Bamberg
Mobilfunk

Umstrittener Funkmast in Bamberg-Bughof wird gebaut

2013 wurden Unterschriften dagegen gesammelt, auch Stadträte und die Regierung von Oberfranken wollten keinen Funkmast in Bughof. Sie blieben erfolglos.
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Das Foto lässt erkennen, dass die Funkmast-Baustelle direkt an den "Neptun"-Parkplatz angrenzt, aber auch an die unverbaute Natur der Buger Wiesen. Foto: Barbara Herbst
Das Foto lässt erkennen, dass die Funkmast-Baustelle direkt an den "Neptun"-Parkplatz angrenzt, aber auch an die unverbaute Natur der Buger Wiesen. Foto: Barbara Herbst
Es war still geworden um den geplanten Funkmast in Bamberg-Bughof. Doch Gras ist keines über das umstrittene Vorhaben der Deutschen Funkturm GmbH gewachsen. Im Gegenteil: Das Unternehmen, eine Telekom-Tochter, hat sich die von der Stadt verweigerte Baugenehmigung auf dem Klageweg erstritten und vor wenigen Wochen mit dem Bau begonnen.

Der 47 Meter hohe Mast wird auf einem Grundstück errichtet, das dem Wassersportverein "Neptun" gehört und das direkt an dessen Parkplatz angrenzt.
Die neue Sendeanlage soll den Mobilfunkempfang im Stadtteil Bug und am Buger Berg verbessern. Sie steht im Zusammenhang mit dem Funkmast, der schon am Buger Berg gebaut wurde und gegen den Anwohner 2013 ebenfalls vehement protestiert hatten.


Vor Verwaltungsgericht geklagt

Gegen den Standort in Bughof hatten sich mit ihren Unterschriften mehr als 1500 Mitglieder der beiden angrenzenden Schwimmvereine ausgesprochen, außerdem die Stadträte im Bausenat und die Regierung von Oberfranken. Man mochte sich das 47 Meter hohe Bauwerk gerade dort nicht vorstellen: mitten im Grünen und in nächster Nähe zu zwei Vereinen mit einem großen Anteil an Kindern und Jugendlichen.
Diese Argumente ließen die Juristen vom Verwaltungsgericht Bayreuth nicht gelten, wie Karin Köberlein aus dem städtischen Umweltamt auf Nachfrage sagt. Sie hätten vielmehr den Anspruch der Deutschen Funkturm GmbH auf eine Baugenehmigung bejaht und auf den Versorgungsauftrag der Deutschen Telekom AG hingewiesen. Das Urteil, mit dem die Stadt Bamberg verpflichtet wurde, das Vorhaben zu gestatten, ist datiert auf den 8. Oktober 2015. Die Baugenehmigung wurde am 4. März 2016 erteilt.

Dass der Mobilfunkempfang im Stadtteil Bug zu wünschen übrig lasse, sagt Manfred Drescher, der Vorsitzende des Bürgervereins Bug, auf Frage der Lokalredaktion. Er macht es daran fest: "Wenn ich auf dem Handy angerufen werde, muss ich in die Küche oder in den Garten gehen." Drescher kann die Aufregung nicht nachvollziehen, die der Bau der beiden Sendeanlagen 2013/2014 ausgelöst hat.

Karin Köberlein versichert, dass die Strahlung der neuen Anlage weit unter den Grenzwerten liegen werde. Niemand müsse eine gesundheitliche Beeinträchtigung befürchten und schon gar nicht die Besucher der Vereinsgelände, die sich ja nur stundenweise dort aufhalten würden. Jedes schnurlose Telefon habe eine stärkere Strahlung, so die Fachfrau aus dem Umweltamt. Die Skepsis in der Bevölkerung ist trotzdem groß. "Wo kleine Kinder spielen, gehört so ein Mast nicht hin", findet eine 74-jährige Frau, die zwar Mitglied im "Neptun" ist, seinerzeit aber die Unterschriftenaktion des benachbarten SVB gegen die Funkanlage unterstützt hat. Nach dem "Nein" des Bausenats und der Regierung hatte sie gehofft, die Sache hätte sich erledigt.

Einen anderen Aspekt spricht SVB-Vorsitzender Klaus Lachmann an, der 2013 die Unterschriftenaktion gegen den Funkmast ins Leben gerufen hatte. Wie er sagt, nutzte der Nachbarverein sein an die Deutsche Funkturm GmbH vermietete Stück Land bisher bei großem Besucherandrang als zusätzlichen Parkplatz. Diese Stellplätze würden jetzt fehlen. Das habe sich schon kürzlich bei einem Wettkampf im Nachbarverein bemerkbar gemacht. Weshalb Lachmann die Sorge hegt, dass an heißen Tagen verstärkt "Neptun"-Mitglieder auf die Idee kommen könnten, ihr Auto auf dem frei zugänglichen SVB-Parkplatz abzustellen. 


Aus Telekom-Sicht idealer Platz

Der neue Mobilfunkstandort soll nach Auskunft von Markus Jodl, Sprecher der Deutschen Telekom AG, nicht nur im Stadtteil Bug bis zum Campingplatz am südlichsten Stadtrand "eine optimale Versorgung mit Sprach- und Datendiensten gewährleisten", sondern auch im Gebiet der Kleingartenverein Sendelbach jenseits des Kanals. Dafür liege das Grundstück in Bughof ideal "im Zentrum dieses Versorgungsdreiecks", wie Jodl betont: "Ein Standort muss immer dort stehen, wo die Nutzer sind."

Handy und Handymast bildeten eine Einheit, sie würden Informationen miteinander austauschen. "Das ist anders als bei einem Fernsehturm, der nur aussendet, vom Fernsehgerät aber keine Rückinformation erhält."
Alle Befürchtungen und Vorwürfe, die immer laut werden, wenn irgendwo ein Funkmast gebaut werden soll oder entsteht, entbehren Jodl zufolge der Grundlage. "Mobilfunk, so wie wir ihn einsetzen, ist eine sichere Technik. Das bestätigen alle wichtigen Wissenschaftsgremien in In- und Ausland. Und deren Aussagen sind die Grundlage für die in Deutschland geltenden Gesetze." Jodl bricht eine Lanze für den Mobilfunk, auch, weil er nachweislich "jeden Tag Leben rettet". Die Notrufe, die bei Polizei und Feuerwehr eingehen, würden inzwischen zum Großteil über Mobilfunk geführt.

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