Bamberg
Robotik

Von Mini-Panzern in Bamberg bis zur KI eines Pkw: Wie Maschinen selbstständig werden

Einst kabelgebundene Fernbedienung, heute schon selbstfahrendes Auto: eine kleine Auswahl der Entwicklungen auf dem Weg zu autonomen Maschinen.
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Der Goliath Mini-Panzer - hier Exemplare, die britische Soldaten eingesammelt haben - war nur etwa 60 Zentimeter hoch. Foto: US-Army
Der Goliath Mini-Panzer - hier Exemplare, die britische Soldaten eingesammelt haben - war nur etwa 60 Zentimeter hoch. Foto: US-Army
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Ob Waschmaschine oder Rasenmäher: Es ist ein alter Menschheitstraum, dass Maschinen unsere Arbeit erledigen. Noch besser wird's, wenn der Rasenmäher alleine fährt, während der Rasenbesitzer im Liegestuhl lümmelt. Die Entwicklung hin zu selbstständigen Maschinen hat schon lange begonnen: Waren die ersten Maschinen noch über kabelgebundene Fernbedienungen mit dem steuernden Menschen verbunden, gibt es heute bereits intelligente Technik, die in gewissem Rahmen selbstständig handeln kann. Besonders das Militär investiert in selbstständiger Technik, aber nicht nur. Für Privatleute ist derzeit beispielsweise besonders spannend, was im Bereich der selbstfahrenden Autos passiert. Eine kleine Auswahl technischer Entwicklungen:


Militärisch: vom Minipanzer bis zur Drohne

Ferngesteuerte Waffen gab es schon im Zweiten Weltkrieg. Mit Bomben schickten Nazis den Mini-Panzer "Goliath" (Foto 1) los. Anfangs wurde er per Lenkkabel, später per Funk gesteuert. Er war 60 Zentimeter hoch und 1,60 Meter lang und transportierte Sprengsätze. Eine rollende Bombe. Der Sprengpanzer gilt als Vorläufer unbemannter Kriegsmaschinen oder Militärroboter, zu denen beispielsweise Kampfroboter oder Drohnen gerechnet werden.

Es sind Systeme, die autonom, semi-autonom oder ferngesteuert sein können, wie es bereits der "Goliath" im Zweiten Weltkrieg war. In Bamberg sollen die Alliierten bei Kriegsende in einer Sammelstelle nahe der Memmelsdorfer Straße 70 der Mini-Panzer gelagert haben. Augenzeugenberichten zufolge sind sie eines nachts plötzlich verschwunden - ihr Verbleib ist bis heute ein Rätsel.


Zivil: vom Bomben-Entschärfer zum Killerbot

Ferngesteuerte Remotec Andros-Roboter (Foto 2) sind mit diversen Sensoren und Kameras ausgestattet und haben einen Greifarm. Sie werden meist in Gelände eingesetzt, das für Menschen zu gefährlich ist: oft, um Bomben zu beseitigen. Dafür werden sie beispielsweise auch bei Einsätzen der amerikanischen Polizei genutzt. Anfang dieses Monats wurde ein Roboter dieser Serie allerdings von der Polizei in Dallas eingesetzt, um einen Attentäter mit einer Bombe zu töten. Zuvor hatte der Mann mehrere Polizisten getötet und verletzt. Es handelt sich nicht um eine autonom handelnde Killermaschine, sondern um ein System, das durch einen Polizeibeamten ferngesteuert wurde: Der Roboter wurde in die Nähe des Attentäters gelenkt, den Auslöser für die Sprengung drückte ein Polizist. Daraufhin entbrannte allerdings eine Diskussion darüber, ob Roboter töten dürfen.


Zivil: vom Autopilot zum selbstfahrenden Auto

Der kalifornische Elektroauto-Pionier Tesla arbeitet am selbstfahrenden Auto. Auf Autobahnen funktioniert der Autopilot (Foto 3) bereits überraschend gut. Der Tesla hält und wechselt die Spur, beachtet Tempo und Abstand. In der Stadt erkennt er Parklücken und kann selbstständig einparken. Die Sensoren des Wagens messen beispielsweise Entfernungen, dementsprechend wird der Wagen gesteuert. Der Autopilot soll bereits Zusammenstöße verhindert haben. Im Mai kam es allerdings erstmals zu einem tödlichen Unfall, weil die Sensoren die helle Seite eines Lkw nicht vom Himmel unterscheiden konnten. Das Auto fuhr ungebremst hinein. Der Autopilot ist noch im "Beta"-Stadium. Ein voll-autonomes Fahrzeug, das tatsächlich komplett selbst fährt, ist dem Hersteller zufolge für 2018/19 geplant.

Nicht nur bei Killermaschinen - immer dann, wenn es darum geht, dass künstliche Intelligenz eingesetzt wird, stellen sich ethische und auch rechtliche Fragen. Beispielsweise wird beim selbstfahrenden Pkw immer wieder die theoretische Frage diskutiert, wie ein Autopilot in ausweglosen Situationen handeln soll, in denen ein Mensch reflexartig entscheidet. Zugespitzt geht es darum, wie die Maschine für den Fall programmiert werden soll, dass eine Kollision mit einem Fußgänger unvermeidlich ist - aber je nachdem, in welche Richtung der Autopilot steuert, es ein Kind oder eine alte Frau trifft. Es sind manchmal makabere Gedankenspiele, die dabei helfen, Probleme aufzuzeigen. Mit Fragen darüber, wie Robotik und künstliche Intelligenz unsere Konzepte von Verantwortung, von Schuld und Sühne verändern, beschäftigt sich Strafrechtsprofessorin Susanne Beck von der Universität Hannover. Lesen Sie hier das Interview mit der aus Coburg stammenden Juristin.
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