Bamberg
Evangelische Kirche

Wieder Jugendhaus in Bamberg vor dem Aus

Nach der Wolfsschlucht droht nun auch das Aus für das evangelische Jugendhaus in der Egelseestraße. Der CVJM setzt sich dagegen zur Wehr, doch die knappen Finanzmittel der evangelischen Kirche machen wenig Hoffnung.
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Nach Meinung vieler junger Leute ist es ein "Garten Eden" und in Bamberg kaum zu ersetzen: Außenfläche und Haus des Egelseeheims. Wie lange noch? Foto: Ronald Rinklef
Nach Meinung vieler junger Leute ist es ein "Garten Eden" und in Bamberg kaum zu ersetzen: Außenfläche und Haus des Egelseeheims. Wie lange noch? Foto: Ronald Rinklef
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Es klingt wie eine Kampfansage: "Es kann nicht sein, dass dieses Haus für die kirchliche Jugendarbeit verloren geht. Dagegen müssen wir tun, was in unserer Macht steht." Gernot Tautz, Schatzmeister des Christlichen Vereins Junger Menschen (CVJM), 42, spricht für Generationen von Bambergern, die mit dem Haus in der Egelseestraße 51 lebhafte Jugenderinnerungen verbinden.

Wer das barocke Anwesen in der Wunderburg betritt, wundert sich nicht über diese Gefühle, die eine Immobilie in einer wenig bekannten Straße weckt. Mit dem schönen Haus, seinem Sportplatz, der Grünfläche und den beiden gewaltigen Eichen ist die Liegenschaft tatsächlich so etwas wie eine Oase für junge Menschen im dicht bebauten Umfeld. Und ein lebendiger Erinnerungsort, dessen Charme ein wenig an die frühere Jugendherberge Wolfsschlucht erinnert. Sie hat vor zwei Jahren ihre Pforten geschlossen.

Anders als dort sind es hier freilich Bamberger Jugendliche, die seit Jahrzehnten von einem Anwesen profitieren, das vom CVJM, von der Evangelischen Jugend und dem Verein Christlicher Pfadfinder gemeinschaftlich genutzt wird. Für Gruppenstunden, für Veranstaltungen aller Art, Spiel, Sport und Spaß. Viele junge Menschen gehen hier ein und aus.

Genau diese lebendige Mischung ist jetzt bedroht. Grund sind die "betriebswirtschaftlichen Kriterien" der Landeskirche, die im Fall Egelseestraße einen jährlichen Gebäude-Unterhalt von 40 000 Euro verlangen, eine Summe, die bei weitem nicht erwirtschaftet wird. "Es steht zu befürchten, dass sich die Kirche von der Immobilie trennt, um Kosten zu sparen", sagt Tautz. Aus seiner Sicht wäre das ein kaum zu verkraftender Schlag für die Jugendarbeit in Bamberg.

In der Tat gibt es Überlegungen, die jährlich nötigen Subventionen für das 4200 Quadratmeter große Anwesen einzusparen. Der neue evangelische Dekan Hans-Martin Lechner bestätigt, dass die Gesamtkirchenverwaltung Bamberg am 26. März eine Entscheidung über die Zukunft der Immobilie treffen will. Ein Verkauf ist laut Lechner nur eine von vielen Optionen, eine neue Nutzung wäre eine andere. Dass alles beim alten bleibt, kann sich der Dekan kaum vorstellen. "Das wäre ein unverantwortlicher Umgang mit den Kirchensteuermitteln."


6400 Immobilien in Kirchenhand

Man muss wissen: Die evangelische Kirche verfügt in Bayern über 6400 Immobilien, aus denen ein gewaltiger Unterhaltsbedarf erwächst. Allein in den drei Dekanaten Bamberg, Forchheim und Rügheim sind es 285 Gebäude, die von der Kirche gepflegt werden müssen, darunter zahlreiche Kirchen.

Die "finanziellen Zwänge", unter denen die Evangelische Kirche leidet - sie sind auch für Dekanatsjugendreferentin Sabine Strelov nichts Neues. Die Frau, die ihren Arbeitsplatz in der Egelseestraße hat, war in die Diskussionen für die Egelseestraße von Anfang an eingebunden, doch eine Lösung des Problems hat auch sie nicht zu bieten. "Wir hängen an dem Haus. Es ist ein toller Ort. Und wir hoffen, wenn wir raus müssen, eine gute Alternative zu finden."

Merkwürdig: Eine Woche, bevor die Kirchenverwaltung eine Entscheidung über das Egelseeheim treffen will, weiß in der Stadtverwaltung niemand etwas über das drohende Aus einer etablierten Jugendeinrichtung in Bamberg. Bürgermeister Christian Lange (CSU) bietet den Verantwortlichen Gespräche an, um auszuloten, ob die Stadt vielleicht Unterstützung für das Haus leisten könnte. Eine Schließung würde er bedauern.

Auch Ulrich Zenkel (24) gibt die Hoffnung nicht auf, dass der Verkauf des Hauses noch abgewendet werden kann. Der stellvertretende CVJM-Vorsitzende verbindet wie viele seiner Altersgenossen in Bamberg sehr schöne Erinnerungen an die Egelseestraße. "Für Kinder und Jugendliche ist es ein Garten Eden. Und es wäre ein Armutszeugnis, würde die Kirche es schließen."

Standpunkt (von Michael Wehner):


Kein Geld für das Leben

Was für ein Signal! In einem Land, das so reich ist wie nie zuvor; in einer Zeit, in der EZB-Präsident Mario Draghi monatlich 60 Milliarden Euro gewissermaßen palettenweise unter die Institutionen wirft - reicht das Geld nicht mehr, um eine Jugendeinrichtung zu finanzieren, die Jahrzehnte lang Segen stiftete und Generationen von Bambergern mit gemeinsamen, schönen Erinnerungen verband. Natürlich muss auch die Kirche sparen, die bekanntlich unter Austritten leidet; natürlich hat keine Institution Garantie auf ewiges Leben. Aber es ist die Frage erlaubt, was daraus folgt, wenn sich nun auch ehrenamtliche Jugendarbeit nach dem Peitschentakt maximalen Nutzens ausrichten muss. Die Antwort kann man sich an einer Hand abzählen: Es wird eine kalte Welt, die keine Spielräume zum Reifen mehr lässt und am Ende doch mehr kosten wird.

Aber vielleicht sind diese Sorgen ja unbegründet. Vielleicht finden die Verantwortlichen der Kirche doch noch einen Weg zum Kompromiss. Es wäre ein gutes Signal.

Online-Petition zum Erhalt des Egelseeheims für die Bamberger Jugendarbeit!


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