Bamberg
Jagd auf Promis

Vom Maler, der Wagner dirigierte

Für Cleff III. sind die Bayreuther Festspiele seit 20 Jahren eine willkommene Kontaktschmiede. So gelang es dem Bamberger schon, hochkarätige Promis aus Politik und Gesellschaft auf die Leinwand zu bringen. Dabei erlebte der Maler skurrile Geschichten mit Celebrities aus aller Welt.
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Cleff III. mit Wolfgang Wagner vor seinem Porträt.  Foto: pr
Cleff III. mit Wolfgang Wagner vor seinem Porträt. Foto: pr
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Alle Jahre wieder pilgert die Prominenz auf Bayreuths Grünen Hügel. Stars schreiten über den roten Teppich, das große Schaulaufen beginnt. Mittendrin ein Bamberger, der Celebrities aus aller Welt auf Leinwand bannt und somit dauerhaften Glanz verleiht: Cleff III. Zum 20. Mal besuchte der Porträtmaler heuer auch den Staatsempfang im Neuen Schloss, "bei dem die Promi-Dichte traditionsgemäß am größten ist". Mit dem nötigen Jagdinstinkt gelang es dem Spross einer Künstlerdynastie im Lauf der Jahre, eine ganze Schar illustrer Persönlichkeiten in Öl zu verewigen. Darunter Thomas Gottschalk, dem auf Cleffs Werk mehr als ein Licht aufgeht.

"Ich malte Gottschalk, als er noch mit den ,Supernasen' Erfolge feierte", erinnert sich der 67-jährige Bamberger.
Die Schlitzohrigkeit des "Na sowas!"-Moderators sollte bei dem Porträt zum Ausdruck kommen, das "Thommy" dank eingebauter elektrischer Lämpchen einen "Heiligenschein" verpasst. Wie sich Gottschalk darüber amüsierte, erfuhr Cleff III. aber erst beim Treffen der beiden gebürtigen Bamberger beim Bayreuther Staatsempfang.


Zu "Siegfried" nach Las Vegas

Dabei wollte der Porträtmaler bei ersten Hügel-Besuchen keine Wagnerianer, sondern "Wagner-Motive" einfangen. Was Cleff III. auf die Idee brachte, "Siegfried" darzustellen, der dann auch tatsächlich im Festspiel-Restaurant zur Premiere an prominenter Stelle prangte: "gleich an der Wand hinter dem Tisch, an dem Roman Herzog, Edmund Stoiber, Hans-Dietrich Genscher, Wolfgang Wagner und seine Frau saßen". Dass das Bild ihn wenig später erstmals nach Las Vegas bringen würde, hätte sich der Promi-Porträtist aber nicht ausgemalt. So wanderte ein Ausstellungskatalog mit dem Werk dank eines Festspielbesuchers aus den Staaten über den großen Teich und wurde Kollegen eines anderen "Siegfried" zugespielt, der damals noch mit "Roy" und weißen Tigern arbeitete. "Kurz darauf lud man mich zur Geburtstagsfeier ein, wo mein ,Siegfried' Siegfried Fischbacher überreicht werden sollte." Dass es dazu tatsächlich kam, war aber fast ein Wunder. So hatte ein Wohnungsbrand Cleffs Bilder wenige Tage vor der Abreise beinahe zerstört. "Glücklicherweise verrußte ,Siegfried' nur, was ich in der Schrecksekunde kaum zu hoffen glaubte, als ich beim Heimkommen all die Feuerwehrleute vor meinem Haus sah."

Und wie gefiel "Siegfried" das Porträt, bei dem sich Cleff III. an Peter Hofmann orientierte, der sich als "Siegmund" im "Jahrhundertring" von Patrice Chéreau zu Weltruhm sang? "Er freute sich über die große Ähnlichkeit, die ich beim besten Willen nicht erkennen konnte."



