Von drei möglichen Standorten, die die Stadt Bamberg als Bleibe für Flüchtlinge nach Bayreuth gemeldet hat, ist für die Regierung von Oberfranken eine denkbar: die Erweiterung der bestehenden Unterkunft An der Breitenau. Dafür gibt es laut Regierungs-Sprecherin Corinna Boerner "relativ konkrete" Überlegungen. Sie sind aber noch nicht so weit gediehen, dass im städtischen Baureferat ein Bauantrag eingegangen wäre. Franz Eibl von der Rathaus-Pressestelle bestätigt nur, dass es seitens des privaten Eigentümers der Unterkunft einmal die Anfrage an die Verwaltung gab, ob ein Anbau überhaupt genehmigungsfähig wäre. Das ist der Fall.

Gegenwärtig leben dort nach Eibls Auskunft elf Familien mit 39 Personen sowie zwölf Alleinstehende. Das Anwesen gehört einem Privatmann, der es an das Land vermietet hat. Der Freistaat müsste auch den Anbau mieten. Darüber sei das letzte Wort noch nicht gesprochen, sagt Corinna Boerner. Auch Eibl betont, es handle sich um eine "noch nicht spruchreife Idee". Von Regierungsseite ist man nach den Worten Boerners nach wie vor an einer Gemeinschaftsunterkunft in Bamberg interessiert. Mit 51 Asylbewerbern ist einerseits das Bamberger Kontingent nicht erfüllt. Andererseits gibt es für 150, die im vergangenen Sommer avisiert wurden, keinen Platz.

Um die ehemalige HWkW an der Äußeren Memmelsdorfer Straße, die vor knapp einem Jahr einmal als mögliche Gemeinschaftsunterkunft im Gespräch war, ist es ruhig geworden. Weder im Rathaus noch beim Bürgerverein (BV) Gartenstadt weiß man, welche Pläne der Eigentümer mit dem ehemaligen Post-Objekt jetzt hegt. Dass es noch einmal als Unterkunft für Flüchtlinge ins Gespräch kommen könnte, glaubt Peter Neller, stellvertretender Vorsitzender des BV Gartenstadt, nicht: "Ich gehe davon aus, dass das schon durch die Brose-Ansiedlung vom Tisch ist."

Besorgt um Asylanten im Umland


Eine Erweiterung der Unterkunft An der Breitenau war laut Neller in der Vergangenheit wiederholt im Gespräch. Er hält sie für eine Option, sofern ausreichend große Räumlichkeiten geschaffen werden, die ein erträgliches Zusammenleben ermöglichen. Er warnt zugleich: "150 wären aber auch dort zu viel." Laut Stadt-Pressesprecher Eibl ging es bei der Voranfrage um 30 oder 40 Plätze.

Mitra Sharifi von der Bamberger Bürgerinitiative "Freund statt fremd" hätte nichts gegen eine Erweiterung der Unterkunft An der Breitenau. Was ihr Sorgen bereitet, ist, dass so ein Anbau Zeit kostet - Zeit, in der die seit Ende 2011 in Roßdach (Lkrs. Bamberg) untergebrachten Flüchtlinge verzweifeln könnten. Die Situation dort soll sehr angespannt sein. Sharifi würde nicht ausschließen, dass die in einem ehemaligen Gasthof Untergebrachten ähnlich drastische Schritte erwägen, wie sie Asylbewerber in Würzburg unternommen haben, um auf sich und ihre Nöte aufmerksam zu machen. Sie hofft inständig, dass das Schicksal der Menschen in Roßdach nicht besiegelt ist, wenn in Bamberg erst Wohnraum für Asylbewerber gebaut wird. Deren Perspektive, noch ein Jahr oder länger bleiben zu müssen, nennt sie "eigentlich unvorstellbar".

Ein Minimum an Mobilität geben den Menschen in Roßdach seit kurzem ein paar gebrauchte Fahrräder, die der Bürgerverein Mitte mit einem gezielten Spendenaufruf in seinem Vereinsheft gesammelt hat. Carolin Schneider von der Caritas-Flüchtlingsberatung bewertet die Menge von Spenden, die - über die Räder hinaus - zusammen gekommen ist, sehr positiv. Sie hat die Sachen weiter gegeben und den Eindruck, dass es seit Ende 2011 in Bamberg wieder mehr Aufmerksamkeit und Hilfsbereitschaft für Zufluchtsuchende gibt: "Lange Jahre herrschte Stille um die Flüchtlinge." Nun waren es zwar die Proteste gegen eine Gemeinschaftsunterkunft, die das Thema wieder ins öffentliche Bewusstsein brachten. Letztlich sei daraus, so Schneider, auch Gutes entstanden. Sie lobt die enge Zusammenarbeit zwischen Professionellen und Ehrenamtlichen im Interesse der Flüchtlinge. Die spontanen Hilfsaktionen vor Weihnachten seien glücklicherweise kein Strohfeuer gewesen sondern es gebe heute ein Netzwerk, an dessen Existenz eine Gruppe Studenten großen Anteil habe.