Laden...
Frensdorf
Festakt

"Wohnheimat" im Zentrum von Frensdorf

Von einem "Musterbeispiel für gelebte Inklusion" sprach Staatsministerin Huml bei der Einweihung eines neuen Wohnheimes der Lebenshilfe in Frensdorf.
Artikel drucken Artikel einbetten
In Anwesenheit zahlreicher Gäste erteilten Pfarrer Wolfgang Schmidt und Pfarrerin Angelika Steinbauer (von rechts) den kirchlichen Segen. Das Jura-Sextett (ganz hinten) umrahmte die Feier musikalisch.  Fotos: Evi Seeger
In Anwesenheit zahlreicher Gäste erteilten Pfarrer Wolfgang Schmidt und Pfarrerin Angelika Steinbauer (von rechts) den kirchlichen Segen. Das Jura-Sextett (ganz hinten) umrahmte die Feier musikalisch. Fotos: Evi Seeger
+6 Bilder
"Menschen mit Behinderung gehören in die Mitte der Gesellschaft. In Frensdorf sind sie genau da angekommen", freute sich Staatsministerin Melanie Huml. Die Einweihung des Wohnheims für Menschen mit Behinderung der Lebenshilfe Bamberg war ein freudiger Tag. Denn das Haus ist ein Gewinn für alle: Für die Lebenshilfe und die ihr anvertrauten Menschen, für deren Eltern, Verwandte, für die Mitarbeiter und Betreuer, für die Gemeinde und - nicht zuletzt - für den Inklusionsgedanken.

Dass sich das Wohnheim auch für Begegnungen mit der Bevölkerung öffnet, war von Anfang an Ziel der Lebenshilfe. Das neue Wohnheim sei ein Musterbeispiel für gelebte Inklusion, betonte Huml. Eine "Wohnheimat" sollte es nach den Worten des Architekten Markus Hirt werden. Dass es für die Bewohner ein echtes "Zuhause" ist, war beim Fest deutlich zu spüren. Diesen "Geist des Hauses" empfanden auch die vielen Gäste, unter ihnen Bezirkstagspräsident Günter Denzler, Regierungsvizepräsident Thomas Engel und stellvertretender Landrat Johann Pfister. Ein Haus, mit dem die Lebenshilfe "neue Maßstäbe gesetzt hat". Oder wie Wohnheimleiter Georg Schmitt es formulierte: "Das Haus ist ein Traum!" Großzügig, freundlich, und hell, nach neuestem Standard eingerichtet - ein Haus wie es kaum ein zweites gebe.


Mit viel Herzblut

Dabei war der Anfang nicht ganz einfach, wie der Vorsitzende der Lebenshilfe, Klaus Gallenz, rückblickend feststellte. Sieben Jahre vergingen vom Beschluss bis zur Bauausführung. In seinen Dank schloss Gallenz alle ein, die zu dem gelungenen Werk beigetragen haben. Unter ihnen Günther Hofmann, Geschäftsführer der Lebenshilfe, "der sehr viel Herzblut in dieses Haus eingebracht hat", die verstorbene Eigentümerin Grete Dobeneck und die Frensdorfer Familie Alt. Denn das Haus hat eine Geschichte. Der Altbau war einst das Entbindungsheim des Arztes Hans Dobeneck und seiner Frau Grete. 2629 Kinder erblickten dort zwischen 1956 und 1981 das Licht der Welt.


Inmitten von Frensdorf

Die Initiative zum Kauf sei eigentlich von Bürgermeister Jakobus Kötzner ausgegangen, berichtete Gallenz. Spontaner Beifall bestätigte dem Bürgermeister, dass seine Idee großartig war. Das Haus liege mitten im Dorf. Ärzte, Apotheke, Einkaufsmöglichkeiten, sogar ein Museum und ein Badesee seien vorhanden. "Dass wir in Frensdorf willkommen sind, zeigen viele Begegnungen", betonte Gallenz. Im Gegenzug habe man der Gemeinde nicht nur 24 Neubürger, sondern auch zwanzig Arbeitsplätze "zum Geschenk gemacht". Gallenz bedauerte, dass das Relief am einstigen Entbindungsheim nicht erhalten werden konnte. Die Lebenshilfe habe aber den Namen Sankt Marien übernommen.



Mit Leben erfüllt

Dass das Haus wieder mit Leben erfüllt ist, freute ganz besonders Bürgermeister Kötzner. Das sei ganz im Sinne von Hans und Grete Dobeneck. Die Bewohner hätten bereits Bekanntschaft mit der Bevölkerung geschlossen. Weitere Begegnungen erhofft sich Kötzner durch den "Inklusionsraum" im Erdgeschoss, den die Lebenshilfe der Dorfgemeinschaft öffnet. Ein Antrag der "Klangfarben" zur Nutzung für die wöchentlichen Chorproben liege bereits vor. "Wir freuen uns auf ein gutes Miteinander", rief Kötzner allen zu.

"Dahoam is dahoam", zitierte Pfarrerin Angelika Steinbauer, die zusammen mit Pfarrer Wolfgang Schmidt den kirchlichen Segen erteilte, eine bekannte Fernsehserie. Heimat sei ein Platz, der Beziehung schaffe, ein Ort der Zugehörigkeit, der Rahmen für aktive Lebensgestaltung. "Da wo ich Vielfalt erfahre und man mich so wahrnimmt, wie ich bin." Die Segnung mache deutlich, "dass dieses Haus ein Segen für uns alle ist", sagte Pfarrer Wolfgang Schmidt.


Zahlen und Fakten zum Haus Sankt Marien

Das Haus Sankt Marien bietet Platz für 24 Menschen mit Behinderung. 13 Bewohner kamen aus dem ehemaligen Wohnheim in Memmelsdorf. Aufgeteilt auf zwei Stockwerke leben die Bewohner in überschaubaren Gruppen von zwölf Personen. Jede Wohngruppe verfügt über eine eigene Küche und einen Speise- und Aufenthaltsraum.
Die Bewohner haben Einzelzimmer, ausgestattet mit TV- und Telefonanschluss, sowie einer Rufanlage. Jedes Zimmer hat Zugang zu Terrasse oder Balkon. Jeweils zwei Bewohner teilen sich ein großes Badezimmer. Zwei Zimmer stehen für die so genannte Verhinderungspflege zur Verfügung. Dort können Menschen mit Behinderung für begrenzte Dauer aufgenommen werden.

Zum Wohnheim gehört eine Gartenanlage, die zum Entspannen und Feiern einlädt. Unter der Leitung von Georg Schmitt werden die Bewohner von engagiertem Fachpersonal aus den Berufsfeldern Sozialpädagogik, Heilerziehungspflege, Kranken- und Altenpflege, sowie Erziehern rund um die Uhr betreut.



Am 11. Juni Tag der offenen Tür

Unter der Leitung des Architekten Markus Hirt wurde der Altbau aus den 1950er Jahren entkernt und durch einen Neubau ergänzt. Die Gesamtkosten lagen bei vier Millionen Euro. 1,2 Millionen musste die Lebenshilfe selbst stemmen. Gefördert wurde der Bau durch das bayerische Staatsministerium für Arbeit und Soziales, den Bezirk Oberfranken, die Oberfrankenstiftung, Aktion Mensch und durch die Bayerische Landesstiftung.
Am 11. Juni lädt die Lebenshilfe zu einem Tag der offenen Tür ein.