Thüngersheim
Weinbau

Für Winzer in Unterfranken ist es zu trocken - Tröpfchen für die Tröpfchen

Wasser, so sollte man meinen, hat es heuer mehr als genug gegeben. Nicht aber in Unterfranken. Für viele Winzer wird die Trockenheit zum Problem.
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Das Herzstück der an sich simplen Bewässerung im Weinberg ist die ausgeklügelte Mess- und Steuertechnik. Foto: dpa
Das Herzstück der an sich simplen Bewässerung im Weinberg ist die ausgeklügelte Mess- und Steuertechnik. Foto: dpa
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Die Wüste lebt. Es ist kein biblisches Wunder, was Gartenbautechniker im von der Sonne verwöhnten Israel schaffen. Sie bringen das lebensnotwendige Wasser Tröpfchen für Tröpfchen an die Wurzeln der Pflanzen - eine Technik, von der jetzt auch die fränkischen (Wein-)Tröpfchen profitieren.
Beim Spaziergang durch die Weinberge in Thüngersheim im Landkreis Würzburg sieht der Laie nichts vom Klimawandel. Sicher, es ist heiß an diesemTag Anfang Juli, und die Sonne knallt mit ganzer Kraft auf die bis zu 45 Grad steilen Hänge. Aber die Rebstöcke recken ihre Triebe in sattem Grün gen Himmel, die Ansätze der Trauben versprechen eine üppige Lese in drei, vier Monaten.


Wüste Franken?

Daniel Heßdörfer denkt in längeren Zeiträumen, und sein Blick zum Himmel und zum Boden im Schatten der Blätter ist durchaus sorgenvoll. Der Pflanzenexperte der Landesanstalt für Weinbau und Landwirtschaft (LWG) in Veitshöchheim beschäftigt sich mit dem Klimawandel, seinen Folgen für den Weinbau in Unterfranken und mit den Gegenmaßnahmen. Am Dienstag wurde am Thüngersheimer Scharlachberg ein deutschlandweit einzigartiges Konzept gegen den Klimastress der Öffentlichkeit präsentiert. Auch Landwirtschaftsminister Helmut Brunner (CSU) nahm dafür den schweißtreibenden Anstieg durch die Weinberge in Kauf. Für den Minister ist das Projekt in Thüngersheim "mustergültig" als Beispiel dafür, wie sich Bayern den unterschiedlichen Herausforderungen des Klimawandels stellt: Das ist auf der einen Seite etwa in Unterfranken das Problem der Trockenheit, in anderen Regionen droht Ungemach durch das Gegenteil, und der Hochwasserschutz muss verbessert werden.


Klimawandel

Unterfranken ist die trockenste Region Bayerns. Während in Südbayern im Durchschnitt bis zu 1200 Millimeter Regen im Jahr fallen, sind es in Unterfranken 550, in trockenen Jahren wie 2003 oder 2015 noch weniger. Hinzu kommt die ungleiche Verteilung der Niederschläge, ein Phänomen, das der Klimawandel verstärkt, wie Heßdörfer sagt: Starken Regen gibt es oft im Winter, in den Sommermonaten, wenn die Pflanzen viel Wasser brauchen, wird es immer trockener.
Die Idee, überflüssiges Wasser im Winter zu sammeln und damit im Sommer zu gießen, ist ein alter Hut. Nur ist herkömmliche Technik aufwendig und teuer, und der Wasserverbrauch ist enorm, wenn Rebflächen etwa beregnet werden. Deshalb hat sich die LWG in Israel Rat geholt, wo die Landwirtschaft schon immer gezwungen ist, die Wüste mit möglichst wenig Wasser zum Blühen zu bringen.
Das Wundermittel ist ein simpler schwarzer Plastikschlauch, alle 50 Zentimeter mit einem kleinen Loch versehen, aus dem das Wasser wohl dosiert direkt an den Fuß des Rebstocks tropft. Gespeist wird das Geflecht der Schläuche am Scharlachberg aus einem 250 Kubikmeter großen Regenwassertank, den die Weinexperten im Winter voll laufen lassen. Das System aus Israel hat Heßdörfer mit seinem Team für die fränkischen Bedürfnisse angepasst und über Jahre erprobt. Anders als in der immer trockenen Wüste gibt es in Frankens Weinbergen ja auch dürren Zeiten Feuchtigkeit, etwa durch den Tau am Morgen.


Mit Maß und Ziel

Die Mess- und Regeltechnik sorgt dafür, dass immer nur so viel Wasser tröpfelt, wie wirklich benötigt wird. Dadurch ist das israelische System im fränkischen Weinberg kostengünstiger als herkömmliche Methoden, der Wasserverbrauch ist geringer, und selbst anspruchsvolle Reben wie der Riesling gedeihen besser. Die maßvoll gezielte Bewässerung erhöht das Mostgewicht, sprich den Zuckergehalt (Öchsle) in den Trauben und damit die Qualität des Schoppens, was dann doch schon fast ein wenig nach einem biblischen Wunder klingt: Wasser zu Wein ....




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