Scheßlitz

Warum Knoblach immer leiden muss

Im Fahrsimulator üben Feuerwehrleute den Einsatz unter realistischen Bedingungen in fiktiven Orten und Landschaften.
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Michael Auer - konzentriert auf der Fahrt durch Knoblach, im Hintergrund Trainer Reiner Greif und Kreisbrandrat Bernhard Ziegmann Foto: Ronald Rinklef
Michael Auer - konzentriert auf der Fahrt durch Knoblach, im Hintergrund Trainer Reiner Greif und Kreisbrandrat Bernhard Ziegmann Foto: Ronald Rinklef
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Knoblach hat ganz schön gelitten. Knoblach ist der fiktive Ort, in dessen engen Straßen und Kurven es "brennt", denn Rettungsfahrzeuge müssen das Städtchen in höchster Eile im Einsatz durchqueren. Knoblach kennen zwischenzeitlich etliche der 7200 Aktiven in den Landkreis-Feuerwehren. Nach dieser Woche werden es wieder mehr sein. Michael Auer aus Strullendorf ist einer von ihnen. Einer von sechs Kameraden, die in dieser Woche das Training im Fahrsimulator absolviert haben.

Der wurde zum Übungszweck im Aufenthaltsraum der Scheßlitzer Feuerwehr aufgestellt. Auf den ersten Blick ein recht unspektakuläres Teil, das es aber in Sachen Hightech in sich hat und 250 000 Euro teuer ist. Vom Bayerischen Innenministerium und der Versicherungskammer Bayern angeschafft, mit einem Ausbilder vom Landesfeuerwehrverband im Freistaat auf Tour; jeweils dort eine Woche zu Gast, wohin das Gerät bestellt wurde. Das erklärt der ranghöchste Feuerwehrmann im Landkreis, Kreisbrandrat Bernhard Ziegmann. Er ist bestrebt, den Sondersignal-Fahrt-Trainer so oft wie möglich in die Region zu holen.

180 000 Euro lassen es sich Ministerium und Versicherer jährlich kosten, damit sich jeweils 2300 Feuerwehrleute noch besser auf ihre Einsätze vorbereiten können.


Mit Einsatzdetails

Drei Bildschirme ersetzen die Windschutzscheibe, durch die der Fahrer seine Umgebung rund ums Einsatzfahrzeug wahrnimmt. Gefahren wird ein Automatik-Gefährt, also nur mit Gas und Bremse. Dazu Lenkrad, Blinker, Notaus, Schalter für Blaulicht und Sirene. Der Funk spuckt wie im richtigen Einsatz immer neue Einsatzdetails und Befehle aus. Einsatz heißt Sondersignalfahrt, also mit Blaulicht und Martinshorn.

Während man über den Sitz das Ergebnis der Steuermanöver spürt, muss für Crashs die Akustikversion - ein Rumsgeräusch oder Reifengequietsche - genügen. Die Feuerwehr-Profis freilich vermissen das, was sie "Popometer" nennen, dass man unterm Hintern das Fahrverhalten des Gefährts ganz genau mitbekommt.

Doch bevor die Aktiven der Wehren aus Strullendorf und Sassanfahrt zur Einsatzfahrt ans Steuer des Dreieinhalbtonners dürfen, gibt es von Ausbilder Reiner Greif ausführlich Theorie und dann ein bisschen Einfahren in "Knoblach" und dessen Umgebung. Handykameras halten auch diesen Moment für die Kameraden fest, die nicht dabei sein können.



Endlich wird's ernst. Holger Spörlein von den Strullendorfern darf als Erster ran. Die anderen fiebern mit. Der Funkspruch zum Einsatz kommt, Spörlein legt los. "Höchste Eile", versucht der Trainer den Adrenalin-Kick des Ernstfalls auszulösen. Die Folge, flott und mit über 80 Stundenkilometern geht's durch Knoblach, fasst wäre ein Auto dem Einsatzwagen in die Quere gekommen. Dann, vor einer Kreuzung außerhalb Knoblachs zweireihig Autos vor der roten Ampel. Spörlein bremst runter, umfährt sie links. Noch ein paar "Schikanen", dann ist er am Einsatzort. "Gut gemacht", loben ihn die Kollegen. Trainer Greif fragt, "wie war es, wie war das Risiko?" Die Geschwindigkeit sei recht hoch gewesen, gibt Spörlein zu. "Draußen habe ich ein besseres Gefühl dafür."


Fahrt wird analysiert

Der Ausbilder lacht, "da zählt keine Ausrede!" Dann wird die Fahrt anhand der Aufzeichnungen detailliert analysiert. "Was wäre hier das Sicherste?" Die Runde ist hoch motiviert. Am Ende finden alle, das habe sich gelohnt, mit den Erfahrungen dieses Simulators fühle man sich künftig noch mehr sensibilisiert, findet Auer, sensibilisiert etwa für die Geschwindigkeit, mögliche Gefahrenquellen und die besondere Verantwortung. Denn: "Es ist wichtig, dass wir heil ankommen, sonst können wir nicht helfen", schärft der Trainer allen die wohl wichtigste Lektion der Trainingseinheit ans Herz. Damit hat das zumindest fiktiv ramponierte Knoblach mal wieder seinen Zweck erfüllt.

Holger Spörlein, Amanda Lee, Marc Steinmüller, Michael Maaßen und Peter Knobloch gehen zur Arbeit, oder genießen den Rest des Urlaubstags, den sie fürs Extra-Training geopfert haben.
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