Ein fränkisches Original

Mit dem Pinsel in der Hand fing Cleff III. auch den ruppigen Charme des Festspielleiters ein. "Mein eigener Vater war ja ein Patriarch, was mir beim Umgang mit Wolfgang Wagner half, den ich letztendlich sogar herumdirigieren durfte": Kopf weiter runter, nein, nicht ganz so weit - und nun noch ein wenig nach links ... Nachdem sich der knorrige Patron auf dem Grünen Hügel zu einem Porträt bereiterklärt hatte, durfte ihn Cleff III. auch in Positur setzen. "Dabei kam Wolfgang Wagner zum Fototermin mit speckiger Weste und alter Cordhose", erinnert sich der Bamberger Maler: So war das Genie, das die Geschicke der Festspiele mehr als ein halbes Jahrhundert lang lenkte und mit Bruder Wieland nach dem Krieg ideologisch entrümpelt hatte, eben ein fränkisches Original.

Als beeindruckenden Menschen beschreibt Cleff III. auch den "ewigen Außenminister", den er in jenen Jahren wieder und wieder beim Staatsempfang traf. "Von Arroganz konnte bei ihm ebenfalls nicht die Rede sein", anders als bei vielen Möchtegern-Promis und Emporkömmlingen, die der Maler andernorts erlebte. Natürlich durfte er Genscher irgendwann auch auf Leinwand bannen und bedankte sich im Jahr darauf mit einem Geburtstagsgruß. "Ich schickte meinen Brief an Genschers Bonner Adresse, erhielt ihn aber postwendend mit dem Vermerk ,Empfänger unbekannt' zurück." Damit konfrontierte Cleff III. den Staatsmann beim nächsten Staatsempfang , um ihm das Kuvert mit der Bemerkung "Was stimmt nicht bei Euch in Bonn?" unter die Nase zu halten. "Weil sich Genscher darüber so amüsierte, schenkte ich ihm das gute Stück später gerahmt zum 80. Geburtstag."


Korb bekommen

Mancher Promi schmetterte die Porträtwünsche des Bamberger Maler s auch ab: Einen Korb bekam Cleff III. etwa von August Everding, "weil er beim besten Willen keinen Platz mehr neben all seinen anderen Porträts finden könne". Raumfahrt-Legende Jesco von Puttkamer ließ sich von Cleff III. nach Monaten überzeugen. "Als ich ihn erstmals bei den Festspielen traf, meinte ich zu Puttkamer: ,Sie sind ein genialer Kopf, den man malen muss'. Bei der nächsten Bayreuther Begegnung erklärte er sich dazu bereit, bei der dritten präsentierte ich dem 79-Jährigen das Ergebnis." Das "deutsche Hirn der Nasa", wie man den Visionär bezeichnete, wollte das Porträt kaufen. "Leider starb Puttkamer kurz darauf. Immerhin hängt sein Bild heute im International Space Education Institute Leipzig."

Bei Günther Strack war's nicht fraglich, ob er sich malen lässt. Dazu erklärte sich "Der König" aus der in Bamberg gedrehten Krimiserie gleich bereit, hatte dann aber offenbar kein Interesse daran, das Werk zu erstehen. "Kurz vor Weihnachten fragte mich Stracks Frau dann, ob ich ihrem Mann mein Bild nicht schenken könne." Was bei Cleff III. auf wenig Gegenliebe stieß. "Schließlich dreht ein Schauspieler auch nicht umsonst und geht dabei leer aus."


Kein Verständnis

Fürstin Gloria von Thurn und Taxis, Kaiserenkel Otto von Habsburg, Quincy Jones, Peter Ustinov - ja, an Begegnungen mit Celebrities mangelte es Cleff III. nicht, wie ein Blick auf seine Gemäldegalerie im Web bestätigt. Was war für den Bamberger in all den Jahren die aufregendste Begegnung, wollten wir zuletzt noch wissen: "Mein Treffen mit Sir Peter Ustinov, den ich schon als Kind bewundert hatte." Ausgerechnet um sein Gemälde entbrannte später ein Streit, nachdem der Bamberger Maler einem Kölner Luxushotel mit "Ustinov-Bar" das Werk stiftete. Nur wussten die Banausen das Geschenk nach einer Weile nicht mehr zu schätzen und baten Cleff III., es abzuholen. "Andernfalls werde man es der stofflichen Verwertung zuführen', hieß es in der Mail, die mich erreichte." Künstlerpech! Immerhin kam die Leinwandlegende auf diese Weise zu ihren Wurzeln zurück.

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