Bamberg
Bühne

Über "Glöß" und andere Mysterien

Eine Geschichte vom "Ankommen und (Ein-)Leben in Bamberg" erzählt das Stück "Fremd?Sprache!", das am 15. 12. in der Alten Seilerei Premiere feiert.
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Walaa Ezeddin, Lisa Stache, Hussam und Wessam Fawaz in einer Szene des gemeinsam entwickelten Stücks "Fremd?Sprache!".  Foto: Denis Meyer
Walaa Ezeddin, Lisa Stache, Hussam und Wessam Fawaz in einer Szene des gemeinsam entwickelten Stücks "Fremd?Sprache!". Foto: Denis Meyer
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Während der Proben wird viel gelacht. Ja, die Akteure der interkulturellen Theatergruppe von Chapeau Claque verstehen sich bestens. Keine Selbstverständlichkeit angesichts der unterschiedlichen Sprachen, die die Darsteller sprechen - Tigrinisch, Arabisch, Englisch, Bayrisch, Berlinerisch und Fränkisch. Aber keine Sorge, liebes Publikum: Fürs Theaterstück, das die interkulturelle Truppe morgen auf die Bühne der Alten Seilerei bringt, braucht man keine Übersetzungshilfen. Um 19.30 Uhr feiert "Fremd?Sprache!" Premiere und bietet dabei für Bamberger amüsante Perspektivenwechsel.



Auch verschiedene Dialekte

"Wie ist's, in einer Region Deutsch zu lernen, in der Mundart gesprochen wird?" Dieser Frage widmeten sich die zwölf Teilnehmer des Bühnenprojekts in den vergangenen Monaten augenzwinkernd: Sechs Flüchtlinge aus Syrien und Eritrea nebst sechs Darstellern aus verschiedenen Dialektzonen unserer Republik, die mit wieder anderen, innerdeutschen Sprachbarrieren kämpfen. "Die originellsten Missverständnisse entstehen auf diese Weise", meint Daniel Reichelt als Theaterpädagoge, der bei dem Stück an der Seite von Kristina Greif Regie führt. So sei gleich bei den ersten Treffen die Idee entstanden, eine Geschichte über das "Ankommen und (Ein-)Leben in Bamberg" zu entwickeln.



Beim "Franken-Tatort"

Weil er sich schon immer fürs Theater begeisterte, schloss sich Wessam Fawaz der bunt zusammengewürfelten Truppe an. Zumal er zuvor schon im "Franken-Tatort" mitspielte: "Als Bad Boy", wie der 20-jährige Syrer berichtet, der mit seinen Eltern und Geschwistern bislang noch in einer Flüchtlingsunterkunft wohnt. Auch der in Bamberg gedrehte "Tatort" wird in dem gemeinsam entwickelten Stück "Fremd?Sprache!" ja thematisiert: So sorgt ein Darsteller, der sich auf seine Rolle in dem Krimispektakel vorbereitet, als vermeintlicher Terrorist für Panik.


"Da reimt sich vieles"

Doch zurück zu Wessam, der dem Publikum als GangsterRapper eine wilde Mixtur aus Arabisch, Englisch und Deutsch serviert. "Deutsch ist eine interessante Sprache - da reimt sich vieles", sagt der Syrer, der seit einem Jahr in Bamberg lebt und angesichts des Bürgerkrieges in seiner Heimat in eine ungewisse Zukunft blickt. Umso dankbarer ist der 20-Jährige für die Unterstützung, die seine Familie nach ihrer Ankunft in Franken erfuhr. "Alles ist hier ganz anders. Aber die Leute sind nett - das hat uns sehr geholfen."


Ein Studium beginnen

Als Berufsschüler absolviert Wessam Fawaz gerade noch die nötigen Kurse, um danach eine Ausbildung beginnen zu können. Während sich sein Bruder Hussam auf die Zulassung zum Tiermedizin-Studium vorbereitet. Der 22-Jährige spielt in "Fremd?Sprache!" einen Übersetzer, den er selbst hin und wieder noch im extrem mundartgeprägten Umfeld bräuchte. "Deutsch verstehe ich mittlerweile ganz gut - zu 70 Prozent", sagt Hussam Fawaz. Fränkisch sei schon eine andere Herausforderung: "40 Prozent Verständnis - allenfalls."



Komische Kartoffeln

Was er in Bamberg noch als besonders gewöhnungsbedürftig empfand, wollten wir von dem Syrer wissen: "Eine Art gefüllte Kartoffeln, aber ganz komisch weich". Klöße meinte der 22-Jährige, wie sich im weiteren Gespräch mit Hussams Bruder Wessam Fawaz herausstellte, der dabei gleich noch seine Vorliebe für Bamberger Hörnla bekannte.



Als Veganerin

Als Veganerin lernte Walaa Ezeddin das kulinarische Spektrum ihrer neuen Heimat zu schätzen: "In Syrien ist man gegenüber Veganern nicht so tolerant", sagt die 26-Jährige, die sich neben der Theatergruppe noch einem alternativen Bamberger Chor anschloss. Auch anderweitig genieße sie als Frau ungewohnte Freiheiten. "Man kann in Deutschland über alles reden, es gibt keine Tabus", meint Walaa Ezeddin, die aus einer konservativen Familie stammt: Eine Atheistin, die sich wie Hussam Fawaz um eine Zulassung bemüht, um Linguistik zu studieren. Übrigens stammt auch das Bühnenbild zu "Fremd?Sprache!" von Walaa Ezeddin, die der Premiere in der Alten Seilerei - wie alle Beteiligten - schon gespannt entgegen sieht.


Auf einen Blick

"Fremd?Sprache!" ist der Titel eines Theaterstücks, das Geflüchtete und Wahl-Bamberger miteinander entwickelten. Premiere feiert "Fremd?Sprache!" am 15. Dezember ab 19.30 Uhr in der Alten Seilerei. Weitere Aufführungen sind am 16. und 17. Dezember ab 19.30 Uhr vorgesehen. Tickets sind über den BVD erhältlich.

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