Wallenfels
Voloprojekt (V)

Volontäre werden in Wallenfels nass gemacht

Eine Floßfahrt auf der Wilden Rodach bei Wallenfels am Samstag um 15 Uhr bildet den Abschluss und zugleich auch den Höhepunkt des Projekts.
Artikel drucken Artikel einbetten
Nass wird das Ziel am Samstagnachmittag in Wallenfels garantiert keiner erreichen. Foto: Stadt Wallenfels
Nass wird das Ziel am Samstagnachmittag in Wallenfels garantiert keiner erreichen. Foto: Stadt Wallenfels
+12 Bilder
Wer seit 40 Jahren im Sommer Woche für Woche auf acht Holzstämmen und nur mit einem Flößerhaken ausgerüstet, die Strömungen der Wilden Rodach zähmt, darf getrost als erfahrener Flößer bezeichnet werden. Ein gewisses Kribbeln im Bauch spürt Andreas Buckreus, Erster Vorsitzender der Flößergemeinschaft Wallenfels, aber auch heute noch vor jeder Fahrt. "Ich denke, in dem Moment ist jeder Flößer etwas angespannt", sagt er. "Man hat jede Woche mit anderen Bedingungen und Leuten zu tun, das ist immer eine neue Herausforderung." Wenn das erste Stauwehr geöffnet wird und der Fluss richtig in Wallung gerät, weiche die Anspannung dann der absoluten Konzentration, erklärt der Flößer.

Weniger körperlich gefordert, aber nicht minder unter Strom stehend, dürften am Samstag die neun Volontäre der Mediengruppe Oberfranken sein.
Nachdem sich die Nachwuchsjournalisten in den vergangenen Wochen bereits am Baumfällen und Floßbau erprobt haben, steht nun zum Abschluss des Voloprojekts eine Floßfahrt auf der Wilden Rodach an. Der Startschuss fällt am Samstag um 15 Uhr am Schnappenhammerwehr östlich von Wallenfels, direkt an der B 173. Ziel ist das fünf Kilometer entfernte Flößerhaus.


500 Menschen flößen an jedem Samstag

Alleine sind die Volontäre bei ihrem Abenteuer nicht. Jeder Samstagnachmittag von Mai bis September steht in Wallenfels ganz im Zeichen der Flößerei: Bis zu 500 Menschen wagen das Abenteuer auf den 16 Meter langen Flößen - dazu kommen Dutzende neugierige Zuschauer am Wegesrand. Durchgeführt werden die Fahrten von rund 40 bis 50 Aktiven der Flößergemeinschaft Wallenfels. Diese wurde 1982 gegründet, um die etwas in Vergessenheit geratene Tradition der Flößerei im Frankenwald wieder aufleben zu lassen. Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten. Mitte der 80er Jahre gab es einen regelrechten Ansturm von Touristen auf die Floßtouren im Frankenwald. An zwei Tagen in der Woche wurden bis zu 27 Flöße auf die Wilde Rodach geschickt. Über 7000 Menschen nahmen damals pro Jahr an den Fahrten teil - heute sind es einige Hundert Gäste weniger.

Über die Jahre sind vor allem die Auflagen strenger geworden. Ein Bescheid des Landratsamtes schreibt der Stadt unter anderem vor, dass sie jährlich maximal 15 Floßfahrten mit jeweils 23 Flößen veranstalten darf. "Das entspricht exakt unserer aktuellen Nachfrage", sagt Bürgermeister Jens Korn (CSU). Für die nahe Zukunft ist er optimistisch, dass die Größenordnung der Fahrten beibehalten werden kann. Dabei setzt er auch auf den Flößer-Nachwuchs. "Die Jungen wachsen hier mit der beliebten Tradition auf und pflegen diese auch weiter", erklärt er. Wohl keiner kennt diese Tradition in Wallenfels so gut wie Andreas Müller. Mit 81 Jahren ist er der älteste Flößer. "Ich bin schon 1947 mit meinem Vater auf den Main geflößt", erzählt der Ehrenfloßmeister. Mit gerade einmal 13 Jahren war er damals unter anderem für das Essen und die Sauberkeit der Hütte auf dem Floß zuständig.
Die Flößer-Jugend von heute hat es leichter, trägt aber auch eine gewisse Verantwortung. Bereits im Alter von zehn Jahren probieren sich die ersten Jugendlichen auf den Holzstämmen und dürfen schon recht zeitnah als zweiter Flößer bei den Fahrten für Touristen mitwirken. Bis sie alleine auf dem Floß stehen dürfen, vergehen allerdings noch einige Jahre. Aber welche Eigenschaften muss ein guter Flößer eigentlich mitbringen? Handwerklich begabt sein, eine gewisse Standhaftigkeit mitbringen und keinen Kontakt vor Wasser scheuen sind einige Attribute für einen Flößer, die Andreas Buckreus nennt. "Man muss immer im Auge haben, wie das Wasser läuft und sich immer überlegen, wie man eine Kurve anfährt. Wie ein Rennfahrer", sagt er. Auch Flößerkollege Helmut Müller hat einen bildhaften Vergleich parat: "Als Flößer darf man nicht so steif sein, man muss ein guter Tänzer sein."


Schwieriger Auftakt in die Rodach

Der Logik zufolge müsste Reinhold Franz das Tanzbein öfter schwingen. Denn er ist seit vielen Jahren stets auf dem ersten Floß zu finden, was eine besonders große Verantwortung mit sich bringt. Hätte er mit seinem Floß direkt nach dem ersten Wehr ein Problem und könnte nicht weiterfahren, wären auch die folgenden Flöße an einer relativ engen Stelle stark behindert. Die einzelnen Wehre dürfen nur für zehn Minuten geöffnet werden, sprich die 20 Flöße müssen im 30-Sekunden-Takt vom Startpunkt abfahren. Hat man die ersten 200 Meter der Wilden Rodach gemeistert, könne man erst mal etwas durchatmen, so Franz.

Je nach Wasserstand legt das Floß die rund fünf Kilometer lange Strecke in 30 bis 40 Minuten zurück. Sechs Wehre gibt es dabei insgesamt zu überqueren. Beim höchsten, dem Kaiserwehr, gilt es immerhin eine Fallhöhe von drei Metern zu überwinden. "Für ein Schlauchboot wäre das vielleicht ein Problem, für ein Floß mit 16 Metern Länge aber nicht", sagt Reinhold Franz. Falsche Illusionen lässt er aber keine aufkommen. "Nass werden sie trotzdem alle", sagt er grinsend.

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren