Einst sangen sie im Windsbacher Knabenchor, heute sind sie eine bekannte A-Capella-Formation: Viva Voce. Seit rund 13 Jahren touren sie inzwischen durch Deutschland und begeistern ganz ohne Instrumente und nur mit ihrer Stimme ihr Publikum mit Pop-Liedern. Am Samstag, 2. Juni, gastiert das Quintett wieder einmal in Bamberg und zwar auf dem Domplatz.
Zu dem Open-Air kommen sie jedoch nicht alleine, sondern sie haben die beiden fränkischen Comedians Heißmann und Rassau im Gepäck. Was sie gemeinsam alles darbieten werden und warum gerade eine Gitarre so schwer nachzumachen ist, verraten sie vorab der Lokalredaktion im Interview.

FT: Vom Windsbacher Knabenchor zur professionellen Gesangsformation. Skizzieren Sie doch bitte anhand von ausgewählten Meilensteinen die Geschichte der Band.

Heiko Benjes: Der genaue Anfang von Viva Voce lässt sich nicht mehr rekonstruieren. Ich glaube, dass es ein 80. Geburtstag war, zu welchem der Windsbacher Chor gebucht wurde. Da aber der gesamte Chor nicht im Wohnzimmer Platz gefunden hätte, wurde ein Quartett zusammengestellt. Daraus muss dann Viva Voce entstanden sein.
Zu Beginn noch ohne Namen. Sie hießen damals einfach die vier Sänger aus dem Windsbacher Knabenchor. Und als sie nicht mehr diesem angehörten, nannten sie sich die ehemaligen Sänger aus dem Knabenchor. Im Laufe der Zeit wurde ein Name gefunden und aus dem Quartett, wurde ein Quintett. Und schließlich wurden daraus Berufsmusiker. Musikalisch hat sich Viva Voce im Laufe der Jahre weg von der Klassik hin zum Pop orientiert.

Lassen Sie uns noch einmal nachfassen. Wie kam es zum Namen und was steckt dahinter? Wann beschlossen Sie, hauptberuflich als Sänger zu arbeiten und was war der Auslöser hierfür?

Zur Namensfindung hat einer der Jungs von damals das Musiklexikon aufgeschlagen und durchgeblättert. Dabei stieß er auf den Begriff Viva Voce. In der Musiksprache bedeutet er, dass man bei Opern die Stimme etwas anheben soll. Ihm gefiel allerdings der Begriff derart gut, vor allem auch, weil er sehr klangvoll war.
Zur Professionalität: Wir hatten damals alle studiert und mussten unsere Auftritte und unser Studium unter einem Hut bringen. Irgendwann jedoch bekamen wir so viele Anfragen, dass wir beschlossen, ein oder zwei Semester Auszeit zu nehmen. Das war auch gleichzeitig der Start in unsere Professionalität. Das Ganze ist jetzt acht Jahre her und wir haben es nie bereut.

Sie nennen ihre Art von Musik "Vox-Pop". Was bedeutet das?


Vox Pop ist Pop-Musik mit dem Mund gemacht. Der Begriff ist aber auch angelehnt an eine britische A-Capella-Band, die ein gleichnamiges Album herausbrachte. Wir hingegen haben es als Stilbezeichnung gut gefunden.

Hand aufs Herz. Ist bei Ihnen wirklich alles Mund-gemacht, oder gibt es nicht doch einen heimlichen, versteckten Musiker hinter der Bühne?


(lacht) Nein, nein. Die A-Capella-Szene ist manchmal etwas zu dogmatisch. An diesem Dogma rütteln wir nicht. Aber wir machen wirklich alles mit dem Mund. Da kommt nichts vom Band, da wird nichts eingespielt und da wird nichts getrickst. Wir sind aber technisch unterstützt. Wir haben Mikrofone und einen Mann am Mischpult, der den Sound mit Effektgeräten produziert. Das war's dann aber auch schon.

Worin liegt die Schwierigkeit, aber auch der Reiz, ohne Instrumente Lieder zu spielen?


Es ist schon sehr reizvoll, ohne musikalische Instrumente und nur mit der Stimme möglichst nahe an eine Band heran zu kommen. Dies ist manchmal sehr sportlich und stellt einen vor Herausforderungen. Auch ist meiner Meinung nach die Stimme das schönste Instrument.

Welches Instrument ist am Schwierigsten wiederzugeben?

