Bamberg

Umsonst in Bamberg: Hier bleibt der Geldbeutel zu

Das Mosaik Umsonst-Kaufhaus in der Bamberger Zwerggasse stellt eingespielte Spielregeln auf den Kopf. Spenden und Mitgliedsbeiträgen des Vereins "Umsonst in Bamberg" machen es möglich.
Artikel drucken Artikel einbetten
In den Umsonst-Regalen zu stöbern, macht durchaus Spaß. Foto: Dieeter Grams
In den Umsonst-Regalen zu stöbern, macht durchaus Spaß. Foto: Dieeter Grams
+3 Bilder
In der Bamberger Zwerggasse gibt es seit dem 4. Juli ein ganz und gar ungewöhnliches Kaufhaus. Die Macher des eingetragenen Vereins "Umsonst in Bamberg" stellen mit dem Betrieb des "Mosaik Umsonstladens" das klassische Prinzip des Handels - Ware gegen Geld - komplett und vollständig auf den Kopf.

Ware gibt es natürlich, Ware jedweder Art, aber bezahlen muss der Kunde nichts. Und kommen und "einkaufen" dürfen alle - Junge und Alte, Schüler, Studenten und Rentner, denn das Umsonst-Kaufhaus will mehr sein, und ist mehr als nur die bloße Präsentation von Büchern, Bekleidung, CDs, Haushaltswaren, Glas, Porzellan oder Videos. Begegnungsstätte will man sein, Menschen zusammenbringen und zum Austausch bewegen. Auch wenn es mal mehr als nur eine Meinung ist.

Die Idee für diese sanfte Revolution ist nicht mehr jung. Im Dezember 2013 war das Ganze noch ein Traum, eine noch verschwommene Gedankenwelt in den Köpfen einer Hand voll junger Leute. Aber dann setzte sich ein Mechanismus in Bewegung, dem sich kaum jemand entziehen kann. Diese jungen Menschen konnten es jedenfalls nicht: Ein einmal im Kopf manifestierter Gedanke drängt mit Macht danach, Wirklichkeit zu werden.

"So ein bisschen haben wir noch rumgesponnen, dann ging es plötzlich sehr schnell", erinnert sich Jana Witschard, die Erste Vorsitzende des Umsonst-Vereins. Ein Titel, auf den sie keinen besonderen Wert legt, denn: "Hierarchien gibt es bei uns nicht." Aber auch Revolutionen brauchen Spielregeln, und ein eingetragener Verein einen Primus interparis, einen Ersten unter Gleichberechtigten.


Ungläubiges Staunen

Im Mai 2014 wurde der Umsonstladen eröffnet, seiner Zeit in der Luitpoldstraße, und durchaus auch begleitet von ungläubigem Staunen. Alles umsonst? Wie geht das denn? Wie ist Einzelhandel möglich ohne Umsatzzahlen, ohne Lagerkennziffern, ohne den Blick auf Umschlagshäufigkeit oder Bruttogewinne und gänzlich ohne Einkaufsbüros in Südost-Asien?

Das geht spendenbasiert, über Mitgliedsbeiträge, eine sehr moderate Miete für die circa 75 Quadratmeter "Verkaufs"-Fläche in der Zwerggasse ("Wir haben zwar neue Räume gesucht, aber eigentlich haben die Räume uns gefunden"), aber vor allem durch den hohen, ehrenamtlichen Einsatz der aktuell zwölf aktiven Ladeninhaber, die umschichtig vor Ort sind. Eine Verstärkung der Truppe sei jederzeit willkommen, so Witschard: "Neben der Arbeit hier haben wir alle unseren Beruf oder das Studium." Das Publikum sei total gemischt, so "ab dem Studentenalter aufwärts", sowohl Stamm- wie auch Laufkundschaft. Kein Geld für Ware - das Prinzip funktioniert.
Immer donnerstags kommen seit einiger Zeit auch noch die Lebensmittelretter dazu, die ihre Beute über einen "Fairteiler", einen geräumigen Kühlschrank, wieder an den Mann oder die Frau bringen. Auch das natürlich kostenlos. Man arbeitet Hand in Hand, aber eine kurze Auszeit in der gemütlichen Bücherecke ist auch schon mal drin.

"Glücklich das Land, das keine Helden braucht", sagte Bert Brecht. Wir leben allerdings in einer Wohlstandsgesellschaft, die Helden bitter nötig hat. Jedoch nicht jene Plastikwesen, die uns Hollywood, das Fernsehen, die Politik oder der Sport inflationär ununterbrochen servieren.

Jana Witschard und ihre Leute gehören zu den wahren Helden unserer seelenlosen Zeit. Alltagshelden, die, ohne auf ein Danke zu warten, für andere einfach da sind. Nämlich immer dienstags, donnerstags und freitags von 16 bis 19 Uhr, am Mittwoch von 11 bis 16 Uhr und am Samstag von 12 bis 16 Uhr.

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren