Bamberg
Stadtleben

Wärmestube sucht Helfer

Auch im Sommer ist der Treffpunkt von "Menschen in Not" gut besucht. Einige Ehrenamtliche denken aber ans Aufhören. Sie hoffen, dass sich genügend Nachfolger in Bamberg finden, die sich in der Wärmestube engagieren.
Artikel drucken Artikel einbetten
Marli Krings hilft oft in der Küche mit.  Fotos: Ronald Rinklef
Marli Krings hilft oft in der Küche mit. Fotos: Ronald Rinklef
+2 Bilder
Besondere Talente müsse niemand mitbringen, der sich bei "Menschen in Not" ehrenamtlich engagieren möchte, sagt Peter Klein, der Leiter der Einrichtung in der Siechenstraße 11. Trotzdem ist die Aufgabe nichts für jede und jeden. Wichtig sei Empathie, gibt Klein zu verstehen: "Voraussetzung, um hier zu arbeiten, ist, die Leute so zu nehmen, wie sie sind."

Wer glaubt, dort würden in erster Linie "Penner" und "faule Säcke" ein- und ausgehen, der irrt. Darauf weist Norbert Engel ausdrücklich hin. Der 72-Jährige ist der Motor der Ehrenamtlichen-Initiative Mt.25/"Menschen in Not", die den Treffpunkt gemeinsam mit der Caritas und dem Diakonischem Werk trägt.

Schicksal kann jeden treffen

Tatsächlich seien die meisten Stammgäste durch einen Schicksalsschlag aus der Bahn geworfen worden, einige auf der Straße gelandet.
Auch ehemalige Geschäftsleute gehören zur Klientel, die regelmäßig kommt, betont Engel.

Ein Großteil der täglichen Besucher hat zwar ein Dach über dem Kopf, aber wenig mehr: Geld für Heizung und Essen ist bei allen knapp, viele leben allein, suchen in der Wärmestube Ansprache und Gesellschaft.
Manche verbringen den ganzen Tag dort. "Die sind von früh bis 16 Uhr da, als wenn sie zur Arbeit gingen", erzählen Klein, Engel und zwei Frauen, die sich dort ebenfalls ehrenamtlich engagieren: Marli Krings (74) und Judith Balling (22).

Längerfristiges Engagement

Sie repräsentieren die breite Altersspanne unter den Helfern, wobei die meisten der älteren Generation angehören. Weil einige von ihnen ans Aufhören denken, hofft Klein sehr, jüngere Nachfolger zu finden, die langfristig bleiben. Denn ohne Ehrenamtliche, daran lässt er keinen Zweifel, müssten die Öffnungszeiten reduziert werden - abgesehen davon, dass das Angebot auch menschlich ärmer würde.

An die 15 Frauen und Männer gehören zum Team der Ehrenamtlichen, das den Betrieb der Wärmestube an sieben Tagen in der Woche bestreitet. Ohne die freiwilligen Helfer wäre der Treffpunkt von "Menschen in Not" an den Wochenenden, wenn die wenigen Hauptamtlichen frei haben, geschlossen. Laut Klein sind es am Samstag und Sonntag (jeweils von 9.30 bis 13 Uhr) ausnahmslos die Ehrenamtlichen, die Gäste betreuen, Kaffee und Tee zubereiten und Brote schmieren, plaudern, zuhören, Gesellschaftsspiele machen.

Auch unter der Woche gehört das zu den Aufgaben der Helfer. Außerdem werden täglich außer mittwochs, wenn die Gäste der Wärmstube zum Essen in die Stadtwerke-Kantine gehen können, fleißige Hände in der Küche gebraucht. Vier Mal in der Woche wird in der Siechenstraße 11 frisch gekocht.

Die Zeit sinnvoll verbringen

Häufig hilft Marli Krings bei den Vorbereitungen in der Küche. Früher arbeitete sie auch in der der Wärmestube angegliederten Kleiderkammer. Wann genau sie bei "Menschen in Not" angefangen hat, weiß die Bambergerin nicht mehr; aber sie erinnert sich, dass die Innenstadt-Pfarrei St. Martin damals Leute suchte, die sich um Obdachlose und Bedürftige kümmern, und, dass sie in jener Zeit das Bedürfnis verspürte, eine Aufgabe für die Gesellschaft zu übernehmen. Denn im Unterschied zu den meisten in ihrem Umfeld habe sie sich nicht um alte Eltern kümmern müssen und ihre Zeit sinnvoll einsetzen wollen.

Auch Norbert Engel ist vom ersten Tag an im Treffpunkt aktiv. Der 72-jährige Bamberger macht allen Mut, die sich vorstellen können, mitzuhelfen. Wer bereit sei, die Gäste so zu akzeptieren, wie sie sind, bekomme viel zurück, betont er.

Der hauptamtliche Leiter Peter Klein macht immer wieder die Erfahrung, dass Bürger ganz falsche Vorstellungen von der Wärmestube und deren Publikum haben. Deshalb bietet er allen, die Interesse haben, einen "Schnupperdienst" an. Engel pflichtet Klein bei: "Man weiß wirklich zu wenig von den Leuten hier."

Engagierte Studentin

Einige sind dabei, vor denen zieht Klein insgeheim den Hut: Es nötige ihm immer wieder Respekt ab, welche Überlebensstrategien manche Frau und mancher Mann entwickele. Von ihnen könne man Einiges lernen.
Dass die Helfer nicht nur geben, sondern viel zurück bekommen, das betont auch Judith Balling. Die Studentin scheint in der Siechenstraße 11 genau das gefunden zu haben, was sie gesucht hat. Vor dem Studium hat die 22-Jährige sich bei der Lebenshilfe engagiert. Für die Uni gab sie die Tätigkeit auf, habe aber bald gespürt, dass ihr etwas fehlt, "'was Menschliches". In der Wärmestube fühlt sie sich wohl. Seit rund einem Jahr hilft sie mit und empfindet ihren Einsatz als sehr bereichernd.

Wer Interesse hat, sich bei und für "Menschen in Not" zu engagieren, sollte sich bei Peter Klein unter der Telefonnummer 2084926 oder per E-Mail (menschen-in-not@caritas-bamberg.de) melden.
Verwandte Artikel

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren