftigt Generationen von Stadträten. Erinnern wir uns: Vor gut zehn Jahren scheiterte ein ebenso teurer wie spektakulärer Architektenwettbewerb kläglich, der die Unteren Mühlen einer Wiedererweckung als Hotel zuführen wollte. Groß und teils ultramodern fanden die Pläne keine Gnade vor den Augen vieler Bamberger. Der damals frisch gewählte OB Andreas Starke (SPD) verhängte am Ende einer emotionsgeladenen Debatte ein Moratorium.

Jetzt ist nach jahrelangem Hin und Her ein neuer Vorstoß gediehen. Schon am 5. Mai könnte der Bausenat den Bauantrag des Investors Johannes Kraus aus München für das Grundstück der ehemaligen Kaufmanns-, Sterzers- und Leibelmühle absegnen. Es ist eine Kombination aus Kraftwerksnutzung, fränkischer Gaststätte mit großer Terrasse und dem neuen Welterbezentrum Bamberg, die dem Schandfleck neues Leben einhauchen soll. Doch ohne Diskussionen geht es auch 2016 nicht ab.


Eine Chance vertan?

Wieder ist es die Architektur, an der sich die Geister scheiden: Die einen halten sie für viel zu modern, den andern ist sie zu wenig mutig. Ursula Sowa macht keinen Hehl daraus, dass sie zu letzteren gehört: "Die Fassade ist aufgerissen und ohne Proportion", sagt die Bamberger Grüne. Von Beruf Architektin weiß sie sich mit vielen Kollegen darin einig, dass die Planung die Chancen verschenkt, die der einmalige Ort im Fluß bietet.

Auch vom Stadtgestaltungsbeirat kommen eher missgelaunte Töne: Unter anderem zweifelt das mit hochkarätigen Experten besetzte Gremium an der Walmdach-Lösung und an den Vor- oder Rücksprüngen auf der Unterkonstruktion. Der Entwurf überzeuge nicht, heißt es in einer schriftlichen Stellungnahme. Architekt Heinz Rosenberg kann nicht verstehen, weshalb seine Planung so kritisiert wird. Weder sei der Bau historisierend, noch könne man ihm den Vorwurf machen, in der Nachbarschaft wertvollster Denkmäler unnötig aufzutrumpfen. "Wir haben uns für eine zeitgemäße und ruhige Architektursprache entschieden, weil dieses sensible Gebiet anderes nicht verträgt", sagt er.

Der Bamberger Planer, der unter anderem das Hotel "Tandem" an der Markusbrücke oder auch das historische Stadtbad geplant hat, weist darauf hin, dass die Erfahrungen der Vergangenheit auch der Grund waren, sich für eine kleine Lösung zu entscheiden. Der umbaute Raum der beiden Gebäudeflügel, der sich in etwa an die Ausmaße der historischen Mühlen anlehnt, umfasst nur rund 4500 Kubikmeter.

Von der CSU bekommt Rosenberg Rückendeckung: Die Fraktion, die sich auf die Fahnen schreibt, wesentlich dazu beigetragen zu haben, dass eine Bebauung des Inselgrundstücks in greifbare Nähe gerückt ist, will die Chance für Bamberg nicht verstreichen lassen. Forderungen, den Entwurf noch einmal dem Stadtgestaltungsbeirat vorzulegen, lehnt die CSU entschieden ab. Man fürchte, dass Johannes Kraus abspringen könnte, wenn an einem mittlerweile tragfähigen Konzept weiter herumgedoktert wird. "Wir finden die Planung gefällig und angemessen", sagt Helmut Müller.


Kraus: Start nach der Sandkerwa

Die Maßstäblichkeit, die Verwendung ortstypischer Materialien sind es, die die Heimatpfleger der Stadt Bamberg aus denkmalpflegerischer Sicht Ja sagen lassen. Gleichwohl findet Stephanie Eissing die flächige Verwendung von Glas nicht angemessen. Die Planung sei "fast ein wenig zu brav für diese Stelle Bambergs”.

Investor Kraus lässt sich von der Kontroverse nicht entmutigen. Er weiß um die Verantwortung, in der guten Stube Bambergs zu bauen, aber ihm ist auch klar, dass er es mit seiner Planung nicht allen recht machen kann. Wichtig sei, dass die Reste der alten Mühle erkennbar erhalten bleiben; dennoch handele es sich um ein sichtbar modernes Gebäude, das sich schon durch das Schieferdach von der engsten Nachbarschaft absetzt.

Den Vorschlag, den Schweizer Stararchitekten Peter Zumthor mit dem Bau der Unteren Mühlen zu beauftragen, wie es Ursula Sowa ins Spiel gebracht hat, lehnt Kraus als völlig abwegig ab. Er will auf keinen Fall nach zweieinhalb Jahren Vorarbeiten wieder von vorne anfangen. Im Gegenteil: Geplanter Baustart ist nach der Sandkirchweih.
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