Bamberg
Vandalismus

Wer randaliert in öffentlichen Toiletten in Bamberg?

Beschmiert, verkratzt, zerstört: Derzeit werden öffentlich zugängliche Toiletten in Bamberg massiv beschädigt. Der Schaden geht in die Tausende. Eine Spurensuche bei Polizei, Staatsanwaltschaft, Geschädigten und einem Psychotherapeuten.
Artikel drucken Artikel einbetten
Im Toilettenhäuschen an der Promenade haben Unbekannte die Sanitäranlagen gleich komplett zerstört. Foto: Stadt Bamberg
Im Toilettenhäuschen an der Promenade haben Unbekannte die Sanitäranlagen gleich komplett zerstört. Foto: Stadt Bamberg
+3 Bilder
Es ist eine lange Liste, die im Verlauf der Recherchen noch erweitert werden muss: Immer mehr Tatorte landen unter dem Stichpunkt "verwüstete Toiletten." Seit ungefähr zwei Wochen randalieren noch unbekannte Täter auf Bambergs öffentlichen WCs.

Das Klo-Häuschen am Zentralen Omnibus Bahnhof (ZOB), die Toiletten im Rathaus am Maxplatz, aber auch im Ertl-Zentrum in Hallstadt sowie im Klinikum am Bruderwald - sie alle hat es erwischt, teilweise mehrmals hintereinander. So ist die öffentliche Toilette im Rathaus gar an vier Tagen hintereinander verwüstet worden.

Neu dazugekommen sind am Montag noch das öffentliche WC im Rathaus Geyerswörth sowie die Behindertentoilette im Eingangsbereich des Klinikums am Michelsberg. Zählt man den bisher geschätzten Sachschaden an allen sanitären Anlagen zusammen, kommt man auf insgesamt etwa 20.000 Euro.

Finanziell am schlimmsten erwischt hat es mit 10.000 Euro die Sozialstiftung Bamberg: In den Besuchertoiletten vom siebten bis zum elften Stock "wurde alles zerkratzt, was man auf einer Toilette zerkratzen kann: von der Wand über den Spiegel und die Armatur bis zum Handtuchspender und die Toilettenspülung. Die Toilette im zehnten Stock wurde zusätzlich in Kakao ertränkt", wie es Sprecherin Brigitte Dippold beschreibt.

Über Kakao hätte man sich im Rathaus am Maxplatz wohl noch gefreut: Dort wurden Böden und Wände mit Kot und Butter verschmiert, Toiletten verstopft sowie Papierspender zertrümmert und abgerissen.

Mit "brachialer Gewalt" zerstört

Im Toilettenhäuschen an der Promenade waren die Sanitäranlagen zuvor komplett zerstört wurden, "mit brachialer Gewalt", veranschaulicht Stadt-Sprecherin Ulrike Siebenhaar. Die Anlage, die an der Außenwand zusätzlich mit einem auffälligen Graffiti besprüht worden war, soll am 1. April wieder geöffnet werden. Dann wird eine Aufsichtskraft 50 Cent pro Besucher kassieren. "Wir bitten dafür um Verständnis", sagt Siebenhaar.

Für das Rathaus am Maxplatz hofft sie auf eine Art "gegenseitige Sozialkontrolle". Allerdings überlege man auch, zu einer Schlüssel-Lösung überzugehen: Wer auf die Toilette muss, muss sich erst den Schlüssel geben lassen. Dieses Verfahren gilt bereits ganz frisch für das Rathaus Geyerswörth, wo jemand die WCs mit Schokoladenpudding und Filzstift heimgesucht hatte.

Beim Thema Filzstift, besonders wasserfestem Permanent-Marker, ist auch Gaby Schrödel, Gesellschafterin des Ertl-Zentrums in Hallstadt, leidgeplagt. "Wir haben mittlerweile eine Belohnung von 1000 Euro ausgesetzt", sagt sie. Rund 3000 Euro Schaden hat der Vandale dadurch angerichtet, dass er drei WC-Kabinen mit "Edding" verschmiert hat. Außerdem hinterließ er oder sie Urin und Kot. Besonders ärgerlich: Im Ertl-Zentrum waren die Toilettenanlagen gerade erst für 60.000 Euro komplett renoviert worden.

Doch warum tut jemand so etwas? Ralf Bergner-Köther ist psychologischer Psychotherapeut in der Institutsambulanz des Klinikums am Michelsberg. Er weist darauf hin: Grundsätzlich kann es viele Motive geben. So könne zum Beispiel Drogeneinfluss eine Rolle spielen. Oder aber, "jemand kommt mit seinen Gefühlen nicht klar und sucht ein Ventil. Das Zerstören einer Toilette kann ein Machtgefühl vermitteln", so der Fachmann.

Psychische Störung?

Ein anderer Grund könne sein, dass jemand eine große Unzufriedenheit ausdrücken wolle, etwa gegenüber der Regierung oder dem System. Oder aber der Täter hat "eine psychische Störung, die zu Verfolgungsideen führt", so Bergner-Köther, wobei diese Option weiter her geholt sei. Die tiefen Kratzer könnte seiner Meinung nach jemand eingeritzt haben, "der wirklich sehr sauer ist", die Schmierereien könnten eher mit Langeweile zusammenhängen.

Apropos Zusammenhänge: Solche kann Silke Gahn, Sprecherin der Bamberger Polizei, zwischen den zahlreichen Fällen weder bestätigen noch ausschließen. Bisher hätten die Zeugenaufrufe noch nichts gebracht, die Polizei hofft aber weiterhin auf Hinweise (Telefon: 0951/9129-210).

Werden der oder die Täter(-innen) gefasst, stehen bei einer Verurteilung wegen Sachbeschädigung bis zu zwei Jahre Freiheitsstrafe im Raum, wie Christopher Rosenbusch, Sprecher der Bamberger Staatsanwaltschaft, sagt. Wird wegen "gemeinschädlicher" Sachbeschädigung verurteilt, kann das Strafmaß auf bis zu drei Jahre steigen.
Doch soweit ist es noch lange nicht. Derzeit liegen die Anzeigen der Geschädigten bei der Polizei - oder sind druckfrisch noch auf dem Weg dorthin.

Kommentare (1)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren