Bamberg
Vollsperrung

Vier Jahre Vollsperrung: In Bamberg droht der Ausnahmezustand

Für das Großprojekt Sutte Matern wird ab 2018 vier Jahre lang die heimliche Bergverbindung gekappt. Danach wandert die Baustelle zum Michelsberg.
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Noch scheint das Idyll an der Sutte ungetrübt. Schon im Frühling 2018 werden Baumaschinen den Straßenzug in eine unüberwindliche Baustelle verwandeln.  Foto: Ronald Rinklef
Noch scheint das Idyll an der Sutte ungetrübt. Schon im Frühling 2018 werden Baumaschinen den Straßenzug in eine unüberwindliche Baustelle verwandeln. Foto: Ronald Rinklef
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Es ist eine kleine Ursache mit großer Wirkung. Sie beschert Bambergs Berggebiet zwei Vollsperrungen bisher nicht gekannten Ausmaßes. Wegen des Baus einer Wasserleitung zwischen Altenburger Straße und St.-Getreu-Straße fällt die von täglich rund 2800 Fahrzeugen genutzte heimliche Bergverbindung flach - und das eine halbe Ewigkeit.

Am Mittwoch hat der Bausenat den Planungsstand unwidersprochen zur Kenntnis genommen. Demnach soll die Sutte von Frühling 2018 bis Ende 2021 für den Fahrzeugverkehr voll gesperrt werden. Gleiches gilt für die Maternstraße ab 2019. Dazu kommt: Einige Wochen wird im Jahr 2019 auch noch der Torschuster dicht sein. Und auch die weiteren Aussichten sind nicht unbeschwert. Nach 2021 wandert die Baustelle auf den Michelsberg. Auch hier droht eine mehrjährige Vollsperrung

Glaubt man der Stadtverwaltung und den Stadtwerken, dann ist der Bau der Wasserleitung zwingend. Nur mit dieser Querverbindung sei die Versorgung des nördlichen Berggebiets nach dem Bau des neuen Hochbehälters an der Altenburger Straße zu sichern. Die 30 Zentimeter starke Leitung soll auch einem Druckabfall vorbeugen.

Doch gibt es wirklich keine Alternative als die Vollsperrung von Sutte und Matern? Claus Reinhardt vom Baureferat nennt zwei Gründe, warum es nicht anders geht. Der Straßenquerschnitt von Sutte und Matern ist zu klein, um eine Durchfahrtspur auch während des Ausbaus offen halten zu können. Außerdem steht aus ökonomischen Gründen neben dem Bau der Wasserleitung eine ganze Reihe von Arbeiten an, die gewissermaßen in einem Aufwasch erledigt werden: Dabei geht es um das teils über 80 Jahre alte Kanalnetz, die Hausanschlüsse, den Austausch von Versorgungs- und Kommunikationsleitungen und natürlich den Straßenbau. Sutte und Matern erhalten auch eine neue Oberfläche.

Dennoch ist das Großprojekt in mehrfacher Hinsicht umstritten. Claus Reinhardt spricht von einer "Herausforderung für alle Teilnehmer". Niemand weiß, was passieren wird, wenn die gewohnten Hauptverkehrsachsen im Berggebiet gekappt sind, über die neben dem Anliegerverkehr etliche öffentliche Einrichtungen erschlossen werden. Eine derartige unfreiwillige Verkehrsberuhigung über Jahre hinweg gab es im Berggebiet noch nicht. Die "kleinräumigen Umfahrungen", die die Stadt für die drei Phasen der Sperrungen vorschlägt, muten den Verkehrsteilnehmern weite Umwege über den innerstädtischen oder gar den Berliner Ring und die Memmelsdorfer Straße zu, wenn sie mit dem Auto in dann jenseits der Sperre befindliche Teile des Berggebiets fahren wollen. Diese Umleitungen auszuschildern, würde die Verwirrung eher erhöhen, glaubt die Stadt.


Es geht auch ums Geld

Das Verkehrsproblem, das auf Bamberg ab 2018 möglicherweise bis Mitte nächsten Jahrzehnts zurollt, ist nicht der einzige Pferdefuß des Projekts Wasser 2025, mit dem sich die Stadträte beschäftigen müssen. Es geht auch ums Portemonnaie der Bürger. So sehen sich die Besitzer von 54 Grundstücken an Sutte und Matern wegen des Straßenausbaus mit Kosten konfrontiert, die mehrfach über 10 000 Euro liegen und in einem Fall sogar 60 000 Euro erreichen. "Einige unserer Nachbarn wissen nicht, wie sie solche Summen aufbringen sollen. Es sind die mit Abstand höchsten Beiträge, die Anlieger in Bamberg nach der Straßenausbausatzung bisher bezahlen sollen", klagt der in der Sutte wohnende Michael Vogel.

Die hohen Kosten könnte die Neigung, gegen das Projekt zu klagen, deutlich steigern, fürchtet CSU-Stadtrat Franz-Wilhelm Heller. Anlieger wie Vogel sehen sich in jedem Fall motiviert, von der Stadt nach Abschluss der Bauarbeiten eine dauerhafte Verkehrsberuhigung zu fordern. "Wenn wir schon so viel Geld bezahlen, dann muss auch für uns etwas rausspringen."
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