Bamberg
Klinikum

Wann kommt die neue Straße für Bambergs Klinikum?

Das vielbeklagte Verkehrschaos am Klinikum droht mit dem vierten Bettenturm noch schlimmer zu werden. Die CSU fordert eine neue Zufahrt über die Waizendorfer Straße. Im Rathaus scheint man die Problemlage offenbar weniger dringlich zu beurteilen . Der OB sieht "aktuell" keinen Bedarf.
Artikel drucken Artikel einbetten
2018 soll am Klinikum der vierte Bettenturm eröffnet werden. Die CSU-Fraktion möchte die Anbindung des Krankenhauses über eine Zufahrt von der Waizendorfer Straße deshalb nicht auf die lange Bank schieben (rechts oben im Bild).  Foto: Ronald Rinklef
2018 soll am Klinikum der vierte Bettenturm eröffnet werden. Die CSU-Fraktion möchte die Anbindung des Krankenhauses über eine Zufahrt von der Waizendorfer Straße deshalb nicht auf die lange Bank schieben (rechts oben im Bild). Foto: Ronald Rinklef
+1 Bild
Gerhard Seitz kennt die Situation aus der täglichen Praxis. Der CSU-Stadtrat wohnt in Bamberg-Südwest und arbeitet als Chefarzt am Klinikum. "Wir haben hier ein Verkehrschaos wie nie. Zu den Stoßzeiten ist das Überqueren der Straße vor dem Klinikum lebensgefährlich, die Fahrzeuge stauen sich bis zum Münchner Ring. Und durch den vierten Bettenturm wird sich diese Situation noch deutlich verschlimmern." Seitz hat deshalb für die CSU einen Antrag an den OB gerichtet. Sein Ziel und das seiner Mitstreiter ist klar: "Wir brauchen bis zum Jahr 2018 eine zweite Zufahrt zum Klinikum über die Waizendorfer Straße."

"Hier msus etwas passieren"

Die CSU ist in dieser Sache nicht allein. Auch der Bürgerverein Bruderwald spricht sich mittlerweile für eine zweite Straßenzufahrt zum Klinikum aus, wohlwissend, dass eine solche Straße jetzt noch unversiegelte Felder südwestlich des Großkrankenhauses und unweit des Bruderwalds zerschneiden würde. "Auch wenn wir uns der Nachteile einer neuen Straße bewusst sind, so ist es doch unumgänglich, dass hier was passieren muss", sagt Helmut Gebhardt vom BV Bruderwald. Schon heute sei der Parksuchverkehr in den Quartieren rund um die Buger Straße kaum noch auszuhalten. Der Grund: In den letzten Jahren sind immer neue Einrichtungen auf den Berg gekommen. Auffällig: Auch Gebhardt spricht von "Gefährdung", wenn Autos in verkehrsberuhigten Anwohnerstraßen ohne Gehsteig mit hohen Geschwindigkeiten unterwegs seien.

Tatsächlich ist die Zahl der Fahrten zum Klinikum in den letzten Jahren steil angestiegen. Das hat nicht nur mit der Vermehrung der Praxen und Facharztzentren, dem Neubau des OP-Zentrums und den steil gestiegenen Mitarbeiterzahlen der Sozialstiftung und ihrer Töchter zu tun. Auch die durch die Gesetze geforderte "Ambulantisierung" hat ihren Preis. Chefarzt Seitz beziffert die Zahl der nicht stationär versorgten Patienten im Klinikum mit 140 000 im Jahr. Die Zahl der Autoanfahrten am Tag habe sich nach hausinternen Zahlen um 3000 auf 9000 in den letzten zehn Jahren vermehrt.

Der Chefarzt spricht von einem "medical mountain"rund um das Klinikum, der in den nächsten Jahren noch an Bedeutung gewinnen werde. Auch der neue Bettenturm werde Wachstum bringen: 200 zusätzliche Betten und 250 neue Arbeiteitsplätze. Laut Seitz ist zudem heute schon absehbar, dass ab 2020 auch Einrichtungen, die noch am Michelsberg untergebracht sind, an den Bruderwald verlagert werden könnten. Seitz ist sich sicher: "Eine Zufahrt von der Waizendorfer Straße könnte helfen, zwei Problempunkte in der Stadt zu beseitigen - am Michelsberg und am Bruderwald."

Doch es gibt unterschiedliche Meinungen über die "Dringlichkeit" einer zweiten Straße: Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) sieht die Situation deutlich gelassener als die Anwohner und Mitarbeiter des Klinikums. "Glücklicherweise ist das Klinikum von vornherein an einer leistungsfähigen Hauptverkehrsstraße errichtet worden. Die Leistungsfähigkeit dieser Straße reicht aktuell und auf absehbare Zeit hin aus", beantwortet Bambergs OB die Offensive der CSU. In einem Schreiben warnt er davor, eine Straße zu bauen, bevor "strukturelle Konzepte" der Sozialstiftung für eine Bebauung dieser Erweiterungsflächen vorlägen. "Eine vorab geplante und gebaute Straße wird am Ende den tatsächlichen Erschließungserfordernissen des Klinikums nicht gerecht", fürchtet der OB.

Sind die Kosten zu hoch?

Über die aus ihrer Sicht schroffe Abfuhr ist man in der Bamberger CSU einigermaßen konsterniert. "Das ist eine mittelalterliche Verkehrspolitik, erst einen Bettenturm zu bauen und danach die Straße, die unabweislich nötig ist", schimpft Gerhard Seitz. Aus seiner Sicht will sich die Stadt nur vor den Kosten drücken - man spricht von 1,5 Millionen Euro, die die Straße kosten würde.

In der Tat: Die Kassen der Stadt - sie sind notorisch klamm. Nicht nur wegen der Anforderungen der Konversion und weiterer Großprojekte. Auch der gewohnte üppige Millionenregen von den Stadtwerken scheint 2015 erstmals auszubleiben.

Doch hört man OB Starke, sind das nicht die Gründe für das Zögern. Ihm geht es um die richtige Reihenfolge. Außerdem warnt Starke davor, die Grundstückspreise durch eine öffentliche Diskussion über eine Westanbindung des Klinikums in die Höhe zu treiben.

Am Mittwoch hat der Stadtrat den Bau einer provisorischen Zufahrt von der Waizendorfer Straße für die Baustelle des vierten Bettenturms sowie einen provisorischen Parkplatz genehmigt. Für Xaver Frauenknecht, den Geschäftsführer der Sozialstiftung, ist klar, dass das nur ein erster Schritt zur Entlastung der angespannten Verkehrssituation rund ums Klinikum sein kann.

Frauenknecht spricht davon, dass die Gesundheitswirtschaft auch in Zukunft ein Wachstumstreiber sein werde. Davon könne auch das Klinikum Bamberg mit zusätzlichen Leistungsangeboten profitieren. Klar sei aber auch, dass Wachstum bei Arbeitsplätzen neue Infrastruktur zwingend nötig mache. Seine Empfehlung: "Wir müssen jetzt in die konkrete Planung für die Straße einsteigen."
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren