Walsdorf
Freizeit

Walsdorfer Bulldogfreunde brechen auf

800 Kilometer Urlaubstour mit 17 Stundenkilometern und auf dem Trecker - genau das ist für den Verein Bulldogfreunde Walsdorf das Höchste. Am Samstag tuckern neun Oldtimer Richtung Österreich.
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Aufstellung zum Gruppenbild: sieben der neun Bulldogs, die am Samstag nach Österreich fahren. Fotos: Matthias Hoch
Aufstellung zum Gruppenbild: sieben der neun Bulldogs, die am Samstag nach Österreich fahren. Fotos: Matthias Hoch
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Ob sie ihre Bulldogs mit aufs Zimmer nehmen wollen. Das sei er mehrfach gefragt worden. Werner Grau amüsiert sich köstlich und seine Tour-Partner ebenso. Das hat wohl schon jetzt das Zeug, zu einer besonderen Erinnerung an diese Fahrt zu werden. Vor fünf Jahren hatte Grau die Idee, mit dem Bulldog zum Großglockner zu fahren. 1000 Kilometer, 4000 Bilder und einige Abenteuer später ist das für ihn und seine damaligen Mitfahrer aus dem Verein ein so unvergleichliches Erlebnis geworden, dass man sich heuer wieder auf den Weg nach Österreich macht.

Der jüngste Teilnehmer ist erst 14 Jahre

Mit dem schnellen Auto, dem Flugzeug oder dem Schiff ist jeder schon mal verreist. Aber nichts komme der Tour auf dem Trecker gleich. Das möchte Frank Ott auch endlich erleben, "den Reiz von etwas ganz Neuem". Vereinsvorstand Wolfgang Hümmer und sein Sohn Sebastian, damals Beifahrer schwärmen jedenfalls immer noch, genauso wie Werner Grau. Insgesamt sechs Bulldogs und sieben Teilnehmer waren 2010 dabei. Mittlerweile ist ihre Begeisterung so übergesprungen, dass am Samstag neun Bulldogs und zwölf Teilnehmer lostuckern. Der Jüngste ist Graus Sohn Andreas (14), der hinter seinem Vater auf einer Bank sitzen wird. Für den ältesten Schlepper ist das Baujahr 1955 dokumentiert.

Albert Tornau hat sich letztes Jahr eigens einen Hanomag R 16 (Baujahr 1956) zugelegt und sein Sohn Johannes hofft darauf, dass sein ein Jahr älterer Lanz 2016 rechtzeitig fertig wird. Auf Hochglanz poliert hat Thomas Berdolt jedenfalls schon lange seinen Kramer KA 330. Er wird auch den zum Transportfahrzeug (für Kleidung und Verpflegung) umgebauten Tragkraftspritzenanhänger hinter sich herziehen.

Schließlich hat Berdolt mit 33 PS das leistungsstärkste Gefährt. Weiter mit von der Traktor-Partie sind Frank Ott (Fendt F 24), Günter Lechner (Porsche Standard), Alexandra Hümmer (Herrmann Lanz-Aulendorf D 24) und sowie Peter Vogel (Deutz F1514) und sein Sohn Nikolas.

Jeder ist für vier Wochen versteuert

27 Mitglieder zählt der 2007 gegründete Verein und 22 Bulldogs. Neben den Fahrern gehören auch Ehefrauen und Kinder dem Verein an.

Für die Planung der großen Touren ist Werner Grau zuständig. Anhand von Fahrrad-Software hat er alles ausgetüftelt und mit Google "abgeflogen", aufs Handy das nötige Material aufgespielt und natürlich Kartenmaterial für den Ordner auf dem Bulldog vorbereitet. Ebenso wie die Papiere für die Unterkünfte und für die Bulldogs. Jeder ist für vier Wochen versteuert, weil er als Reisemobil sozusagen zweckentfremdet ist. Sogar der Anhänger hat dank kooperativem TÜV alle nötigen Begleitpapiere.

Heuer eine Seentour

Nach der Bergtour 2010 steht heuer die Seen-Tour mit dem Traunsee, nahe Salzburg als Ziel auf dem Programm. Für alle Fälle weiß man in Thomas Berdolt als Landmaschinenmechaniker einen Mann im Team, der die Trecker nicht nur fit gemacht hat, sondern gegebenenfalls auch reparieren kann. 2010 ging ein Kugellager kaputt. Auch das ein unvergessenes Erlebnis.

Zwischen fünf und sieben Stunden Fahrt (97 bis 115 Kilometer) mit Stopps alle eineinhalb Stunden plant Grau. "Um immer noch einen Zeitpuffer zu haben, falls was dazwischen kommt." Abends wird in Hotels eingecheckt, gepackt nur Minimal-Ausrüstung. Am Ziel kommen Familienmitglieder, die neue Wäsche liefern und drei Tage mit den Traktor-Fahrern verbringen. Man hat aus der Premierenfahrt gelernt: Dieses Mal meidet man Bundesstraßen komplett und fährt "möglichst wenig auf Staatsstraßen, also hauptsächlich auf Kreisstraßen, Feld- und Waldwegen", so Grau.

Worin aber liegt ausgerechnet in Traktoren der Reiz als Reise-Vehikel? "Das ist Natur pur undein bisschen das Feeling vom Cowboy in der Prärie", sagt Wolfgang Hümmer. "Auf dem Bulldog hast Du Zeit für intensive Eindrücke", weiß Werner Grau. Alles hautnah, dazu Gerüche und Geräusche. Und jede Menge Zeit, den eigenen Gedanken nachzuhängen, runter zu kommen, auszuspannen und"irgendwie hat das auch was von Abenteuer", schwärmt er. Weil man in so großem Abstand fährt, dass auch Lkw gut überholen können, ist man zwar mit einander, aber doch jeder auch für sich unterwegs. Seele baumeln lassen und so, zeigen die Schilderungen. Sollte doch eine längere Zwangspause anstehen, ist Zeit fürs Schafkopfen, oder für die Geschichten.

Wie die neueste mit der Frage nach den Bulldogs aufm Zimmer: Die Pension hatte die Walsdorfer bei deren Zimmerbuchung für einen Hundeverein gehalten.
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