Bamberg
Weltkulturerbelauf

Weltkulturerbelauf: Bei Regen kann das Pflaster tückisch werden

Ein eigenwilliger Rekordversuch von Herbert Hellmuth aus Bamberg, der möglicherweise erste Weltkulturerbelauf mit nassen und rutschigen Pflasterbelägen und die Frage, wo man sich im Starterfeld einsortiert.
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In den vergangenen Jahren wurde der Weltkulturerbelauf stets zur Hitzeschlacht. 2015 drohen erstmals nasse Straßen und rutschige Pflasterstrecken.  Foto: Ronald Rinklef
In den vergangenen Jahren wurde der Weltkulturerbelauf stets zur Hitzeschlacht. 2015 drohen erstmals nasse Straßen und rutschige Pflasterstrecken. Foto: Ronald Rinklef
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Herbert Hellmuth ist sich sicher: Der Regen, der den Prognosen zufolge am Sonntagnachmittag über Bamberg fallen wird, zwei bis vier Liter pro Quadratmeter, wird ihm kaum etwas ausmachen. Eher schon die Tatsache, dass die Pflastersteine in der Altstadt bei Nässe gefährlich glatt werden können.

Hellmuth hat sich viel vorgenommen: Als erster will der passionierte Bergsteiger, der so gut wie täglich drei Mal zur Altenburg läuft, alle sieben Strecken des Weltkulturerbelaufs hintereinander absolvieren, insgesamt 48 Kilometer, was auch eine logistische Leistung darstellt: Denn Hellmuth (46) muss sieben Mal den Chip zur Zeitmessung wechseln und ebenso sein T-Shirt, um jedes Mal in der Startformation vorne dabei sein zu können.

Eine andere Form von Stress muss kurz vor dem Lauf Martin Sage, Sprecher des Orgateams bewältigen: Auch wenn in vielen Medien schon über die unvermeidlichen Auswirkungen des Laufes berichtet wurde, so hat es sich immer noch nicht bei jedem herumgesprochen, dass die Ínnenstadt am Sonntag zeitweise gesperrt ist. Immer wieder kommt es deshalb zu Beschwerden.

Weniger Sorgen als gedacht bereitet dagegen der Blick zum Himmel. "Es könnte eine interessante Erfahrung sein, mal einen Weltkulturerbelauf mit Regen zu erleben", sagt Sage, ohne ganz zu glauben, dass es wirklich dazu kommt. "Bisher hatten wir nur schönes Wetter."

Bessere Zeiten bei schlechtem Wetter

Für die Sportler ist die Aussicht auf Niederschlag bei angenehmen 17 Grad nicht das Problem, das es für die Helfer oder auch die Zuschauer darstellt. Im Gegenteil: Das notorisch heiße Wetter der bisherigen sechs Veranstaltungen hattdas Risiko für Hitzeschläge und Kreislaufprobleme eher erhöht. Möglicherweise könnten bei wolkenverhangenem Himmel sogar die Laufzeiten schneller werden, sagt Carlo Schramm vom Orgateam.

Dennoch nimmt man das Wetterrisiko bei den Machern des Weltkulturerbelaufs nicht auf die leichte Schulter. Sollte es tatsächlich regnen oder kurz zuvor noch einmal geregnet haben, wird es im Startbereich noch einmal Warnhinweise geben. Sie betreffen vor allem die glattgeschliffenen und abschüssigen Teile der Laufstrecke, die wie zum Beispiel am Domberg zu , bei Nässe gefährlich glatt werden können.

Für den Fall, dass wider Erwarten doch ein Gewitter oder Starkregen droht, steht man mit Polizei und Ordnungsamt in einem Krisenzentum im ständigen Kontakt. Klar ist auch, dass der Weltkulturerbelauf im Falle einer Unwetterwarnung des Deutschen Wetterdienstes für Bamberg im Vorfeld abgesagt werden müsste.

Doch danach sieht es im Moment absolut nicht aus. Glaubt man den Prognosen der Meteorologen wird am Sonntag die Front eines Tiefdruckgebiets zu Niederschlägen führen, die vor allem in Süden Bayerns stärker ausfallen sollen, nach Norden aber die Tendenz zum Ausdünnen haben.

Weil es sich um eine Warmfront handelt, steigen die Temperaturen voraussichtlich auf läuferfreundliche 17 Grad. Möglicherweise kommt Bamberg aber auch um alles herum. Schon mehrfach wurden in den vergangenen drei Wochen Niederschläge angekündigt, die dann nicht oder kaum hier ankamen.

Wegen der hohen Teilnehmerzahlen ist vor allem zum Beginn des Laufes am Bamberger Weg mit einem noch recht dichten Läuferfeld zu rechnen. Um Behinderungen oder gar Staus zu vermeiden, appellieren die Veranstalter an alle Sportler sich im Startfeld entsprechend dem Leistungvermögen anzustellen. Zur Orientierung sollen jeweils Zielzeitzonen auf Tafeln angezeigt werden.

Als Extrembeispiel, wie man es nicht machen soll, gilt der Fall eines Läufers aus dem Jahr 2013, der sich beim Halbmarathon in der Spitzengruppe angestellt hatte. Wie das Ergebnis zeigte, wurde der Mann bis zum Ziel sage und schreibe 2880 Mal überholt. "Dieses Verhalten ist unsportlich, weil es die besseren Läufer zu ständigen Überholvorgängen nötigt. Außerdem wird dadurch verhindert, dass sich das Feld schnell entzerren kann", sagt Karl Schlichtig, der für den Startbereich zuständig ist. Er weist auch darauf hin, dass Babyjogger oder andere Hilfsmittel aus Sicherheitsgründen nicht zugelassen sind.

Dass es auch ganz anders geht als fast 3000 Mal überholt zu werden, zeigt der bekannte Bamberger Läufer Hans Hotter, 91 Jahre alt. Beim Start zum Weltkulturerbelauf 2007 setzte sich der für die ifa Nonstop startende Hotter an den Straßenrand und wartete, bis alle Teilnehmer den Start durchmessen hatten. Als letzter ging Hans Hotter auf die Strecke. Dennoch schaffte er es als 1343. Läufer und als erster der Altersklasse M 75 die Ziellinie zu überschreiten. Er hatte mehr als 700 Läuferinen und Läufer überholt.

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