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Bamberg
Wetterkapriolen

Trotz Aprilfrost: Bamberger Salat ist schon erntereif

Kontraste in der Gärtnerstadt Bamberg: Der warme März förderte das Salatwachstum, die April-Kälte bereitet den Obstbauern Sorge.
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Dank warmer Märztage und Folienanbau kann Hans-Jürgen Eichfelder seine Mischsalate heuer so früh wie noch nie ernten. Foto: Matthias Hoch
Dank warmer Märztage und Folienanbau kann Hans-Jürgen Eichfelder seine Mischsalate heuer so früh wie noch nie ernten. Foto: Matthias Hoch
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Das ganze Ausmaß der Schäden durch den Frost der vergangenen Nächte ist auf den Bamberger Anbauflächen noch nicht absehbar. Eins zeichnet sich aber schon ab: Die Obsterzeuger hat es schlimmer erwischt als die Gemüseerzeuger.

Claudia Bauer, Chefin von Zimmers Obstgarten, zieht jedenfalls eine deprimierende erste Bilanz: "Für Kernobst sieht es nicht gut aus." Die Blüten ihrer Apfel- und Birnenbäume sind noch schlimmer mitgenommen, als sie es befürchtet hat. Auch bei den Erdbeeren hätten nur die Pflanzen überlebt, die abgedeckt waren. Bauer hat am Donnerstag eigens noch Folien gekauft, weil eine eisige Nacht angekündigt war. Etwa die Hälfte der Erdbeerfelder war ungeschützt.

Eine Prognose für andere Beeren und so empfindliche Sorten wie Pfirsiche und Aprikosen, die nach dem warmen März ebenfalls schon in voller Blüte standen, wagt sie nicht abzugeben. Da müsse man abwarten.

Aufatmen dagegen bei den Bamberger Gemüseanbauern. "Uns hätt's echt schlimmer erwischen können", konstatiert mit Erleichterung Christian Burgis, der zweitgrößte Erzeuger in Nord- und Südflur nach Hans-Jürgen Eichfelder. Auch dieser berichtet von einem bislang guten Start in die Saison. Allerdings will er sich nicht zu früh freuen. Für den Montag sei nochmals eine kalte Nacht gemeldet und überhaupt: "Abgerechnet wird am Schluss." Es müsse nur zwei Mal Hagel kommen, dann sehe das Fazit ganz anders aus.

Der nachösterliche Frost jedenfalls scheint den Kulturen im Gärtnerland nicht nennenswert zugesetzt zu haben. Zu verdanken sei das in erster Linie dem Umstand, dass die frühen Erzeugnisse unter Vliesen und Folien heranwachsen, sagt Eichfelder: "Ein Vlies wirkt wie ein Treibhaus." Darunter sei es nachts 3 bis 4 Grad wärmer, tagsüber sogar 5 bis 10 Grad, wenn die Sonne drauf scheint.

Und weil der März außergewöhnlich warm war, könne man heuer den ersten Freilandmischsalat sogar deutlich früher ernten als üblich. "So bald waren wir noch nie dran", versichert Eichfelder, der auch Vorsitzender des Unteren Gärtnervereins ist. Er wird heute damit beginnen, den ersten Satz von Eichblattsalat, Lollo und Co. zu schneiden. Üblicherweise sei das nicht vor dem 28. April möglich.

Burgis beurteilt den Saisonstart ähnlich positiv - und ähnlich abwartend. Auch er berichtet von einem regelrechten Wachstumsschub für die frühen Sorten durch den warmen und trockenen März. Man habe bei den meisten Kulturen rund zwei Wochen Vorsprung gehabt. Durch die April-Kälte sei der Zeitgewinn zwar wieder dahin, aber das sei verkraftbar. Nur die Frühkartoffeln haben laut Bur-gis "einen Zwick" abbekommen. Das müsse aber noch nichts bedeuten: "Der könnte auch wieder 'rauswachsen".

Ernteausfälle durch späte Fröste gab und gibt es immer wieder, auch im Raum Bamberg, der als relativ geschützt gilt. Obstgärtnerin Bauer erinnert sich an einen Totalausfall bei Äpfeln, Birnen und Zwetschgen um 1980/1981 herum. Sie hofft inständig, dass es heuer nicht so schlimm kommt. Ein bisschen beneidet sie ihre Kollegen vom Gemüse-Fach: "Bei Gemüse ist es das Gute, dass man noch einmal nachpflanzen kann." Bei Obst gehe das nicht.

Und welche Folgen hatte der jüngste Kälteeinbruch für die städtischen Anlagen? Keine, sagt Robert Neuberth, der Leiter des Gartenamts. Die ausgepflanzten Stiefmütterchen und Bellies würden solche Temperaturen aushalten. Der empfindliche Sommerflor stehe noch in den Gewächshäusern. Auch die Schäden durch den Schneebruch am Ostermontag seien nicht dramatisch gewesen.

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