Bamberg
Auktion

Zu Gast an einem großen Pult in Bamberg

Matthias Beckert hat ein besonderes Weihnachtsgeschenk bekommen: Sein Bruder hat ihm das Gastdirigat der Bamberger Symphoniker im Rahmen der FT-Auktion "Franken helfen Franken" ersteigert. Heute steht er auf dem Pult.
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Wird heute zum zweiten Mal im Joseph-Keilberth-Saal dirgieren: Matthias Beckert. Das Bild stammt aus dem Frühjahr 2014 .  Foto: Manfred Koch
Wird heute zum zweiten Mal im Joseph-Keilberth-Saal dirgieren: Matthias Beckert. Das Bild stammt aus dem Frühjahr 2014 . Foto: Manfred Koch
Dirigenten sagt man ja so einiges nach. Machtmenschen, Diven-haft, extravagant und extrovertiert. Aber auch sensible und feinsinnige Künstler. Und sie leben gefährlich: Einer ihrer Urväter, der Franzose Jean-Baptiste Lully, starb an Wundbrand, weil er sich den Taktstock in den Fuss rammte. Dirigenten sind stolz und strotzen vor Selbstbewusstsein: "Orchester haben keinen eigenen Klang; den macht der Dirigent", behauptete einer der Größten dieser Zunft, Herbert von Karajan. Also eine wichtige und gleichsam schillernde Position, so ein Dirigent.

Machtgefühl

Warum nicht mal einer bürgerlichen Person diese Möglichkeit zu schillern geben und ihr den Schein der Machtausübung in die Hände legen, dachten sich die Bamberger Symphoniker und ihr Intendant Marcus Rudolf Axt. Natürlich sollte es für den guten Zweck sein: für den Spendenverein "Franken helfen Franken" der Mediengruppe Oberfranken. "Die Überlegung war, etwas anzubieten, was man so auch nicht kaufen kann, und gleichzeitig zu vermitteln, dass wir in Bamberg verwurzelt sind und wie man sich diesem Teil der Hochkultur nähern kann", umreißt Marcus Rudolf Axt die Intention der Symphoniker, sich an der karitativen Aktion ihres Medienpartners zu beteiligen. Orchester zum Anfassen sollte es sein. "Und so wurde die Idee eines Gastdirigats geboren."
Für Dirigenten sind die Bamberger seit jeher eine gute Adresse, beispielsweise durch den Gustav-Mahler-Dirigentenwettbewerb, aus dem bekanntlich auch der vielfach prämierte Film "Der Taktstock" hervorgegangen ist. Oder die Förderung des dirigentischen Nachwuchses generell. Viele junge Dirigenten werden durch die Zusammenarbeit mit dem BR vermittelt. "Wir haben die Idee dann mit dem Orchestervorstand und Robin Ticcciati, dem Gastdirigenten des Silvesterkonzerts, abgesprochen, und alle waren schnell begeistert. Wir haben uns für einen Teil der Probe entschieden, eine der Zugaben, die am Silvesterabend gespielt werden wird", skizziert Axt die Rahmenbedingungen.

Eine tolle Idee und ein ideales Geschenk für meinen Bruder, dachte sich Johannes Beckert aus Knetzgau. Er ersteigerte das Gastdirigat und ermöglicht so seinem Bruder Matthias, am heutigen Tag die Bamberger Symphoniker zu dirigieren. Denn für Matthias Beckert ist das Dirigieren das tägliche Leben, er leitet unter anderem den Würzburger Monteverdichor und unterrichtet als Professor Dirigieren an der Würzburger Musikhochschule.

Vorfreude auf die Situation

Dennoch ist es auch für den 38-Jährigen ein durchaus besonderes Erlebnis, vor den Bamberger Symphonikern auf dem Pult zu stehen: "Ich kenne die Bamberger schon lange und hatte auch schon immer mal den Wunsch, sie nach Würzburg einzuladen, um mit ihnen Mahlers ,Sinfonie der Tausend' aufzuführen", äußert er seine Vorfreude auf die Zeit im Joseph-Keilberth-Saal. Auch den kennt er schon aus einer Konzertsituation. Im Frühjahr dieses Jahres vertrat er den Bamberger Universitätsmusikdirektor Michael Goldbach bei einem Konzert. Und auch wenn er in der Sache schon ein alter Hase ist, so fügt er mit diesem Gastdirigat "eine kreative Geschichte für das Familienalbum hinzu".

Abgerundet wird das Erlebnis mit einem Besuch des abendlichen Silvesterkonzerts, auf das sich Matthias Beckert schon freut. "Vor allem auf Claude Debussy und Maurice Ravel." Und bei der Zugabe wird er sicherlich neugierig überprüfen, was noch von seiner morgendlichen Einstudierung beibehalten wurde.




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