Das ist alles eine Frage, wie sportlich man es nimmt. Es gibt prinzipiell nichts, was man nicht imitieren kann. Schwierig aber wird es bei Instrumenten, die wie die Gitarre mehrstimmig klingen. Eine Gitarre hat sechs Saiten, die gleichzeitig erklingen. Eine Stimme hingegen kann immer nur einen Ton machen. Wenn wir also einen Gitarrensound brauchen, müssen alle Fünf gleichzeitig den Akkord singen. Und da kann dann zur gleichen Zeit nichts anderes erklingen. Allerdings kann man auch einen Sound erklingen lassen, der klingt wie eine Gitarre, ohne dass man sechs einzelne Töne dafür braucht.

Haben Sie eigentlich schon einmal versucht, ein Konzert mit "echten" mit Instrumenten zu gestalten?

Jeder von uns spielt ein Instrument. Schon alleine um sich zu schulen. Und natürlich haben wir auch schon mit Instrumenten auf der Bühne gespielt. Aber eigentlich brauchen wir sie gar nicht. Wir haben aber die Möglichkeit, auf einen Schlagzeuger zuzugreifen, wenn mal einer von uns erkrankt ist. Bisher kam er aber noch nicht bei uns zum Einsatz.

Einen Vorteil hat das Ganze: Sie müssen nicht stundenlang auf- und abbauen und keine schweren Instrumente schleppen? Dafür aber müssen Sie sicherlich tonnenweise Tee, Bonbons und Halswickel mitschleppen, oder?
Ganz ohne Gepäck sind wir nicht unterwegs. Alleine was wir als Bühnenoutfits mit uns rumschleppen, füllt schon einen ganzen Kofferraum. Und auch die Mikrofontechnik nimmt viel Platz weg. Und natürlich erfüllen wir auch das Klischee: der Sänger hat ein ganzes Arsenal an Lutschpastillen bei sich. Den Tee jedoch müssen wir nicht mit schleppen, der wird uns üblicherweise vom Veranstalter gestellt.

Gibt es einen Künstler oder ein musikalisches Genre, welches Sie meiden und wenn ja warum?

Wir haben überhaupt keine Berührungsängste. Das ist das Schöne an A-Capella-Musik, dass man einfach alles imitieren kann. Eine Rockband könnte nie einen Schuhplattler nachahmen, weil sie einfach nicht die Blasinstrumente dafür zur Verfügung hätten. Wir hingegen können das, wenn wir spontan sein wollen. Überhaupt haben wir keine Vorurteile im Hinblick auf Musikstile. Natürlich würden wir niemals Songs von rassistischen Bands nachsingen.

Wie schwer hat man es heutzutage als Boyband? Lockt man damit scharenweise weibliche Zuschauer in die Konzertsäle?

Wie schwer es man als Boyband hat, kann ich nicht sagen, da wir es seit vier Jahren keine mehr sind. Die Zeiten sind längst vorbei, in denen wir uns als Boyband verkauft haben. Ich glaube aber auch, dass dieses Klischee etwas überzogen ist. Es ist nicht so, dass man als Boyband von Teddybären und Liebesanfragen überhäuft wird. Wir selbst sind definitiv erwachsener geworden und haben zum Teil schon Familie. Natürlich kommt es schon mal vor, dass ein weiblicher Fan einen persönlichen Brief schreibt. Aber dabei bleibt es auch meistens...

Apropos Zuschauer? Wer hört denn Ihre Musik? Oder anders gefragt, welche Fans sitzen bei Ihnen in der ersten Reihe?

Hören tut uns grundsätzlich jeder. Wir haben ein unglaublich breitgefächertes Publikum von sechs bis 96 Jahren. Zu uns kommen auch ganze Familien. In der ersten Reihe sind öfter mal dieselben. Wir haben schon ein paar Fans, die uns nachreisen. Aber auch das hält sich in Grenzen.

Was erwartet die Fans in Bamberg bei Ihrem Gastspiel am Domplatz? Wird es auch ein Ständchen mit Waltrau und Marie geben?


Die Besucher dürfen sich auf ein fulminantes Feuerwerk an Spaß und schöner Musik freuen. Wir machen eine fetzige Open-Air-Show. Und selbstverständlich wird es einige Nummern geben, wo wir mit Heißmann und Rassau gemeinsam auf der Bühne stehen. Wir werden aber dabei mehr machen, als nur mit den beiden zusammen zu singen. Ich würde jetzt zu viel verraten, wenn ich sage, dass wir uns selbst nicht zu schade sind, uns zu kostümieren und zum Quatsch machen.

Die Fragen stellte unser Mitabeiter Harald Rieger