Bamberg

Sandkerwa 2016: Weniger Besucher und weniger Umsatz

Polizei, BRK und Veranstalter ziehen nach fünf Tagen Sandkirchweih eine überwiegend positive Bilanz. Nur die Standbetreiber sind weniger glücklich.
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Unser Leser Lukas Wehner schoss das stimmungsvolle Foto vom Abschlussfeuerwerk an der Sandkerwa, aufgenommen am Regnitzufer auf Höhe Schloss Geyerswörth.
Unser Leser Lukas Wehner schoss das stimmungsvolle Foto vom Abschlussfeuerwerk an der Sandkerwa, aufgenommen am Regnitzufer auf Höhe Schloss Geyerswörth.
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Sandkerwa 2017 in Bamberg ist endgültig abgesagt

Sandkerwa 2017: Volksfest in Bamberg abgesagt - Terrorgefahr Grund - Kommt Rettung?

Mit dem rund zehnminütigen Musikfeuerwerk auf dem Wasser endete am Montagabend nach fünf Tagen die 66. Sandkerwa. Was bleibt, ist Bilanz zu ziehen. Die allerwichtigste und erfreulichste Tatsache vorneweg: Die Sandkerwa verlief bis auf wenige Einzelfälle durchaus friedlich. Allerdings bleibt festzuhalten, dass es die mit Abstand am wenigsten besuchte Sandkerwa der letzten Jahre war.

Deutlich wurde dies an zwei Dingen: zum einen die Schlange am Popcorn-Stand, die heuer bedeutend kürzer war als sonst. Zum Teil musste man nur wenige Minuten warten, um an die süße Nascherei zu kommen. Und ein anderer Besucherindikator ist der Coburger Bratwurststand. Bei Hochbetrieb und großen Menschenmengen kommt der Bräter kaum noch nach, heuer hingegen baute er kleine "Wurst-Türmchen", die auf Abnehmer warteten.

Aber auch die Schausteller und Standbetreiber waren größtenteils nicht zufrieden und beklagten die höheren Standgelder bei gleichzeitig geringeren Umsätzen. Fahrgeschäfte oder Stände, die besonders von Familien und Jugendlichen frequentiert werden, klagten über Umsatzeinbußen von bis zu 50 Prozent. Fast alle anderen Standbetreiber bezifferten ihren Umsatzrückgang mit um die 30 Prozent.


Freibad statt Festgebiet?

Was der Grund für das Wegbleiben vieler Besucher war, darüber herrschte unter den Standbetreibern Uneinigkeit. Die meisten gaben den hochsommerlichen Temperaturen jenseits der 30 Grad Marke die Schuld. Viele hätten das Freibad dem Festgebiet vorgezogen. Einige alte Hasen der Kerwa erinnerten sich jedoch an heiße Sommertage in früheren Zeiten zurück und bekräftigten, dass dennoch die Besucher gekommen wären. Einige Standbetreiber argumentierten, dass viele Besucher aus Angst vor Anschlägen fern blieben.

Viele der Besucher hingegen klagten über erhöhte Preise - zumal erstmals dieses Jahr von den Veranstaltern ein Mindestbierpreis gefordert und durchgesetzt wurde. Andere Kerwagänger monierten ein mangelndes Unterhaltungsangebot. So gab es nur noch an der Brudermühle und im Festzelt Live-Musik, wenn man mal von den Blasmusikgruppen an der Elisabethenkirche absieht.

"Das waren noch Zeiten, als wir am Katzenberg auf den Tischen standen und Party feierten", erinnerte sich einer der Besucher. Und jetzt gebe es nicht einmal mehr eine "Italienische Nacht".

Die Veranstalter bilanzierten ebenfalls weniger Besucher: "Mit deutlich weniger Besuchern, verglichen mit den Vorjahren, feierten die Gäste sehr entspannt. Die Wege waren frei, an den Ständen gab es keine langen Warteschlangen", teilten die beiden Geschäftsführer der Sandkerwa Veranstaltungs GmbH, Ulrike Heucken und Jürgen Wirth, in einer Pressemitteilung mit. Gleichzeitig lobten sie die Sandkerwa als ein friedliches Fest.

