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Wird das Dientzenhofer-Gymnasium im Landkreis Bamberg neu gebaut?

Der Zweckverband der Bamberger Gymnasien lässt prüfen, ob eine Verlagerung des DG in den Landkreis möglich ist. Die Schule selbst hält davon wenig.
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Seit über 50 Jahren in Bamberg-Ost: Das Dientzenhofer-Gymnasium ist zum Gegenstand einer Verlagerungsdebatte geworden.  Fotos: Ronald Rinklef
Seit über 50 Jahren in Bamberg-Ost: Das Dientzenhofer-Gymnasium ist zum Gegenstand einer Verlagerungsdebatte geworden. Fotos: Ronald Rinklef
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Bamberg "Ergebnisoffen" war wohl das meist gehörte Wort an diesem Nachmittag im gut besuchten Großen Sitzungssaal im Rathaus Maxplatz. Möglicherweise war es auch das meist bezweifelte. Der Zweckverband der Bamberger Gymnasien hat den Prozess für die Neugestaltung der Gymnasiallandschaft gestartet. Ergebnisoffen und ohne Denkverbote soll dabei auch geprüft werden, ob es Sinn macht, das seit über 50 Jahren in der Feldkirchenstraße beheimatete Bamberger Dientzenhofer- Gymnasium (DG) in einen Landkreis-Ort zu verlagern. Im Gespräch ist vor allem der östliche und nördliche Landkreis.


Kalb: Beide Alternativen prüfen

Einer, der das für möglich hält, ist der Bamberger Landrat Johann Kalb (CSU). "Ich höre schon von meinen Leuten, warum habt ihr als einziger Landkreis kein eigenes Gymnasium", sagte Kalb in der Sitzung des Zweckverbands, in dem wegen des Schülerzahlenverhältnisses mehr Kreisräte als Stadträte sitzen. Für ihn wäre es "fahrlässig", angesichts "der extremen Umbrüche in der Bildungslandschaft" und der großen Summen, um die es geht, nicht beide Alternativen ernsthaft zu prüfen - die Sanierung des Gymnasiums im Bestand und eine Verlagerung in den Landkreis.


Viele Schüler aus Memmelsdorf

Ein Grund für Kalbs Sympathien gegenüber einem Neubau sind nicht allein die Chancen, die sich der Schullandschaft durch neue Strukturen aus seiner Sicht bieten würden, sondern auch die Herkunft der DG-Schüler: Sie kommen heute schon zu 70 Prozent aus dem Landkreis. Vor allem aus Memmelsdorf (19,3 Prozent), Scheßlitz (8,1 Prozent) und Gundelsheim (6,8 Prozent), aber auch aus Hirschaid (10,3 Prozent) und Strullendorf (8,7 Prozent).

Dass der Zweckverband als Sachaufwandsträger vor gewaltigen Aufgaben steht, ist unbestritten. Fachleute haben in den vergangenen Jahren das DG, das Kaiser-Heinrich-Gymnasium (KHG) und das Eichendorff-Gymnasium unter die Lupe genommen. Ergebnis: Es wird einen hohen Millionenbetrag kosten, um die Schulen in einen zeitgemäßen Zustand zu versetzen. Mindestens für das DG und das KHG ist der Modernisierungsbedarf so hoch, dass Neubauprojekte im Raum stehen.

Klar ist deshalb auch, dass die einstimmige Entscheidung der Zweckverbandsräte einen Prozess in Gang setzt, der nicht bereits morgen für Veränderungen sorgt: "Mindestens die nächsten Fünftklässer können aller Wahrscheinlichkeit noch an der bestehenden Schule ihr Abitur machen", versucht Bambergs Schulbürgermeister Christian Lange (CSU), die Wogen zu glätten, die die Verlagerungsüberlegungen ausgelöst haben. Einen Grund für Verunsicherung gebe es nicht, sagt Lange.

Freilich: Während für das KHG allenfalls ein Neubau innerhalb Bambergs in Frage kommt, zieht der mögliche Umzug des DG außerhalb der Stadtgrenzen weite Kreise. Das Kultusministerium verlangt für eine solche als "Neugründung eines Gymnasiums" zu sehende Verlagerung ein Gutachten, aus dem unter anderem zweifelsfrei hervorgeht, dass das Schülerpotenzial dauerhaft einen mindestens dreizügigen Betrieb erlaubt und dass es bestehenden Gymnasien außerhalb der Region nichts wegnimmt. Um dies glaubwürdig darstellen zu können, müsse ein konkreter Standort "gemeindescharf" festgelegt werden.


Die Schule zieht nicht mit

Welche Gemeinde oder welche Gemeinden im Bamberger Land zum Gymnasialstandort aufsteigen könnten, ist derzeit noch offen. Dies soll in einem weiteren Schritt festgelegt werden, deutete Kalb an. "Der Ball liegt jetzt im großen Garten des Landkreises", sagte dazu Bambergs OB Andreas Starke (SPD).

Freilich: Die Überlegungen der Politiker sind nur die eine Seite der Medaille. In der betroffenen Schule stoßen sie auf Skepsis und Ablehnung. DG-Chefin Brigitte Cleary stellte in der Sitzung unmissverständlich fest, dass rund 100 Kollegen, die gesamte Elternschaft und die Schüler ausnahmslos den bestehenden Standort favorisieren. Die mit viel Platz gesegnete Bildungsstätte sei nicht zuletzt durch den Bahnhof sehr gut erreichbar, Bamberg liege ziemlich genau in der Mitte des Landkreises. Als Seminarschule und wegen ihres naturwissenschaftlichen und sportlichen Profils sei das DG zusätzlich auf Zentralität angewiesen. Sie sagte: "Aus unserer Sicht ist der derzeitige Standort der richtige - auch für die Landkreis-Schüler."
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