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Bamberg
Nazi-Symbole

Verfahren gegen Auktionator Sebök eingestellt

Der Auktionator wehrte sich gegen einen Strafbefehl, der wegen des Verbreitens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen gegen ihn ergangen war.
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Johann Sebök in seinem Auktionshaus, das in das Visier des Landeskriminalamts geraten war.  Foto: RR
Johann Sebök in seinem Auktionshaus, das in das Visier des Landeskriminalamts geraten war.  Foto: RR
Nach 40 Jahren als Kunsthändler und Auktionator, der immer unbescholten durch sein privates und berufliches Leben gegangen war, sah Johann Sebök sich gestern vor Richterin Christine Schäl im Verhandlungssaal 024 des Bamberger Amtsgerichts sitzen. Der Vorwurf: Er soll sich des Verbreitens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen schuldig gemacht haben. Paragraf 83 des Strafgesetzbuches sieht dafür Freiheitsstrafen bis zu drei Jahren vor.


Geldauflage halbiert

Sebök hatte zu Beginn des Jahres einen Strafbefehl mit einer Geldauflage von 1000 Euro erhalten und dagegen Einspruch eingelegt. Das Ergebnis der darauf hin für den 21. Juni anberaumten Verhandlung hat ihn aber sichtlich enttäuscht. Der erhoffte Freispruch blieb aus.
Lediglich zu einer Einstellung des Verfahrens nach Paragraf 153a ist es auf Vorschlag von Richterin Schäl gekommen.
Sebök muss nun eine Geldauflage von 500 Euro bezahlen. Ein sichergestellter Reservistenkrug aus dem Dritten Reich mit zwei Hakenkreuzen, der in seinem Geschäft in der Unteren Königstraße ausgestellt war, wurde eingezogen.
Sebök war im Vorfeld seiner Auktion vom 10. Oktober 2015 in das Visier des Landeskriminalamts geraten. Zwei Mitarbeiter des Verfassungsschutzes inspizierten die Schauräume und fanden den Bierkrug, die Hakenkreuze nach hinten gedreht. Im Online-Katalog der Versteigerung waren Bilder von Orden und Abzeichen mit dem Hakenkreuz zu sehen, außerdem zwei Zigaretten-Bilderalben und ein Rechtsgesetzblatt von 1943.
In den Geschäftsbedingungen hatte Sebök darauf hingewiesen, dass diese Gegenstände ausschließlich zu erlaubten Zwecken veräußert werden: beispielsweise für wissenschaftliche oder museale Zwecke. Seböks Verteidiger, Rechtsanwalt Jochen Kaller, betonte, dass alle ihm bekannten Auktionatoren der Meinung seien, dass diese Maßnahme bei brisanten Stücken aus dem Nationalsozialismus ausreichend und rechtens sei. In Seböks Fall solle man doch bitte unterscheiden: Einerseits seien die äußeren Umstände im Strafbefehl richtig dargestellt. Subjektiv aber sehe er für seinen Mandanten den Straftatbestand nicht erfüllt. Es komme doch darauf an, wie die Dinge gebraucht werden. Kaller zeigte den Katalog eines einschlägigen Händlers, der noch nie beanstandet worden sei. "Der einzige Unterschied bei meinem Mandanten ist doch, dass er die Bilder online gestellt hat." Dass das verboten sei, habe sein Mandant nicht gewusst. Selbstverständlich habe Sebök das sofort abgestellt.
Die Rechtsauffassung von Kaller, der sich auf eine Entscheidung des Landgerichts Koblenz stützte, vermochte Richterin Schäl nicht zu teilen. Sie zitierte aus anderen Urteilen, darunter eines, das 2006 vom Bundesverfassungsgericht ergangen war. "Die Gesetzeslage ist nun einmal so wie sie ist." Sebök habe gegen den Schutzzweck des Paragrafen 83 verstoßen. So seien die Hakenkreuze auf dem Bierkrug für jeden, der den Laden betreten habe, sichtbar gewesen. "Das ist ein abstraktes Gefährdungsdelikt. Jeder Tourist kann in den Laden gehen."
Bei Sebök und Kaller erntete sie Kopfschütteln: "Verstehen können wir es nicht, aber wir stimmen der Einstellung zu." Kaller konnte sich ein kleines Schlusswort nicht verkneifen: "Ich kenne alle Auktionatoren in der Region und noch nie hatte einer ein Problem." Auch sein Mandant Sebök sei in den vergangenen 40 Jahren noch nie von Behörden auf mögliche Fehler aufmerksam gemacht worden. "Und dann kommt so ein Bimberleswichtig vom LKA . . ."





























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