Bamberg
Untere Mühlen

Untere Mühlen: Bausenat genehmigt umstrittene Pläne

Die Wiedererweckung einer Mühleninsel wurde zu einer heftigen Debatte um den Umgang mit der Stadt. Nun hat der Bausenat den Wiederaufbau abgesegnet.
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Heute noch notdürftig geflickt sollen die denkwürdigen Reste der 1945 zerstörten Sterzersmühle bald zu einem neuen Anziehungspunkt in Bamberg werden.   Foto: Rinklef/Visualisierung: Architekturbüro Rosenberg
Heute noch notdürftig geflickt sollen die denkwürdigen Reste der 1945 zerstörten Sterzersmühle bald zu einem neuen Anziehungspunkt in Bamberg werden. Foto: Rinklef/Visualisierung: Architekturbüro Rosenberg
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Der Himmel hat sich nicht verdüstert, die Erde bebte nicht und es zerrissen auch keine Vorhänge, als Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) und zehn von zwölf Stadträten am Mittwoch gegen 17.15 Uhr die Hände hoben. Die Stunde der Mühlenentscheidung wird als harmlos sonniger Maitag in die Geschichte Bambergs eingehen.

Wird man sie am Ende verfluchen, wie einige Kritiker befürchten? Oder als hoffnungsvollen Neubeginn werten? Sicher ist: Das einfache Handzeichen am Ende eines von zehn Tagesordnungspunkten im Bausenat markiert einen Meilenstein in einer Debatte, die Bamberg seit 1945 beschäftigt und allzu oft gespalten hat.

Vordergründig ging es um die Wiederbelebung einer mittlerweile 71 Jahre alte Kriegswunde, eine Steinwurfweite vom Alten Rathaus entfernt. Doch ebenso wurde darüber gestritten, wie in einer alten Stadt neu zu bauen sei. Auftrumpfend modern, zurückhaltend bescheiden oder gar rekonstruierend? Dieser Diskurs wird wohl kaum zu Ende sein, wenn Investor Johannes Kraus im August mit der Verwirklichung seiner Pläne beginnt. Auf einer Regnitzinsel mit insgesamt drei Baurechten wird Bambergs neues Zentrum Welterbe in die Höhe wachsen. Und mehr noch: Im Erdgeschoss entsteht ein vom Wasser umspültes Gasthaus, unter dessen Freischankfläche ein Kraftwerk die Energie von 350 Einfamilienhäusern erzeugt.

Die Zustimmung zum Bauantrag von Kraus und dem Bamberger Architekten Heinz Rosenberg fiel nach der klaren Positionierung von CSU und SPD im Vorfeld erwartungsgemäß groß aus. Nur Ursula Sowa und Peter Gack von den Grünen verweigerten ihr Einverständnis und sprachen dem Vorhaben die "Anerkennung in der Fachwelt" ab. Einiges sei verbesserungsbedürftig, vieles ästhetisch fragwürdig, sagte Sowa und forderte einen weiteren Durchgang im Stadtgestaltungsbeira. Dabei berief sich die grüne Stadträtin auf eine Vielzahl von Stellungnahmen: aus dem Stadtgestaltungsbeirat, der Stadtheimatpflege und dem Landesamt für Denkmalpflege, die allesamt auch kritische Passagen enthielten.


Provozierend oder historisierend?

So wurde von diesen Institutionen unter anderem gefordert, "mutiger und zukunftsträchtiger" zu bauen und etwa den Zuschnitt des Grundstücks im Gebäude besser erkennbar zu machen. Da war vom "Eindruck einer Bankfiliale" die Rede, es ging um die zu wenig gegliederten Fensterflächen, um die Ähnlichkeit der Sandsteinverblendung mit den ebenfalls aus Sandstein bestehenden Fassadenresten der Sterzersmühle; es ging um Kritik am ursprünglich geplanten Schieferdach und nicht zuletzt auch um die mit 120 Quadratmetern als dürftig empfundene Ausstellungsfläche des Welterbezentrums.

Trotz der vielen Bedenken vermochten die Grünen, die Mehrheit nicht zu erschüttern. Franz-Wilhelm Heller (CSU) lobte, dass sich der "fein gegliederte Entwurf" hervorragend in das Umfeld einfügt und riet zu schneller Umsetzung. Wolfgang Metzner (SPD) sprach von einem "sinnvollen Nutzungskonzept". Die Kritik konnte ihn nicht beeindrucken. Auch Norbert Tscherner (BBB) lehnte eine zweite Lesung ab. "Für mich ist der Gestaltungsbeirat ein Verzögerungsbeirat." "Die Entwürfe sind weder provozierend noch historisierend", lobte Herbert Lauer (FW). Freude auch bei Daniela Reinfelder (Bub): Es werde Zeit für den Wandel.

Worum es im Kern geht, hatte Baureferent Thomas Beese formuliert. Aus seiner Sicht besitzt das Gebäude die nötige Maßstäblichkeit. Es sei nicht zu befürchten, dass es zu einer Konkurrenz zum Alten Rathaus kommt.
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