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Bamberg
Leben in der Kaserne

Über 200 Zivilbeschäftigte suchen jetzt einen Job

Mit dem Abzug der Amerikaner verlieren auch die Zivilangestellten ihre Arbeit. Noch haben sie mehr als reichlich zu tun. Doch was geschieht mit ihnen nach dem 30. September, wenn die Kaserne endgültig geschlossen wird?
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Für Personalrat Eduard Mayer, hier am Fenster seines Büros in der Lagarde-Kaserne hat der Countdown längst begonnen. Foto: Riegerpress
Für Personalrat Eduard Mayer, hier am Fenster seines Büros in der Lagarde-Kaserne hat der Countdown längst begonnen. Foto: Riegerpress
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Auf den ersten Blick ein Paradoxon. Obwohl aktuell nur noch rund 100 amerikanische Soldaten mit ihren Familien in den Warner Barracks leben, haben die Zivilangestellten mindestens genauso viel an Arbeit, als wenn noch 10 000 GIs hier beheimatet wären. Eduard May-er, Vorsitzender der Betriebsvertretung der US-Garnison Bamberg, klärt auf: "Zum einen haben wir durch den Ab- bzw. den Umzug der Amerikaner viele zusätzliche Arbeiten bewältigen müssen. Und zum anderen sank die Zahl der Zivilbeschäftigten in den letzten zwei Jahren kontinuierlich."

Waren zum März 2013 noch 331 ortsansässige Arbeitnehmer beschäftigt, so sind es laut Mayer aktuell noch 242. Daher habe fast jeder Zivilangestellte in den letzten Monaten zwei oder drei Aufgaben zusätzlich übernehmen müssen.
"Wir haben beispielsweise Elektriker in der Kaserne, die sich morgens um die Stromversorgung kümmern, nachmittags Rasen mähen und am Spätnachmittag als Lkw-Fahrer eine Fracht in die Kaserne in Ansbach überführen", schilderte Ed Mayer.

Erst jetzt beginne für den Großteil der deutschen Arbeitnehmer die "heiße Phase" der Jobsuche. Rund 90 von ursprünglich über 300 Arbeitnehmern konnten in andere Kasernenstandorte wechseln oder sind in Rente gegangen. Weitere 21 Arbeitnehmer gehen nach dem 30. September in Ruhestand, fünf haben aktuell noch Aussicht in einer anderen Kaserne Arbeit zu finden. Damit werden laut Mayer wohl 216 Menschen zum 1. Oktober arbeitssuchend sein.

Das Portfolio der zivilen Arbeitnehmer, die meist langjährig beschäftigt waren, ist übrigens groß. Nahezu alle Berufsfelder sind vorhanden. Der Großteil der verbliebenen deutschen Belegschaft verfügt über eine kaufmännische Ausbildung und arbeitet als Verwaltungsangestellte oder -angestellter. 20 Prozent sind ausgebildete Handwerker wie Elektriker, Schreiner, Maurer oder Installateure. Etwa zwölf Prozent verfügen über eine akademische Ausbildung, besetzten Positionen als Ingenieure, Lehrer, Rechtsanwälte oder in der Pressestelle. Dann gibt es noch ungelernte Arbeiter, etwa Kassierer oder Küchenhelfer.

Schwieriges Alter
Die durchschnittliche Betriebszugehörigkeit liegt bei 26 Jahren. Das Durchschnittsalter der Beschäftigten liegt bei 56 Jahren. "Und gerade dies macht es für viele von uns so schwierig, einen neuen Job zu finden. Viele sind für die Rente noch zu jung, für den Arbeitsmarkt aber anscheinend schon zu alt", schilderte der Personalrat. Und dies trotz ihrer hohen Qualifikation. So würden laut Mayer nahezu alle mindestens zwei Sprachen sprechen, hätten regelmäßig Fortbildungsmaßnahmen besucht und seien alle äußerst kundenorientiert. "Im Gegensatz zu Deutschland wird Service und Kundennähe in Amerika großgeschrieben. Wir haben unsere Soldaten immer als Kunden behandelt mit all der von uns erwarteten Freundlichkeit."

Zudem hätten alle Mitarbeiter viel Erfahrung auf ihrem Gebiet, würden die neuesten Kommunikationsmittel nutzen, brächten multikulturelle Erfahrung mit und seien an leistungsbezogenes Arbeiten gewöhnt, lobt Mayer die Vorzüge der deutschen Armeemitarbeiter. Und dennoch habe man unter den zivilen Arbeitnehmern momentan das Gefühl, man grabe nicht nur sein eigenes Grab, sondern schaufle es selbst auch noch zu.

Denn das Arbeitsverhältnis endet für die ortsansässigen Zivilangestellten zum 30. September 2014. Zum 1. Oktober werden dann die meisten für sechs Monate in eine Transfergesellschaft überführt. Dadurch erhielten sie noch bis Anfang nächsten Jahres aus verschiedenen Töpfen Lohnfortzahlungen. Wer jedoch bis zum 1. April 2015 noch keinen neuen Job gefunden hat, muss dann mit dem Arbeitslosengeld auskommen. Nur wer jedoch ohne Unterbrechung mindestens zehn Jahre bei den Streitkräften beschäftigt war und mindestens 40 Jahre alt ist, sowie eine sozialversicherungspflichtige Anschlussbeschäftigung besitzt, hat Anspruch auf die Überbrückungshilfe TASS ("Tarifvertrag Soziale Sicherung").

"Allerdings", so berichtet Mayer "ist das Überbrückungsgeld gestaffelt. Sie wird zwischen zwei und fünf Jahren lang gewährt, je nach Alter und Beschäftigungszeit." Und nur wer mindestens 25 Jahre beschäftigt war und mindestens 50 Jahre alt ist, erhält bis zum Renteneintritt die Überbrückungsbeihilfe.

Eduard Mayer hofft nun, dass möglichst viele Arbeitgeber sich von der hohen Qualifikation und den Vorzügen der Zivilangestellten überzeugen lassen. "Zudem könnte man einen Arbeitsuchenden dank der Überbrückungshilfe zumindest für eine Zeitlang auf sozialversicherungspflichtiger Teilzeit anstellen und man bekomme dafür eine Vollzeitkraft."

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