Dem Mitmenschen näherzukommen, gehört irgendwie zum Neubauer-Feeling, ob in seinem Minitheater oder in der urigen Galerie am Stephansberg. Denn meist völlig ausverkauft sind die kleinen Spielstätten, sodass Zusammenrücken angesagt ist. Man nahm's auch diesmal gern in Kauf.Denn das Programm ist alle Unbequemlichkeit wert. Zum zweiten Mal hat Neubauer "Lideradurzeuch" - so genannt nach dem Genieblitz eines unbekannten Bambergers - versammelt. Und zum zweiten Mal kommentiert Heiko Triebener, Solotubist der Bamberger Symphoniker, mit bratzigen Basstönen die Fundstücke und Erfindungen des Martin Neubauer. Der, gelernter Schauspieler und, so darf man vermuten, Bamberger aus Leidenschaft, kennt seine Stadt, deren Vergangenheit und ihre Einwohner sehr gut.

Und so hat er denn wieder allerhand ausgegraben: den "Prolog zum großen Magen" des Friedrich Gottlob Wetzel zum Beispiel, den der Romantiker in seiner Redakteurszeit am "Fränkischen Merkur" Anfang des 19. Jahrhunderts verfasste. "Bratwurst oder Sonette fressen, das ist euch gleich", grämte sich damals der (zugereiste) Mann, dessen Verse Neubauer in einer Gnomsmaske vortrug, und dass "Denken zu viel Kraft" kostet. Was Wetzel seinen Mitbürgern vorwarf. Die Tuba blies dazu den "Gnom" aus Mussorgskys "Bilder einer Ausstellung".

Keine Angst vor anstrengend Hochgeistigem: Die beiden beherrschen in Wort und Musik etliche Tonarten und scheuen die Niederungen nicht. Sind es überhaupt Niederungen, wenn der Dialekt in all seiner Saftigkeit sich entfaltet? Am schönsten in der Folge "Vier fränkische Temperamente beim Verlust der Geliebten". Also greint der Melancholiker vor sich hin ("In mir schauts aus wie aufm Troppauplatz"), dem Phlegmatiker schmeckt das Bier auch nach dem Tod der Ehefrau, der Sanguiniker dichtet drauflos ("Was ist denn all die Weiberpracht / Gegen unsres Rauchbiers Macht") und der Choleriker droht der "Lusch" und "Sulln". Triebener stimmt "Vier Haltungen zu einem alten Thema" von Uwe Hilprecht an. Oder auch mal den "Ententanz", wenn eine "Entenliesel" mit einem "Baddschä" ihre Lieblinge im Hain füttert. Oder den "Typewriter" von Leroy Anderson, wenn Neubauer kuriose Anrufe dokumentiert. Oder ... Beste Unterhaltung für alle Franken. Und für alle andern sowieso. Wenn's nur mehr Plätze gäbe!

"Lideradurzeuch zwa" in der Galerie am Stephansberg, Unterer Stephansberg 2, gibt's nochmal am 11., 14., 21., 22.2. Karten nur unter Tel. 0951/54528.