Bamberg

Wo ist nur die Jugend hin?

Ein Generationen-Projekt startete das Theater Wildwuchs. Premiere feiert das Experiment am 2. April unter dem Titel "Fränkisches Nirvana".
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Stehen am 2. April im Rampenlicht (von links): Inge Albus, Karin Folger, Uwe Renn, Claudia Raab und Martina Welsch.  Foto: Theater Wildwuchs
Stehen am 2. April im Rampenlicht (von links): Inge Albus, Karin Folger, Uwe Renn, Claudia Raab und Martina Welsch. Foto: Theater Wildwuchs
Zum Versuchslabor sollte die Bühne werden. Ein Generationenprojekt plante das Theater Wildwuchs, suchte und fand für sein Experiment Mitstreiter im Alter zwischen 19 und 68 Jahren. Das Ergebnis feiert am 2. April unter dem Titel "Fränkisches Nirvana. Nächster Halt: Hühnerhof - Wo ist all die Jugend hin" Premiere. Welche Entwicklungen es seit Oktober hinter den Kulissen gab, wird dann aber natürlich nicht gezeigt. Dabei ging's auch hier zuweilen heiß her, wie die Initiatoren berichteten.


Eigene Vorstellungen

"Unser Projekt bekam in den vergangenen Monaten eine ganz eigene unvorhersehbare Dynamik", sagt Frederic Heisig als Dramaturg der Bamberger Bühne. "Der Experimentalcharakter hat sich bestätigt, nachdem das Ergebnis nun ein ganz anderes als ursprünglich angedacht ist." Von jeder bisherigen Produktion des Theaters Wildwuchs unterscheide sich "Fränkisches Nirvana. Nächster Halt: Hühnerhof". "Wir haben ja auch nie zuvor mit einer so wild zusammengewürfelten Truppe von Laiendarstellern gearbeitet, die ein Stück nach ihren speziellen Vorstellungen ersann." Das hatte irgendwann nichts mehr mit dem abstrakten fragmentarischen Performance-Act gemein, den sich Regisseur Falko Garbisch vorstellte. "Alles entwickelte sich vielmehr in die klassische Richtung mit stringenter Handlung", so Heisig.



Als "spannende Erfahrung" beschreibt Falko Garbisch das Generationenprojekt. Gerade auch angesichts der "Revolte" seiner Akteure, die sich mit eigenen Ideen durchsetzten. "Ich hatte zuvor schon mit jugendlichen Laiendarstellern gearbeitet, die aber weitaus weniger hinterfragten und Interesse zeigten als diese Teilnehmer."


Eine Utopie

Auf große Resonanz war das Bühnenprojekt bei jungen und älteren Semestern gestoßen. Nur waren die verschiedenen Vorstellungen schwer auf einen Nenner zu bringen. "Bis Mitte Januar gab es inhaltliche Auseinandersetzungen, danach erst stand die Gruppe und zugleich die Idee fürs Bühnenstück ,Fränkisches Nirvana. Nächster Halt: Hühnerhof'", berichtet Garbisch. Eine Utopie entwickelten die Teilnehmer, die sich selbst - restlos überzeichnet - spielen. Als Protagonisten des Stücks brechen sie aus ihrem gewohnten Leben aus und landen auf dem "Hühnerhof", der von einer Musikerin in eine Mehrgenerationen-WG umfunktioniert wird.



Mit 20 Akteuren aus Bamberg und Umgebung hatte das Experiment begonnen. Letztendlich bringen Anfang April aber nur fünf Darsteller das Gemeinschaftswerk auf die Bühne. "Viele junge Leute bröckelten im Lauf der Zeit ab", berichtet Heisig. Womit sich der Untertitel "Wo ist all die Jugend hin?" nicht allein auf die Thematik des Bühnenstücks bezieht, das sich mit dem Älterwerden befasst.



Aberwitzig und nachdenklich

Eine Collage aus Texten der Mitwirkenden erwartet das Publikum, verknüpft durch improvisierte Szenen. "Im Nirvana zwischen Schwank und Diskurstheater ist die Beschäftigung mit der ,verlorenen Jugend' aberwitzig und nachdenklich zugleich", sagt der Regisseur. Seit 24. Februar erst liegt die fertige Fassung vor, seither würde heftigst geprobt. Schließlich rückt der Aufführungstermin unerbittlich näher, bis zu dem alle Texte gelernt und Szenen einstudiert werden müssen.

Als Hahn im Korb steht auf dem "Hühnerhof" Uwe Renn im Blickpunkt, der der Premiere schon mit Spannung entgegen sieht. "Nein, auf der Bühne stand ich vorher noch nicht", berichtet der 68-Jährige. Über den FT hätte er von dem Experiment erfahren und wollte "einfach mal Neuland betreten". Das Projekt sei für ihn auch in zwischenmenschlicher Hinsicht zur interessanten Erfahrung geworden. Lampenfieber fürchtet der Laiendarsteller übrigens nicht, der sich auf die Vorstellung vor Publikum in der Alten Seilerei freut.

"Es ist bereichernd, mit Menschen unterschiedlichster Herkunft und unterschiedlichsten Alters über Themen wie eben die Jugend, das Alter und Generationskonflikte in Diskurs zu treten", bilanziert Garbisch. Wobei er als Regisseur des Projekts mitunter an Grenzen stieß. "Die Teilnehmer, durch die Bank absolute Theaterlaien, mussten ja erstmal mit der Methodik des Spiels und mit den Möglichkeiten des Bühnendarstellens bekannt gemacht werden." Allzu wenig Zeit sei für die technische und theoretische Schauspieler-Arbeit geblieben. "Vieles verlief eher nach der ,Rein-ins-kalte-Wasser-und-schwimm'-Methode." Aber auch das gehörte zum Experiment.

Bei einem Bühnenstück bleibt es übrigens nicht. So soll das Generationenprojekt weitergeführt werden, wie Heisig noch anmerkte. Mit Unterstützung von Falko Garbisch als Regisseur. Aber dazu später.


Termine und Tickets

Die Premiere des Stücks "Fränkisches Nirvana. Nächster Halt: Hühnerhof. Wo ist all die Jugend hin?" findet am 2. April ab 20 Uhr in der Alten Seilerei (ehemaliges Schaeffler-Gelände) statt. Als weiterer Aufführungstermin ist der 14. April, 20 Uhr, geplant. Tickets gibt's im Vorverkauf bei Collibri und beim BVD.

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