Bamberg
Uni-Aula

Umstrittene Glastür beim Schlenkerla: Was sagt das Landesamt?

Der Umgang mit dem historischen Tor zum Dominikanerbau weckt Kritik an einer Aufweichung zentraler Denkmalgrundsätze.Achim Hubel sieht Zusammenhänge mit anderen Verlusten im Welterbe Bamberg.
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Die Universität Bamberg wollte laut Landesamt für Denkmalpflege "einen besonders repräsentativen Aula-Zugang": Die umstrittene Glastür (rechts) vom Durchgang aus gesehen. Links der Eingang in die Aula Foto: Ronald Rinklef
Die Universität Bamberg wollte laut Landesamt für Denkmalpflege "einen besonders repräsentativen Aula-Zugang": Die umstrittene Glastür (rechts) vom Durchgang aus gesehen. Links der Eingang in die Aula Foto: Ronald Rinklef
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Möglicherweise ist die Tür ja doch noch nicht endgültig zugeschlagen. Die Hoffnung, dass das umstrittene Glas-Stahl-Portal zur neuen Uni-Aula wieder verschwindet, hat zumindest der Bamberger Baureferent Thomas Beese. Der Leiter der Unteren Denkmalschutzbehörde möchte nicht, dass ein Präzedenzfall die Glaubwürdigkeit des Bamberger Denkmalschutzes beschädigt. Er habe sich deshalb nach dem Einbau der Glastür umgehend mit dem Staatlichen Bauamt in Verbindung gesetzt. "Wir haben unseren Wunsch und unsere Bitte geäußert, die jetzt gefundene Lösung nach Möglichkeit wieder zu ändern", sagt Beese.

Doch welche Wirkung hat ein bloßer Appell? Er erhöht den öffentlichen Druck, der ohnedies nicht gering ist. Das gläserne Eingangstor hat in der Bamberger Bevölkerung seit seinem Auftauchen einen Sturm der Empörung ausgelöst. Weitgehend scheint man sich in der Ablehnung der als unpassend und unnötig empfundenen Entfernung alter Bausubstanz einig. Das geht aus Leserzuschriften hervor, die die Redaktion nach wie vor erreichen. Über 81 Prozent der Teilnehmer einer Umfrage auf infranken.de (nicht repräsentativ) haben zudem ihr Missfallen über den Eingang zum Dominikanerbau geäußert. Nur 15 Prozent finden ihn gelungen.

Der Entrüstung zum Trotz gibt es rechtlich es an der Tür nichts zu beanstanden. Die Genehmigung für den über 18 000 Euro teueren Einbau durch die Regierung in Bayreuth ist ordnungsgemäß erfolgt. Die beratende Fachbehörde, das Landesamt für Denkmalpflege, hat ihre Zustimmung erteilt. Zwar haben die Untere Denkmalschutzbehörde, das Welterbezentrum Bamberg und die Heimatpflege der Stadt mittlerweile Kritik formuliert, doch zu entscheiden haben sie in diesem Verfahren nichts. "Das letzte Wort hat der Freistaat", sagt Beese.

Auf besondere Kritik ist in Bamberg die Formulierung des Leiters des Staatlichen Bauamts, Jürgen König, gestoßen, wonach die Bereitschaft der Denkmalpflege gewachsen sei, auch "vorhandene Substanz in den Verlust zu geben".


Kein Paradigmenwechsel

Dazu haben wir den früheren Denkmalpflege-Professor Achim Hubel gefragt. Hubel, der nicht nur in Bamberg als Autorität gilt, verneint zwar, dass es einen Paradigmenwechsel in der Denkmalpflege gegeben habe. Erhaltene Substanz müsse erhalten bleiben, wenn es nicht unabdingbare Gründe für den Abbruch gebe, zum Beispiel die Funktionsuntüchtigkeit. Den Einbau der Glastür schätzt Hubel daher als "völlig überflüssig" ein, die alte Tür sei noch gebrauchsfähig gewesen.

Hubel betont allerdings auch, dass es an der Spitze des Landesamtes einen Wandel in der Auffassung gegeben habe. Die Kriterien für Denkmalpflege würden derzeit weicher und eigentümerfreundlicher ausgelegt als vormals, was in Einzelfällen und vor allem mit Rücksicht auf Rendite-Interessen von Investoren schon zum Abriss von Denkmälern führte.

Hubel stellt außerdem einen Zusammenhang mit anderen umstrittenen Sanierungsvorhaben in Bamberg her. Dabei hätten "vorbildlich scheinende Institutionen" wie etwa die Bürgerspitalstiftung oder die Stiftung Weltkulturerbe Bamberg ohne Rücksicht auf hohe Kosten originale Substanz für zweifelhafte Ästhetikvorstellungen geopfert, etwa die Treppe an der Villa Schröppel oder den historischen Garten.

Als absolut schädlich bezeichnet Hubel, dass neben dem Verlust von historischer Substanz so der Eindruck erweckt werde, Denkmalschutz sei von normalen Bürgern nicht mehr bezahlbar. Sowohl für das Gründerzeithaus auf dem Michelsberg als auch "das kleine Handwerkerhaus Nürnberger Straße 2" seien unnötig Millionensummen ausgegeben worden, während gleichzeitig das bewährte Fördermodell "Bamberger Weg" auszutrocknen drohe.

Unterdessen hat FDP-Stadtrat Martin Pöhner bei OB Andreas Starke (SPD) beantragt, dass sich die Stadt beim Freistaat Bayern für einen Rückbau der neuen Glastür der Universitätsaula in der Dominikanerstraße und einen Wiedereinbau der historischen Holztür einsetzen soll.
"Der ohne wirklichen Grund erfolgte Ersatz der historischen Tür mitten im Altstadtkern durch eine moderne Glastür ist ein gefährlicher Präzedenzfall", kritisiert FDP-Kreisvorsitzender Jobst Giehler. "Es besteht die Gefahr, dass sich künftig immer mehr Hauseigentümer im Welterbe auf das Vorgehen der staatlichen Universität berufen und immer mehr historische Holztüren durch Glastüren ersetzen."

Auf Dauer sieht die FDP durch eine solche Genehmigungspraxis des Landesamtes sogar den Welterbestatus Bambergs in Gefahr. "Genehmigt das Landesamt in Bamberg als nächstes den Ausbau historischer Stuckdecken und deren Einlagerung?", fragt man in der FDP. Es könne doch nicht sein, dass ausgerechnet das Landesamt für Denkmalpflege und die Universität die jahrzehntelangen Bemühungen der Bamberger Bürger nun konterkarierten, ihre Altstadt zu erhalten.

Nachdem es bisher unwidersprochen geheißen hatte, die umstrittene Glastür habe trotz einer vorhandenen historischen Holztür die Zustimmung vom Landesamt für Denkmalpflege erhalten, kam am Dienstagnachmittag eine Erklärung aus München, die den Sachverhalt in einem neuen Licht darstellt.


Lösung aus Holz und Glas?

Auf unsere Anfrage stellt die Pressesprecherin der Denkmalbehörde, Dorothee Ott, fest, man gehe davon aus, dass die jetzige Glastür nicht die endgültige Lösung darstellt. Es sei zu hoffen, dass einvernehmlich eine der gemalten Portalgestaltung angemessene, hochwertig Lösung gefunden werde. Dazu könnte u.a. auch eine moderne Türlösung hinter dem historischen Holztor in Erwägung gezogen werden. Ob diese Idee einem Kompromiss den Weg bahnen könnte, dazu mochte Jürgen König vom Bauamt am Dienstagabend keine Feststellung treffen. Die Forderung nach einem Rückbau der Glastür sei bisher noch nicht an ihn herangetragen worden.


Repräsentativer Aula-Zugang

Bestätigt hat das Landesamt unsere Frage, ob es tatsächlich eine Zustimmung von der für Bamberg zuständigen Nebenstelle in Schloss Seehof für die Glastür gegeben habe. Die Fachbehörde habe den Wunsch der Uni Bamberg nach einem repräsentativen Aula-Zugang nachvollziehen können und habe den Überlegungen zu Alternativlösungen zum bestehenden Holztor zugestimmt.



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