Zufrieden waren die Veranstalter zudem mit den neu eingeführten Taschenkontrollen an den Eingängen durch die Polizei mit Unterstützung durch den Sicherheitsdienst. Auch die auf den Informationstafeln und im Programm neu festgelegten Besucherregeln wurden großteils eingehalten und akzeptiert.

"Rückläufig war jedoch der Festabzeichenverkauf. Vielleicht aufgrund weniger Besucher. Manchen Besuchern waren anscheinend drei Euro zuviel Beitrag zur Sandkerwa", schilderten die Geschäftsführer.

Eine positive Bilanz zog die Polizeiinspektion Bamberg-Stadt: "Die Bamberger Sandkerwa verlief ruhig, obwohl die eingesetzten Polizeibeamten in diesem Jahr mehr Einsätze zu bewältigen hatten. Schwerwiegende Delikte sind zum Glück ausgeblieben", schreibt die Polizei in einer Pressemitteilung. Sie musste 96 Einsätze (2015: 60 Einsätze) abarbeiten.

Die meisten Einsätze fielen dabei in der Samstagnachtschicht (31 Einsätze) an, gefolgt von der Donnerstagnacht (23) und der Freitagnacht (20). Besonders ruhig war der Montag für die Polizei mit zehn Einsätzen. Gegen insgesamt 198 Personen (2015: 182) musste die Polizei Maßnahmen wie Alkoholtests oder Platzverweise ergreifen. Darunter fallen auch sechs Gewahrsamnahmen (2015: 4).

Während 2016 die Körperverletzungen mit zehn Fällen (2015: 13 Fälle) leicht zurückgegangen sind, ist ein deutlicher Rückgang bei den Sachbeschädigungen zu verzeichnen. Diese sanken von 12 Fällen (2015) auf nur noch einen Fall. Gestiegen sind unter anderem die Widerstände gegen Polizeibeamte und Beleidigungen. In insgesamt drei Fällen wurden Polizeibeamte angegriffen. Ebenfalls stark gestiegen hingegen sind die Diebstahlsdelikte von fünf im Vorjahr auf zwölf Fälle. Hier wurden in der Regel Verkehrsschilder, Warnbaken oder in einem Fall auch ein Rettungsring unerlaubterweise "mitgenommen". Als Wildpinkler erwischte die Polizei 20 Personen.

Wiederum erfreulich verliefen die gemeinsamen Sperrzeit- und Jugendschutzkontrollen von Stadt und Polizei. Alle Gaststättenbetreiber hielten sich an die Regeln. Pro Tag, schätzt die Polizei, kamen zwischen 30 000 und 50 000 Besucher auf die Kerwa.


Nur kleine Blessuren

Eine positive Bilanz zogen auch die BRK-Bereitschaften und die BRK-Wasserwacht. "An den meisten Abenden hatten wir zum Glück nur wenig zu tun", berichteten Marcus Petermann (Wasserwacht), Michael Hörmann und Christoph Treubel (BRK-Bereitschaften). Insgesamt suchten 110 Gäste der Sandkirchweih bei den Sanitätern Hilfe. Dabei ging es bei weitem nicht immer um Notfälle: "Häufigster Grund für Hilfeersuchen war wie alle Jahre die Blase am Fuß, gefolgt von der Versorgung kleinerer Wunden oder von Insektenstichen", so Treubel.

An jedem Abend mussten aber auch Patienten infolge übermäßigen Alkoholkonsums behandelt werden. Hier lagen die Einsatzspitzen in den Nachtstunden des Freitags und Samstags. Fünf Patienten hingegen benötigten Hilfe, nachdem sie in Schlägereien verwickelt waren.

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