Bamberg
Auftritt

Wie der Pianist András Schiff erstmals als Dirigent in Bamberg gastierte

Werke von Bach, Beethoven und Schumann standen in der Konzerthalle an der Regnitz auf dem Programm.
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Reichlich Applaus gab es für die Bamberger Symphoniker und den dirigierenden Pianisten András Schiff beim Auftritt in der Bamberger Konzerthalle.Foto: Jochen Berger
Reichlich Applaus gab es für die Bamberger Symphoniker und den dirigierenden Pianisten András Schiff beim Auftritt in der Bamberger Konzerthalle.Foto: Jochen Berger
András Schiff und die Bamberger Symphoniker - das ist die Geschichte einer interessanten musikalischen Beziehung mit intensiven Phasen, aber auch mit längeren Pausen.


Als junger Künstler musizierte Schiff 1981 erstmals mit den Bamberger Symphonikern - damals unter dem Dirigat von Eugen Jochum. Nach vielen weiteren gemeinsamen Konzerten in den 80er Jahren war Schiff letztmals 2012 zu Gast. Nun frischte Schiff die musikalische Verbindung auf und fügte ihr gar noch einen gänzlich neuen Aspekt hinzu. Denn neben dem Solisten und dem dirigierenden Solisten erlebte das Publikum bei drei Auftritten in der Bamberger Konzerthalle im zweiten Teil des Programms erstmals auch den Dirigenten András Schiff - ohne Partitur und Taktstock.


Exquisiter Klavierton

Als Pianist ist András Schiff ein Künstler für musikalische Gourmets. Mit unerschütterlicher Ausdauer pflegt er seit Jahrzehnten ein klar umrissenes Kernrepertoire zwischen Mozart, Beethoven und Schubert sowie Bach und Bartók. András Schiffs Bach-Bild lässt sich bis heute nicht irritieren von den Impulsen der historischen Aufführungspraxis.


Am großen Bösendorfer-Flügel in der Bamberger Konzerthalle erlebte das Publikum am Beispiel des f-Moll-Konzerts ein Bach-Spiel, wie es schon vor vier oder fünf Jahrzehnten durchaus denkbar gewesen wäre. Mit seinem exquisiten Klavierton gelang Schiff der Largo-Mittelsatz mit fast zerbrechlicher lyrischer Schönheit.


Bei den raschen Ecksätzen, die doch recht pauschal gerieten, beschränkte sich Schiff bewusst auf wenige Akzente, ließ der Musik ihren gleichmäßig perlenden Fluss.


Ludwig van Beethovens 1. Klavierkonzert in C-Dur beließ Schiff mit den jederzeit aufmerksam und klanglich abgerundet musizierenden Symphonikern noch ganz unmissverständlich in Mozart-Nähe. Immer wieder gönnte sich Schiff dabei als Pianist Momente, in denen er sich selbst große dynamische und agogische Freiheiten genehmigte. Dafür gab es schon zur Pause reichlich Beifall und eine Zugabe.


Nach der Pause erlebte das ausdauernd beifallsfreudig gestimmte Publikum am Beispiel der 3. Symphonie eine Schumann-Interpretation mit üppig aufgetragenen Klangfarben.


Schmetternde Hörner

Am Dirigentenpult konnte sich Schiff hier mit frei fabulierender Gestik jederzeit darauf verlassen, dass das Orchester Schumanns "Rheinische" selbstverständlich bestens kennt. Schmetternde Hörner und Trompeten und die gerne mit breitem Bogenstrich singenden Streicher bescherten dem fünfsätzig angelegten Werk einen ungetrübten Erfolg bei den Zuhörern.
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