Ebrach
Strafvollzug

Übers Schweißen aus dem Knast gekommen

Der junge Gefangene M. hat es über seine Ausbildung und Wettbewerbserfolge geschafft, einen Arbeitsplatz zu bekommen. So konnte er vor Ablauf der Strafe aus der JVA Ebrach entlassen werden.
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Der junge M. erhält in der JVA Ebrach Tipps von den Meistern Werner Förtsch (rechts) und Jochen Schwank. Foto: privat
Der junge M. erhält in der JVA Ebrach Tipps von den Meistern Werner Förtsch (rechts) und Jochen Schwank. Foto: privat
Im Schweißen liegt wohl M.'s Zukunft. Das Schweißen hat ihm im Knast mehrfach Sonderurlaub eingebracht: Für einen Wettbewerb und für eine Woche Probe-Arbeiten. Jetzt bereitet er sich neben der Arbeit auf den Landeswettbewerb vor. Er will sich immer weiter perfektionieren. Dank seines beruflichen Könnens ist der junge Mann inzwischen vorzeitig aus der Justizvollzugsanstalt (JVA) Ebrach gekommen lassen: Denn nach dem Probearbeiten hat er prompt eine Arbeitsstelle gefunden, die beste Voraussetzung für ein künftig straffreies Leben.
M. arbeitet er also "draußen".

Und der 20-Jährige fiebert dem Landeswettbewerb: "Jugend schweißt" entgegen. Jochen Schwank und Werner Förtsch fiebern mit dem jungen Mann. Im Gefängnis standen sie ihm mit fachlichen Tipps zur Seite und sie sind vor allem eines: stolz auf M., der der Erste und vermutlich auch der Einzige bleiben wird, der es von den Azubis zum Bezirks- und Landessieger im Schweißen schafft. Denn dieser Ausbildungsbetrieb befindet sich schließlich hinter Gittern: die Schlosserei der Ebracher JVA.

Die bildet junge Männer wie M. zum Metallbauer Richtung Konstruktionstechnik aus. Das ist oft schon ein schwieriges Unterfangen, aber M. sei der Lichtblick gewesen, sagen seine Meister Schwank und Förtsch.
M. war in seinem vorherigen Leben bereits Azubi in diesem Beruf. Dann kam dieser Aussetzer, der sein Leben so völlig veränderte und ihn aus der Bahn warf, wie er andeutet. Über den Beruf will M. wieder ins normale Leben zurückfinden. Deswegen ist er im Knastbetrieb fleißig, wissbegierg und wohl auch ehrgeizig wie kaum ein anderer gewesen, gestehen die Ausbilder zu.
 
Vor zwei Jahren Landessieger

Vor zwei Jahren war M. bereits einmal Landessieger bei "Jugend schweißt". Das ist ein berufsständischer Wettbewerb, der seit 1995 jährlich stattfindet, beginnend auf Bezirksebene, die nächste Ebene bildet die Landesebene und die Krönung ist dann jeweils der Bundeswettbewerb. Teilnehmen können alle jungen Schweißer im Alter zwischen 16 und 23 Jahren. Unter Wettbewerbsbedingungen sollen sie zeigen, was sie mit einem Lichtbogen von 4000 bis 5000 Grad mit Metall so alles anfangen können. "Gute Schweißer sind gefragt," weiß Werner Förtsch. Da gebe es kaum einen, der nicht beschäftigt ist.

M.'s Mühen für den jüngsten Wettbewerb hatten umgehend Früchte getragen, ihm diverse Einladungen fürs Probearbeiten bekommen, berichtet Jochen Schwank. Dafür hat M. erneut Sonderurlaub bekommen. Gefangenen, die im Knast arbeiten und weitere Voraussetzungen erfüllen, steht Urlaub zu. M. hatte Urlaub für den Wettbewerb genommen.

Wenngleich der Leiter der Ebracher Justizvollzugsanstalt (JVA) Gerhard Weigand anfangs vor seiner Unterschrift unter den Antrag irritiert stutzte und erstaunt nachfragte: "Jugend schweißt"? "Jugend musiziert" oder auch "Jugend trainiert" war ihm da wohl geläufiger gewesen. Aber keine Frage, an der Unterstützung der Anstalt soll's nicht liegen, zumal Derartiges nur der Resozialisierung dienen könne.

Dreieinhalb Jahre dauert die Ausbildung zum Metallbauer und mit der zusätzlichen Schweißausbildung und den hervorragenden Wettbewerbsergebnissen als Sahnehäubchen sollte M. in ein reguläres Leben zurückfinden können.

M.'s Fall sei einer, der Hoffnung gebe, sagen die Ausbilder. Jedes Jahr werden in der JVA Ebrach im Schnitt 16 Gefangene zu Handwerksgesellen, weiß Michael Wagner, der sie in Sachen Berufsschule begleitet. Auch für ihn ist ein Wettbewerbsteilnehmer und Sieger die große Ausnahme. "Da sieht man, die Ausbildung hat wirklich Sinn," findet auch Werner Förtsch.

Ein Idealfall

Von M.'s Beispiel als "Idealfall" spricht JVA-Chef Weigand. "Das streben wir an, von der Ausbildung hier, direkt in den Beruf." Auf jeden Fall werde alles dafür getan, dass die jungen Männer die Zeit im Gefängnis sinnvoll nutzen, einen schulischen Abschluss beziehungsweise eine Berufsausbildung absolvieren. Dafür gibt es hier immerhin 59 Ausbildungsplätze in 17 Berufen. Damit aus Zeugnissen und Handwerksbriefen nicht ersichtlich ist, dass sie während einer Haftzeit ausgestellt wurden, seien sie etwa von der Berufsschule Bamberg respektive der Handwerkskammer Oberfranken ausgestellt, führt Weigand weiter aus. Da Jugendstrafen nach einigen Jahren getilgt werden, stehen die Chancen gut, dass M. wieder ein ganz normales Mitglied der Gesellschaft wird. Und wenn's so weiter läuft, wohl wird er auch in Sachen Schweißen sehr gefragt sein.

Jetzt stünden ihm wieder viele Wege offen, bestätigt M. im Gespräch mit unserer Zeitung. Die Schule habe er seinerzeit wohl "ziemlich verkackt". Mit dem Gesellenbrief in der Tasche könne er nun aber den Meistertitel in Angriff nehmen und vieles mehr. In seinem Beruf, so wird deutlich, möchte M. es zu etwas bringen.

"Resozialisierung funktioniert am besten mit beruflicher Integration", sagt Anstaltsleiter Weigand abschließend.


Daten und Fakten zu den Ausbildungsmöglichkeiten in der JVA Ebrach:

Berufliche Bildung
In der JVA Ebrach sind 35 Handwerksmeister beschäftigt. Der anfallende
fachtheoretische Unterricht in allen Berufsbildungsmaßnahmen wird
ausschließlich von anstaltseigenen Beamten des mittleren Werkdienstes
abgedeckt.

Für die Ausbildung stehen 57 Lehrplätze in 17 verschiedenen
Handwerksberufen zur Verfügung: Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- u. Klimatechnik,
Bäcker, Bauten- und Objektbeschichter / Maler und Lackierer, Elektroniker - FR: Energie- und Gebäudetechnik,
Feinwerkmechaniker,Hochbaufacharbeiter,Holzfachwerker/Schreiner,Koch,Kraftfahrzeugmechatroniker/Kraftfahrzeugservicemechaniker, Fahrzeuglackierer, Maurer,Metallbauer, Metzger, Gärtner,Landwirt.

Daneben gibt es noch 38 Plätze in 6-monatigen EQ-Maßnahmen und Grundlehrgängen in den Bereichen Bautechnik, Gebäudereiniger, Holztechnik, Metalltechnik, Farbtechnik und Raumgestaltung.

Schulische Bildung
Im Jugendvollzug wird neben der beruflichen Ausbildung auch sehr viel Wert auf die schulische Bildung gelegt. Von der Schulabteilung der JVA werden u. a. folgende Maßnahmen angeboten: jährlich zwei Kurse zur Erlangung des erfolgreichen Hauptschulabschlusses, ein Kurs zur Erlangung des qualifizierenden Hauptschulabschlusses. Berufschulunterricht für Auszubildende.Elementarkurs für Analphabeten und Lernschwache.Vorbereitungskurs für die Hauptschule oder die Grundlehrgänge/EQ-Maßnahmen

Zahlen aus dem Jahr 2014:
18 Facharbeiterbriefe in folgenden Berufen: Schreiner, Maler u. Lackierer, Kfz-Mechatroniker, Kfz-Servicemechaniker, Holzfachwerker, Bäcker, Hochbaufacharbeiter, Elektroniker, Bauten- und Objektbeschichter, Bauten- und Objektbeschichter, Hochbaufacharbeiter, Maurer, Maler u. Lackierer, Metallbauer, Schreiner, Kfz-Servicemechaniker, Bäcker, Maurer.

Weitere berufliche Qualifizierungsmaßnahmen:

21 x Fahrausweise für Gabelstapler, 9 x Gebäudereiniger, 30 x Schweißprüfung MAG, 5 x Einstiegsqualifizierung Maurer, 6 x Einstiegsqualifizierung Tischler, 6 x Einstiegsqualifizierung Maler und Lackierer


Schulabschlüsse:
24 x erfolgreicher Mittelschulabschluss, 11 x Qualifizierender Mittelschulabschluss.

Weitere schulische Kurse:
5 x Elementarkurs, 22 x Vorbereitungskurs.

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